Wiki · Begriffserklärung

Immersion Suit

Ein Immersion Suit, deutsch Überlebensanzug, ist ein Ganzkörper-Schutzanzug, der bei einem Aufenthalt im Wasser und nach maritimer Isolation den Wassereintritt und den Verlust von Körperwärme begrenzen soll. Seine Schutzwirkung entsteht aus der geschlossenen Außenhülle, den Dichtstellen und der zum jeweiligen Modell gehörenden Wärmedämmung. Ob zusätzlich eine Rettungsweste erforderlich ist oder eine eigene Auftriebseinrichtung benutzt wird, bestimmt die konkrete Anzugkonstruktion.

Wärmeschutz und Dichtheit

Kaltes Wasser nimmt Wärme von Haut und Kleidung auf; Strömung und Bewegung führen erwärmtes Wasser ab und bringen kälteres nach. Eine geschlossene Anzughülle begrenzt diesen unmittelbaren Kontakt und das Durchspülen der darunterliegenden Kleidung. Oberhalb der Wasseroberfläche wirkt sie zugleich als Barriere gegen Wind und Spritzwasser. Ein wasserdichtes Gewebe allein bietet jedoch wenig Wärmedämmung: Ein isolierender Materialaufbau, ein eingesetztes Futter oder die vorgeschriebene Unterbekleidung müssen den Wärmefluss nach außen bremsen. Der Anzug erzeugt selbst keine Wärme.

Wasserdichtigkeit entsteht an mehreren Stellen zugleich. Neben dem Material und seinen Nähten müssen der wasserdichte Reißverschluss, die Hals- und Handgelenkmanschetten beziehungsweise die zum Modell gehörenden Gesichts- und Handabschlüsse dicht sitzen. Angesetzte Füße oder Socken schließen den Beinbereich ab. Ein offener Verschluss oder eine schlecht anliegende Manschette schafft einen Eintrittsweg, auch wenn der übrige Anzug unbeschädigt ist. Dringt Wasser ein, werden Innenlagen nass und verlieren einen Teil ihrer Dämmwirkung. Auch Schweiß kann sie durchnässen; das Schließen der Außenhülle trocknet diese Schichten nicht wieder.

Bauformen und Verwendung

Ein Anzug, der erst für das Verlassen eines Schiffs angezogen wird, erfüllt eine andere Trageaufgabe als ein Constant-Wear Suit, der bereits während der Arbeit getragen wird. Beim länger getragenen Modell müssen Dichtheit und Wärmeschutz mit Bewegung und Bedienung vereinbar sein. Für Flugpersonal kommen der Sitz im Cockpit, die Erreichbarkeit der Bedienelemente und die Kombination mit weiterer persönlicher Ausrüstung hinzu. In der US Air Force wird für den Kaltwasserschutz von Piloten unter anderem die Bezeichnung Anti-exposure Suit verwendet. Der Anzug übernimmt dabei eine eigene thermische Aufgabe neben Rettungsweste, Überlebensweste und Rettungsinsel; ein G-Anzug erfüllt dagegen die Aufgabe des Schutzes gegen Beschleunigungsbelastung im Flug.

Die Bezeichnungen auf einem Anzug können sich überschneiden. Der VIKING Hurricane wird beispielsweise als Immersion Suit, Anti-exposure Suit und Constant-Wear Suit geführt, wobei die Ausführung des Futters die thermische Einstufung verändert. Ein Luftfahrtmodell wie der Survitec 1000S verbindet eine atmungsaktive, schwer entflammbare Außenhülle mit einem bestimmten wärmeisolierenden Unteranzug und einer geeigneten Rettungsweste. Die bloße Außenhülle ist also nicht die vollständige vorgesehene Schutzkombination. Eine gewöhnliche Nässeschutzjacke bietet weder die geschlossenen Körperöffnungen noch die geprüfte Kombination eines solchen Anzugs.

Das vorhandene Exemplar prüfen

Vor dem Anziehen müssen Modell, Größe und Anziehanleitung am tatsächlichen Anzug erkennbar sein. Die Beschriftung der Tasche kann zu einem anderen eingelegten Exemplar gehören. Den Anzug auf einer möglichst sauberen Fläche entfalten, innen und außen auf Nässe sowie auf Risse, Löcher und beschädigte Dichtstellen prüfen und den Reißverschluss über seinen gesamten Weg auf Gängigkeit kontrollieren. Ein blockierter Verschluss lässt sich im Wasser mit kalten Händen kaum besser schließen. Für die Pflege kommt nur das dafür vorgesehene Schmiermittel infrage; die Funktionskontrolle ist kein Anlass, einen klemmenden Verschluss mit Gewalt weiterzuziehen.

