Wiki · Begriffserklärung

Cold Weather Survival

Cold Weather Survival bezeichnet das Überleben unter Kälteeinwirkung und die darauf ausgerichtete militärische Ausbildung. Die isolierte Person muss ihre Körperwärme, Bewegungsfähigkeit und Urteilsfähigkeit mit den tatsächlich verfügbaren Mitteln erhalten. Bei einer Evasion gehören dazu der Schutz während verdeckter Ruhephasen und eine Einteilung von Arbeit, Nahrung und Wasser, die das weitere Entziehen ermöglicht. Die deutsche Bezeichnung Winterüberleben schließt auch nasse, windige Kälte ohne Schnee ein.

Kälte und Handlungsfähigkeit

Wärmeverlust entsteht über mehrere Wege: Wind trägt Wärme von der Körperoberfläche fort, kalter Boden nimmt sie durch direkten Kontakt auf, und verdunstendes Wasser entzieht Wärme. Zusätzlich gibt der Körper Wärmestrahlung an kältere Umgebungsflächen ab. Nasse Kleidung dämmt schlechter als trockene. Deshalb kann eine Person auch oberhalb des Gefrierpunkts gefährlich auskühlen, besonders nach Regen, einem Wasserkontakt oder starkem Schwitzen.

Der Körper verringert bei Kälte die Durchblutung seiner äußeren Bereiche, um Wärme im Körperkern zu halten. Hände und Füße kühlen dabei ab; Finger verlieren Feinmotorik, Muskeln können steif werden. Schon das Öffnen eines Verschlusses, das Anziehen weiterer Kleidung oder das Handhaben kleiner Ausrüstungsteile dauert dann länger. Handschuhe schützen, erschweren aber ebenfalls manche feinen Handgriffe. Nötige Arbeiten sollten deshalb vorbereitet werden, solange die Hände noch funktionieren, und ungeschützte Arbeit an kleinen Teilen möglichst kurz bleiben.

Vorhandenen Schutz nutzen

Beim Übergang von Bewegung zu Ruhe fällt die durch Muskelarbeit erzeugte Wärme weg. Vor einer längeren Beobachtungs- oder Versteckphase wird die Bekleidung deshalb wieder geschlossen oder um verfügbare Schichten ergänzt. Der Ruhepunkt braucht Schutz gegen Wind und Niederschlag sowie eine Trennung vom kalten Untergrund. Eine dunkle, gut verborgene Mulde kann nass oder stark ausgekühlt sein; ein Sichtschutz löst das Wärmeproblem dort nicht. Der Aufwand für einen besseren Platz muss gegen die dafür nötige Bewegung und die verbleibende Kraft abgewogen werden.

Verfügbare trockene Kleidung, eine Unterlage, eine Decke oder anderes geeignetes Dämmmaterial werden dort eingesetzt, wo Wärme verloren geht: unter dem Körper und um ihn herum. Eine vorhandene wetterdichte Hülle hält Wind und eindringendes Wasser ab; die Dämmung darunter bremst den Wärmeverlust. Eine dünne Folie kann Wind und Verdunstung begrenzen; gegen Wärmeverlust am Boden braucht es zusätzlich Dämmung. Trockenes Laub, trockenes Moos oder Reisig können auch ohne fertige Matte eine isolierende Bodenschicht bilden. Sammeln, Schneiden und Heranschaffen kosten jedoch Arbeit und hinterlassen Veränderungen am Aufenthaltsort.

Nasse Kleidung wird gegen trockene ersetzt, wenn trockener Ersatz und ausreichender Schutz während des Wechsels vorhanden sind. Fehlt Ersatz, kann eine tatsächlich vorhandene undurchlässige Hülle bei der ruhenden Person Verdunstung und Windwirkung begrenzen; vorhandene Dämmung und Bodenschutz bleiben zusätzlich nötig. Die Hülle erzeugt keine Wärme. Dieses Vorgehen zur Begrenzung weiterer Verluste ist auch kein Grund, einen anstrengenden Marsch dauerhaft dicht eingehüllt fortzusetzen: Unter der Hülle sammelt sich sonst weitere Feuchtigkeit.

Arbeit, Ruhe und Versorgung

Arbeitstempo und Bekleidung werden angepasst, bevor starker Schweiß entsteht. Beim anstrengenden Weiterweg oder bei Schutzarbeiten können vorhandene Schichten geöffnet oder reduziert werden; Wind- und Nässeschutz müssen dabei erhalten bleiben. Schnee auf der Bekleidung wird entfernt, bevor er schmilzt und das Material durchnässt. Wer einen Schutzplatz mit höchstem Tempo ausbaut, kann zunächst warm sein und beim anschließenden Stillstand rasch auskühlen. Ein kürzerer Arbeitsschritt mit einer erneuten Kontrolle von Nässe, Wärme und Kraft kann deshalb mehr nutzbare Ruhe ermöglichen als ein großer Ausbau.

Muskelarbeit und Zittern brauchen Energie. Nahrung und trinkbares Wasser müssen für den Weiterweg ebenso berücksichtigt werden wie für die Arbeiten am Aufenthaltsort. Kälte dämpft das Durstempfinden, obwohl durch Schweiß und Atmung Flüssigkeit verloren geht. Vorhandene Lebensmittel und Wasser sollten mit möglichst wenig zusätzlicher Arbeit genutzt werden; jede weitere Beschaffung braucht Zeit und Kraft. Wenn Wasser erst durch Schmelzen von Schnee gewonnen oder vorhandene Nahrung mithilfe einer Wärmequelle zubereitet werden muss, kommen Brennstoffbedarf und Entdeckungsrisiko hinzu.

