Wiki · Begriffserklärung

CFSS

CFSS bezeichnet das Centre de formation à la survie et au sauvetage, das französische Ausbildungszentrum für Überleben und Rettung auf der Luftwaffenbasis 120 in Cazaux. Die Einrichtung der Armée de l’Air et de l’Espace bereitet fliegendes Personal der Luft- und Weltraumstreitkräfte, der Marine und des Heeres auf Isolation nach einem Luftfahrtnotfall vor: überleben, Gefangennahme vermeiden, in Gefangenschaft gegnerischer Ausnutzung widerstehen und an der eigenen Rückführung mitwirken. Außerdem bildet sie mit dem Commando parachutiste de l’air n° 30 Bodenkräfte für die Rückführung isolierten Personals aus.

Auftrag im französischen SERE-System

Der Ausgangspunkt ist eine Besatzung, die ihr Luftfahrzeug verlassen musste und sich plötzlich am Boden oder im Wasser behaupten muss. Der Absturz oder Ausstieg kann Verletzungen verursachen und Ausrüstung verstreuen; im feindlichen Gebiet kann der Gegner zugleich die wahrscheinliche Landungszone absuchen. CFSS verbindet deshalb die Vorbereitung auf Umwelteinwirkungen mit dem Verhalten unter gegnerischer Bedrohung und der Zusammenarbeit bei einer möglichen Rettung. Der französische SERE-Zusammenhang umfasst Survie, Évitement de capture beziehungsweise Évasion, Résistance und Extraction: Überleben, Vermeiden von Gefangennahme, Widerstand gegen gegnerische Ausnutzung und Rückführung.

Alpha, Bravo und Charlie bezeichnen den nach Isolations- und Ausnutzungsrisiko abgestuften Ausbildungsumfang. Alpha vermittelt die theoretischen Grundlagen bei geringem Risiko. Bravo ergänzt praktische Anwendung bei mittlerem Risiko. Charlie bereitet Personal mit hohem Risiko auch durch zusammenhängende praktische Situationen auf Überleben, Evasion, Gefangenschaft und Rückführung vor. Fliegendes Personal der französischen Luft- und Weltraumstreitkräfte erhält diese höchste Stufe, weil sein Einsatz es über feindliches Gebiet führen kann. Das Kürzel CFSS bezeichnet die ausbildende Einrichtung; Charlie bezeichnet den Ausbildungsstand der gefährdeten Person.

Der nationale Rahmen beschreibt die benötigten Fähigkeiten, während die Teilstreitkräfte die Durchführung und den Erhalt ihrer Qualifikationen regeln. Der gemeinsame CFSS-Auftrag für Besatzungen mehrerer Teilstreitkräfte liegt darin, diese Menschen auf vergleichbare Isolationsprobleme vorzubereiten. Umweltlehrgänge, SERE-Ausbildung und die Ausbildung einer Rückführungsmannschaft bearbeiten dabei verschiedene Aufgaben. Ein Kältelehrgang bereitet auf die Umgebung nach einem Unfall vor; eine Charlie-Lage verbindet solche Überlebensaufgaben mit Gefangennahmerisiko und den Verfahren der Rückführung.

Was die Besatzung selbst leisten muss

Nach Erreichen des Bodens muss die Person ihre Umgebung, ihren körperlichen Zustand und die noch erreichbare Ausrüstung erfassen. Eine Verletzung verändert, wie weit sie sich bewegen und was sie tragen kann. Ein vom Körper getrenntes Überlebenspaket hilft erst, wenn es tatsächlich geborgen werden kann; die Suche danach muss gegen Zeitverlust und Entdeckungsrisiko abgewogen werden. Die Ausbildung an der persönlichen Ausrüstung setzt deshalb bei den Mitteln an, die der Besatzung nach einem Ausstieg oder Absturz bleiben können. Das Pack wird nach den überflogenen Räumen zusammengestellt.

Schutz, Standortbestimmung, Wasser und Nahrung müssen unter diesen Bedingungen miteinander verbunden werden. Wer zum Beispiel einen Schutzplatz erreicht, muss auch beurteilen, ob er dort verborgen bleiben, an Wasser gelangen und eine vorbereitete Rückführung unterstützen kann. Eine weite Bewegung kann den unmittelbaren Suchbereich verlassen, kostet aber Kraft und verändert den Ort, an dem eigene Kräfte die Person suchen würden. Ein auffälliges Signal kann einen Retter auf die Person aufmerksam machen und zugleich den Gegner zu ihr führen.