Das erforderliche Futter und die vorgesehenen Innenkleidungsschichten müssen tatsächlich vorhanden sein. Größe, Bein- und Rumpflänge sowie Halsweite müssen mit diesen Schichten zusammenpassen. Die Person muss sich beugen, Arme und Beine bewegen und die vorgesehenen Verschlüsse sowie ihre vorhandenen Ausrüstungsgegenstände erreichen können. Ein zu enger Anzug behindert diese Bewegungen; eine zu weit sitzende Hals- oder Handgelenkmanschette kann Wasser einlassen. Bei einem Anzug mit Handschuhen gehört zur Kontrolle auch, ob sich damit die kleinen Bedienelemente der eigenen Ausrüstung bedienen lassen.

Vorhandene Auftriebsteile auf Beschädigung und richtigen Sitz kontrollieren. Bei einem aufblasbaren System müssen dessen vorgeschriebene Bereitschaftsanzeigen stimmen und der Auslösegriff zugänglich sein. Haube und Handschuhe können angesetzt, abnehmbar oder in eigenen Taschen verstaut sein; sie müssen vor dem Verlust der Handfunktion gefunden und benutzt werden können. Reflexmaterial macht die Person bei Beleuchtung leichter sichtbar, eine vorhandene Leuchte oder Pfeife ermöglicht eine zusätzliche örtliche Signalisierung. Diese Merkmale erhöhen zugleich die Auffälligkeit gegenüber einem Gegner.

Anziehen und vollständig verschließen

Ein zum Überziehen bestimmter Anzug wird möglichst vor dem Wassereintritt über der erforderlichen Innenbekleidung angezogen. Beine, Rumpf und Arme müssen vollständig in ihren vorgesehenen Bereichen sitzen, bevor der wasserdichte Verschluss geschlossen und der Sitz der Dichtstellen geprüft wird. Ob Schuhe und vorhandene Kopfbedeckung vorher abgelegt werden, wie ein Brustverschluss gesichert wird und wann Haube, Handschuhe und Auftriebsmittel angelegt werden, steht in der Anleitung des Modells. Beim Hurricane ist beispielsweise das Ablegen von Schuhen und Kopfbedeckung vorgesehen; diese Reihenfolge darf nicht auf einen anderen Anzug mit anderer Fuß- und Halskonstruktion übertragen werden.

Der Reißverschluss muss bis in seine vorgesehene geschlossene Endstellung geführt werden. Kleidung darf dabei keine Dichtstelle offenhalten. Eine angelegte Haube ersetzt den korrekten Dichtsitz der Halsmanschette nicht. Bei einem bereits getragenen Luftfahrt- oder Arbeitsanzug müssen vor der möglichen Immersion auch die für Belüftung oder bequemeres Tragen geöffneten Verschlüsse wieder vollständig geschlossen sein. Danach bleiben die zur Bedienung vorgesehenen Griffe und Ausrüstungsgegenstände erreichbar. Das Zuschneiden einer Manschette oder ein eigener Umbau würde ihre Passform und Dichtfunktion verändern und gehört nicht zu diesen Handgriffen.

Auftrieb und Atemwege

Thermischer Schutz, Schwimmfähigkeit und das Freihalten der Atemwege sind getrennte Funktionen. Auftrieb aus einem Anzug oder seiner Zusatzkammer sagt noch nicht, ob eine erschöpfte oder bewusstlose Person in eine günstige Lage gedreht wird. Beim Hurricane PS4190 ist eine zugelassene, kompatible Rettungsweste erforderlich. Der Hurricane+ PS4191 besitzt dagegen ein eigenes aufblasbares Auftriebshilfsmittel und darf nicht mit einer zusätzlichen Rettungsweste verwendet werden. Beide Anzugausführungen richten eine bewusstlose Person nicht selbstständig mit dem Gesicht nach oben auf.

