Ein Blood Chit ist ein mitgeführtes mehrsprachiges Schriftstück, mit dem militärisch isolierte Personen örtliche Unterstützung anbahnen können. Seine vorbereitete Botschaft erklärt die Zugehörigkeit des Trägers und bittet um Hilfe auf dem Weg in Sicherheit. Die US-Ausführung verbindet auf einem kleinen Blatt die amerikanische Flagge und Texte in mehreren Sprachen mit einer staatlichen Belohnungszusage und einer Seriennummer.
Was die Botschaft offenlegt
Der amerikanische Blood Chit erklärt dem Gegenüber, dass der Träger Amerikaner ist und die US-Regierung Hilfe belohnen wird. Mit dem Vorzeigen wird diese Zugehörigkeit ausdrücklich mitgeteilt. Das kann eine Person zur Unterstützung bewegen; es kann aber ebenso Misstrauen auslösen oder Informationen an jemanden geben, der mit gegnerischen Kräften zusammenarbeitet. Die Flagge macht den staatlichen Bezug der Bitte für das Gegenüber sichtbar.
Auch ein möglicher Helfer trägt ein Risiko: Wird gegnerischen Kräften bekannt, dass er den Träger versorgt, verborgen oder weitergeleitet hat, können er und seine Familie gefährdet werden. Die Aussicht auf eine spätere Belohnung beseitigt diese Gefahr nicht. Für die isolierte Person gehört daher zur Kontaktentscheidung auch die Frage, wer die Begegnung beobachten oder von ihr erfahren könnte.
Verwendung bei militärischer Isolation
Vor dem Vorzeigen prüft der Träger, welche eigenen Möglichkeiten ihm noch bleiben: Welche Versorgung fehlt, kann man noch aus eigener Kraft weiterkommen, und welchen Vorteil würde die konkrete Begegnung bringen? Eine Verletzung oder erschöpfte Vorräte können Unterstützung dringlich machen. Wer noch selbstständig weiterkommt oder sich verbergen kann, muss dagegen abwägen, ob ein Kontakt mehr Aufmerksamkeit und Abhängigkeit erzeugt, als er an Hilfe erwarten lässt. Dabei zählt die tatsächliche Lage, einschließlich der vorhandenen Kenntnisse über örtliche Gruppen und deren Verbindungen.
Der Träger muss selbst entscheiden, ob er die Hilfsbitte vorzeigt und damit seine Zugehörigkeit offenbart. Kommt Verständigung zustande, sollte er seinen tatsächlichen Bedarf konkret benennen: etwa Versorgung, medizinische Unterstützung oder eine Richtungsangabe. So lässt sich klären, welche Mitwirkung überhaupt gebraucht wird und ob das Gegenüber dazu bereit und in der Lage ist. Die amerikanische Zusage darf dabei nicht durch einen selbst ausgehandelten Belohnungsbetrag erweitert werden.
Zur Vorbereitung gehört, die eigene Ausgabe und ihre Botschaft bereits vor einer möglichen Isolation zu kennen. Die örtliche Gebrauchsunterweisung behandelt, wann, wo und wie der Blood Chit innerhalb der betreffenden Kultur verwendet wird. Sie verbindet den gedruckten Text mit den möglichen Folgen eines Kontakts. Wer die eigenen Sprachblöcke und die staatliche Zusage kennt, kann gezielt die vorgesehene Botschaft vermitteln, statt aus einem unverstandenen Schriftstück ein persönliches Versprechen zu machen.
Örtliche Übersetzungen und Verständigung
Die Sprachblöcke sollen die Hilfsbitte auch dann verständlich machen, wenn Träger und Gegenüber keine gemeinsame Sprache sprechen. Nach der Kontaktentscheidung wird das Blatt zum Lesen gezeigt; das Gegenüber benötigt einen Text in einer Sprache und Schrift, die es versteht. Mehrere Übersetzungen decken nur eine Auswahl von Sprachen und Dialekten ab. Ein örtlich unpassender Text kann daher trotz des mehrsprachigen Aufbaus unbrauchbar sein.
Kann das Gegenüber die Texte nicht lesen, muss der konkrete Bedarf auf einem anderen verfügbaren Weg vermittelt werden, etwa mit passenden Sätzen einer Pointee-Talkee, ihrer Aussprachehilfe oder einfachen Gesten. Eine gedruckte Belohnungszusage lässt sich nicht vollständig durch eine Geste ersetzen. Selbst bei verständlicher Botschaft kann der Empfänger zögern, weil er die spätere Belohnung bezweifelt, das Blatt für gestohlen oder gefälscht hält oder den Träger als Gegner einschätzt.
Kontrollnummer und staatliche Zusage
Die aufgedruckte Seriennummer des amerikanischen Blood Chit dient als Bezug für einen späteren Belohnungsanspruch. Im US-Verfahren wird sie den zuständigen amerikanischen Stellen vorgelegt; die isolierte Person muss wieder unter Kontrolle der eigenen oder befreundeten Seite stehen, und der Anspruch für die geleistete Hilfe wird geprüft. Die Zusage verbindet damit tatsächlich erbrachte Unterstützung mit staatlicher Entschädigung. Sie ist kein Betrag, den der Träger vor Ort festsetzt oder als sofortige Zahlung aushandelt.
Diese staatliche Verpflichtung erklärt auch die Kontrolle der amerikanischen Blood Chits: Ihr Text ist nicht geheim, ihre Ausgabe und Verwaltung unterliegen dennoch staatlicher Kontrolle. Ein Empfänger sieht auf dem Blatt eine Zugehörigkeits- und Belohnungsbotschaft. Die Nummer allein bestätigt ihm weder, dass das Schriftstück echt ist, noch dass die vor ihm stehende Person tatsächlich die behauptete Person ist.
Sprachhilfe, Karte und Authentifizierung
Eine Pointee-Talkee hilft, einzelne vorbereitete Sätze auszuwählen und zu übermitteln. Damit kann der konkrete Bedarf erläutert werden, während der amerikanische Blood Chit die Hilfsbitte und die staatliche Zusage übermittelt. Eine Evasion Chart liefert dagegen eine Karte und zusätzliche Überlebens- und Evasion-Informationen für die eigene Orientierung und Lagebeurteilung.
ISOPREP enthält vorbereitete persönliche Angaben und Authentifizierungsinformationen, mit denen eigene Rückführungskräfte die Identität einer isolierten Person prüfen können. Diese geschützten Angaben erfüllen eine andere Aufgabe als die offen vorgezeigte Hilfsbitte. Sie gehören nicht als zusätzliche Begründung oder Vertrauensbeweis in ein Gespräch mit einem unbekannten örtlichen Ansprechpartner. Nationale Zuordnung durch den Blood Chit und persönliche Authentifizierung gegenüber eigenen Kräften bleiben getrennte Vorgänge.
Amerikanische und historische britische Ausführungen
Die amerikanische Ausführung besteht aus einem kleinen Tyvek-Blatt mit US-Flagge, mehrsprachiger Zusage und Nummer.
Historische britische Ausführungen für alliierte Flugzeugbesatzungen verwendeten unter anderem Seide mit Union Jack oder Papier mit britischem Wappen. Ihre örtlichen Sprachtexte baten um Hilfe und stellten eine Belohnung in Aussicht; bei einer Papierausführung war die Unterstützung zum nächsten alliierten Posten ausdrücklich genannt. Solche britischen Hilfsmittel wurden auch von australischen Besatzungsangehörigen getragen. Trägernation, Hoheitszeichen und der Staat hinter einer Zusage müssen daher anhand der jeweiligen Ausführung unterschieden werden.