Praktisch sind drei unterschiedliche Funktionen zu beherrschen: den eigenen Ort bestimmen und sich bewegen, den Ort für andere markieren und Informationen übermitteln. Ein Positionsgerät liefert zunächst der Person selbst eine Ortsangabe. Ein Licht-, Infrarot- oder Rauchsignal muss von der passenden Suchkraft wahrgenommen werden können. Mit einem nutzbaren Kommunikationsmittel lassen sich dagegen Position, Zustand und notwendige Absprachen übermitteln. Welche dieser Möglichkeiten nach dem Notfall noch besteht, hängt von den erhaltenen Geräten, ihrer Betriebsbereitschaft und der tatsächlichen Verbindung ab.

Umweltlehrgänge und Wasserlandung

Zum CFSS-Auftrag gehören getrennte Ausbildungen für kalte, Wüsten- und äquatoriale Umgebungen. Sie bereiten Besatzungen darauf vor, mit ihrer Notausrüstung in dem Raum zu handeln, in dem sie nach einem Unfall landen können. Kälte und Wind verlangen Schutz vor Wärmeverlust; in ariden Räumen prägen Wasserbedarf und Hitze die Einteilung der verfügbaren Mittel. In äquatorialer Umgebung müssen die Besatzungen die Bedingungen eines feuchten, dicht bewachsenen Waldes bewältigen. Diese Anforderungen verändern den Schutzplatz, den Umgang mit dem Pack und die für Versorgung oder Bewegung verfügbare Kraft.

Die Umweltvorbereitung verbindet Unterricht über den jeweiligen Raum mit Eingewöhnung an das Klima, dem Üben einzelner Tätigkeiten und betreuter Anwendung der passenden Fähigkeiten im Gelände. Die Teilnehmer arbeiten dabei mit den tatsächlich vorgesehenen Mitteln. Die kontrollierte Ausbildung gibt Gelegenheit, Ausrüstung und Handgriffe unter den Umweltbedingungen kennenzulernen, bevor sie nach einem Unfall ohne diesen Ausbildungsrahmen gebraucht werden.

Eine weitere konkrete Aufgabe ist das Amerrissage sous voile, die Wasserlandung unter einem Fallschirm. Jagd- und Transportbesatzungen können ihr Luftfahrzeug über dem Meer verlassen müssen. CFSS vermittelt diese Fähigkeit in der Anfangsausbildung und bietet dafür Auffrischungstraining an. Im kontrollierten Übungsaufbau wird der Teilnehmer mit Gurtzeug und Sicherheitskabel an ein Trainingsboot angeschlossen, über dessen Winde in eine Übungshöhe gebracht und wendet dort die vorgesehenen Verfahren bis zur Wasserlandung an. Der Gegenstand ist der Übergang vom Fallschirm ins Wasser. Ausstieg aus einer untergetauchten Kabine, Rettungsinseln oder Hubschrauberaufnahme sind jeweils andere Ausbildungsaufgaben mit anderen Geräten und Bewegungsabläufen.

Evasion und Verhalten nach Gefangennahme

Im feindlichen Gebiet beginnt das Gefangennahmerisiko bereits mit der Suche nach der abgestürzten oder ausgestiegenen Besatzung. Die Person muss ihre Überlebenshandlungen deshalb so ausführen, dass sie die Suche möglichst nicht zu sich führt. Im französischen Charlie-Rahmen wird das Zusammenspiel von Überleben, Vermeiden von Gefangennahme und Erleichtern der Rückführung in einer praktischen Lage mit Einsatzausrüstung und Gegenkräften geübt. Die Gegnerlage beeinflusst, wann sich jemand bewegt, wo er Schutz sucht und wann er sich für eigene Kräfte erkennbar macht.

Wird die Person gefangen genommen, ändern sich ihre Handlungsmöglichkeiten. Das Zentrum bereitet auf das Überleben in Gefangenschaft sowohl körperlich als auch psychisch vor. Dazu gehört Conduite après capture, das Verhalten nach Gefangennahme. Der französische Ausbildungsrahmen behandelt den Schutz von Informationen, die Phasen der Gefangenschaft, rechtliche und psychologische Zusammenhänge sowie auf Charlie-Stufe das praktische Widerstehen gegenüber staatlichen und nichtstaatlichen Gewahrsamsinhabern. Eine Frage nach Einheit, Auftrag oder weiteren Kräften kann auf militärische Informationsgewinnung zielen; die Vorbereitung soll helfen, diese gegnerische Ausnutzung zu erkennen und die eigenen Informationen zu schützen.