Eine beliebige zusätzliche Weste kann die Schwimmlage verschlechtern: Entscheidend ist neben dem Gesamtauftrieb, wo dieser am Körper wirkt. Eine ungeeignete Kombination kann die Person mit dem Kopf nach unten neigen. Deshalb gehört die freigegebene Anzug-Westen-Kombination zur Vorbereitung des konkreten Systems. Im Wasser muss die Person die eigene Lage und die freie Atmung beurteilen. Eine Wärmeschutzhaube lässt Mund und Nase zum Atmen frei; eine dafür vorgesehene Spritzschutzhaube der Rettungsweste übernimmt die gesonderte Aufgabe, Wellenspritzer von den Atemwegen abzuhalten.

Kälte, Undichtigkeit und Schäden

Bei plötzlichem Kaltwassereintritt kann die Atmung zunächst unkontrolliert werden. Schutzkleidung verlangsamt die Hautabkühlung und kann diese Belastung vermindern. Sobald die Atmung wieder kontrolliert ist, müssen notwendige Handgriffe früh erfolgen: zugängliche Verschlüsse schließen, Haube und Handschutz benutzen und vorhandene Signalgeber erreichen. Die Abkühlung von Nerven und Muskeln kann Greifkraft und Schwimmfähigkeit schwächen, bevor eine starke Abnahme der Körperkerntemperatur eingetreten ist. Dicke oder fest angesetzte Handschuhe können zugleich die Bedienung kleiner Schalter erschweren; diese Einschränkung muss schon bei der Vorbereitung erkannt werden.

Bei spürbarem Wassereintritt zuerst einen erreichbaren, noch offenen Verschluss beziehungsweise den Sitz einer zugänglichen Dichtstelle prüfen, soweit Atmung und Schwimmlage dies erlauben. Bleibt der Anzug bei geschlossenen Verschlüssen und korrekt sitzenden Dichtstellen undicht, verringert das eindringende Wasser die vorgesehene Schutzwirkung. Ein tatsächlich erreichbarer Schwimmkörper oder eine Plattform, auf die sich die Person ganz oder teilweise bringen kann, vermindert den weiteren Wärmeverlust im Wasser. Einen Anzug zur vermeintlichen Fehlerbehebung im Wasser zu öffnen oder auszuziehen schafft zusätzlichen Wasserkontakt.

Eine unauffällige Oberfläche schließt verdeckte Defekte nicht aus. Nähte, Klebestellen und Verschlüsse können altern und undicht werden, ohne dass ein deutlicher Riss sichtbar ist. Die Sichtkontrolle erkennt grobe Schäden; sie ersetzt die dafür vorgesehene Dichtheitsprüfung und Instandhaltung nicht. Bei einem beschädigten Exemplar darf die ursprüngliche Schutzleistung deshalb für weitere Entscheidungen nicht vorausgesetzt werden. Improvisierte Druckprüfungen der Anzughülle und Leckreparaturen durch Kleben oder Nähen ersetzen das vorgesehene Reparatur- und Prüfverfahren nicht.

Weiterer Schutz außerhalb des Wassers

Auf einer erreichbaren Rettungsinsel, einem tragfähigen Schwimmkörper oder an Land bleibt der Schutz gegen Wind und Spritzwasser wichtig. Nasse Innenkleidung kann auch außerhalb des Wassers weiter auskühlen, besonders durch Verdunstung und Wind. Vor dem Öffnen der Hülle muss deshalb ein ausreichend geschützter Platz vorhanden sein; die Kleidung soll nicht erneut durch Wellen oder Spritzwasser durchnässt werden. Wer nur teilweise aus dem Wasser gelangt ist, muss weiterhin die im Wasser liegenden Körperbereiche und die eigene stabile Lage berücksichtigen.

In einem geschlossenen, wärmeren Schutzraum oder bei starker körperlicher Arbeit kann die umfangreiche Wärmedämmung dagegen Wärme und Schweiß stauen. Dort lässt sich die Bekleidung nur so weit öffnen oder anpassen, wie kein neuer Wassereintritt droht und die Umgebung es zulässt. Eine auf dem Anzug genannte thermische Klasse oder Prüfdauer bezieht sich auf eine bestimmte Kombination aus Anzug, Futter und Unterbekleidung unter festgelegten Prüfbedingungen. Andere Nässe, Bewegung, Wind und persönliche körperliche Voraussetzungen verändern die Wärmebilanz. Aus dieser Angabe lässt sich deshalb keine verbleibende Überlebenszeit ableiten; die Person darf ihre eigenen Schutzmaßnahmen nicht im Vertrauen darauf aufschieben.