Psychologische Überlebensvorbereitung begleitet die CFSS-Ausbildung. Der Wechsel vom geordneten Arbeitsraum des Cockpits zu einer fremden Bodenumgebung, möglicherweise mit Verletzung und Bedrohung, verlangt plötzlich andere Entscheidungen. Panik kann zu überstürzter Bewegung führen; Apathie kann verhindern, dass die Person Schutz herstellt oder ihre Mittel nutzt. Die praktische Konfrontation mit einer solchen Lage soll das Personal an diesen Wechsel heranführen. Geübte unmittelbare Handlungen geben einen Anfang: den Zustand erfassen, vorhandene Mittel ordnen und den nächsten Schutz-, Bewegungs- oder Kontaktvorgang bewältigen. Auch in Gefangenschaft muss sie ihre körperliche und geistige Handlungsfähigkeit unter der Belastung möglichst erhalten.

Besatzung und Bodenkräfte für dieselbe Rückführung vorbereiten

Das Zentrum bildet sowohl potenziell isolierte Besatzungen als auch die Bodenkräfte aus, die sie zurückführen sollen. Im Lehrgang Ground Extraction Forces arbeiten CFSS-Ausbilder mit Instruktoren des CPA 30 zusammen. Die Bodenkräfte üben Rettung, Exfiltration und Erste Hilfe, Tätigkeiten zu Fuß sowie das Zusammenwirken mit Hubschraubern und Booten. In einer zusammenhängenden Übung müssen sie ihren Auftrag vorbereiten, auf Veränderungen reagieren und isolierte Piloten finden und herausführen. Die Piloten wenden währenddessen ihre eigene, in anderen CFSS-Lehrgängen erworbene Überlebensvorbereitung an.

Wo eine funktionierende Funkverbindung vorhanden ist, geben die isolierten Piloten geografische und medizinische Lageinformationen an die Bodenkräfte weiter. Eine belastbare Ortsangabe hilft dem Team, die Suche auf den richtigen Bereich auszurichten. Angaben zu Verletzung und Bewegungsfähigkeit beeinflussen, wie das Team die Person erreichen und transportieren kann. Die Besatzung muss diese Informationen selbst gewinnen und verständlich übermitteln; das Bodenteam muss daraus seine Suche und Aufnahme organisieren.

Zur Kontaktvorbereitung gehören außerdem Identifizierung und Authentifizierung. Die Rückführungskräfte müssen prüfen können, ob sie tatsächlich mit der gesuchten Person sprechen und ob der Kontakt als Falle benutzt wird. CFSS verbindet deshalb die Ausrüstungsunterweisung mit den vorbereiteten Rückführungsverfahren und der Kenntnis der persönlichen Authentifizierungsinformationen. Eine Positionsmeldung beantwortet die Frage nach dem Ort; die Authentifizierung prüft die Identität des Gegenübers. Erst im passenden Kontaktzusammenhang setzt die isolierte Person das vereinbarte Signal ein und folgt den abgestimmten Aufnahmehandlungen.

Die französische Recherche et sauvetage de combat, kurz RESCo, benötigt das Zusammenwirken vorbereiteten Personals, geeigneter Flugmittel und Bodenkräfte. Der CFSS-Anteil ist ihre Ausbildung und die Vorbereitung dieser Zusammenarbeit. Ob ein entsprechender Kräfteansatz in einem Einsatz tatsächlich bereitsteht und handeln kann, wird durch die Einsatzplanung, verfügbare Mittel und Bedrohung bestimmt. Bis ein nutzbarer Kontakt zustande kommt, muss die isolierte Person mit den verbliebenen Mitteln Schutz, Versorgung und Evasion fortsetzen. Auch bei Kontakt können Gelände, eigene Verletzungen oder gegnerische Aktivitäten eine andere Aufnahme als den zunächst vorgesehenen Vorgang erfordern.

Ausbilderentwicklung im Zentrum

Das fachliche Kernpersonal bilden Survival-Instruktoren, viele davon mit einem beruflichen Hintergrund bei den Luftwaffenkommandos. Im internen Ausbildungsweg durchlaufen sie die Lehrgänge zunächst selbst als Teilnehmer und anschließend in der Ausbilderrolle. Weitere Spezialisierung führt sie auch zu Partnern im Ausland, beispielsweise zur Ausbildung für extreme Kälte.

CFSS entsendet außerdem Fachpersonal zu gemeinsamen Rückführungsübungen, bei denen Besatzungen, Hubschrauber und Bodenkräfte zusammenarbeiten. Dort beobachten und besprechen die Experten unter anderem das Verhalten der isolierten Personen und die Anwendung der vereinbarten Verfahren. Das Zentrum sammelt auch Erfahrungsberichte ausgestiegener Besatzungen und nutzt entsprechende Ausschnitte für die Ausbildung, etwa zum Schock beim Ausstieg und zur Wahrnehmung der Zeit am Boden.