Wärme und Entdeckung

Zusätzliche Wege zum Sammeln von Material oder Brennstoff bilden im Schnee Spuren, die zum Ruhepunkt führen können. Feuer bringt Wärme, hinterlässt aber Licht und Rauch; bei strenger Kälte und ruhiger Luft kann Rauch über einem Aufenthaltsort liegen bleiben. Auch Wärme hebt sich von einem kalten Hintergrund ab. Die Entscheidung für eine Wärmequelle umfasst deshalb ihren tatsächlichen Nutzen, die erforderliche Arbeit und die mögliche Beobachtung. Ein weißes Tarnmuster verändert die sichtbare Farbe, beseitigt aber keinen Wärmeunterschied.

Eine lange reglose Versteckphase spart verräterische Bewegung, erhöht jedoch das Auskühlungsrisiko, wenn Dämmung und Wetterschutz nicht ausreichen. Umgekehrt kann ständige Bewegung die Kraft für einen später notwendigen Weiterweg aufbrauchen und den eigenen Weg deutlicher machen. Die Person prüft deshalb vor dem Halt, ob sie dort mit ihren Mitteln ruhen kann, und während des Halts, ob Hände, Aufmerksamkeit und Bewegungsfähigkeit erhalten bleiben. Ein Aufenthaltsort, an dem diese Fähigkeiten fortlaufend abnehmen, verliert seinen Nutzen für das weitere Entziehen.

Warnzeichen und Entscheidungsgrenzen

Zunehmende Ungeschicklichkeit, Erinnerungslücken, Verwirrung, undeutliche Sprache und Benommenheit können auf Unterkühlung hinweisen. Die Person erkennt ihre Verschlechterung möglicherweise selbst nicht mehr zuverlässig. Zittern ist eine Wärmeproduktion des Körpers; sein Nachlassen trotz weiterer Auskühlung ist keine Entwarnung. Wiederholt misslingende einfache Handgriffe oder Schwierigkeiten, den nächsten Schritt zu verstehen, sind Gründe, zusätzliche Belastung zu vermeiden und Wärmeverluste am möglichst geschützten Ort zu begrenzen. Verfügbare trockene Abdeckung und Dämmung haben dann Vorrang vor einem weiteren umfangreichen Ausbau oder einem langen, anspruchsvollen Weiterweg. Bei voll wachem Zustand können vorhandene Nahrung und ein nicht alkoholisches Getränk genutzt werden. Alkohol, Reiben der Gliedmaßen und unkontrollierte starke Hitze sind keine geeignete Gegenmaßnahme.

Örtliche Kälteschäden betreffen besonders Füße, Hände und ungeschützte Gesichtspartien. Nasse kalte Füße können auch ohne Gefrieren geschädigt werden; enge Schnürung und lange Bewegungslosigkeit verschärfen das Problem. Zu enge Schnürung wird deshalb gelockert; feuchte Socken werden gegen verfügbare trockene getauscht. Bei einem geschützten Halt werden die Füße getrocknet und vor erneuter Nässe geschützt, soweit dies ohne zusätzliche Auskühlung möglich ist. Blasse, wachsige, ungewöhnlich harte oder taube Haut ist ein Warnzeichen für Erfrierung. Betroffene Stellen werden geschützt und nicht mit Schnee oder durch Reiben bearbeitet. Gefrorenes Gewebe wird nicht absichtlich aufgetaut, solange erneutes Gefrieren droht, weil dieser Wechsel weitere Schäden verursacht. Gehen auf erfrorenen Füßen belastet das geschädigte Gewebe zusätzlich; eine unmittelbar notwendige Fluchtbewegung muss gegen diese Verschlimmerung abgewogen werden. Gesichtstarnfarbe kann die blassen Farbveränderungen verdecken und erschwert dadurch das Erkennen beginnender Erfrierungen.

Nationale Ausbildungsformen

In Norwegen richtet sich der NATO Winter Survival Course an luftoperatives Personal und behandelt unter anderem Bewegung im Schnee, Notbiwak, Nahrung, Wasser und das Mitteilen des eigenen Aufenthaltsorts nach einem Luftfahrtnotfall. Das Ausbildungsziel ist, bis zur Aufnahme handlungsfähig zu bleiben und auffindbar zu werden. Der NATO Cold Weather Survival Instructor Course hat einen anderen Schwerpunkt: Ausbilder und Berater lernen Überleben hinter feindlichen Linien mit einem Minimum an Ausrüstung und über längere Zeit abgeschnittener Versorgung. Er richtet sich vor allem an Offiziere und Unteroffiziere für Fernaufklärung und Spezialoperationen. Für diese Lage müssen Wärme und Versorgung mit dem Verbergen vor dem Gegner vereinbart werden; offene Auffindbarkeit wäre dabei ein anderes Handlungsziel.

Kanadas Arctic Aircrew Survival Course konzentriert sich auf die Überlebensprioritäten von Luftfahrzeugbesatzungen in arktischer Umgebung, insbesondere Notunterkunft und Erhalt der Körpertemperatur. Die tatsächlich erreichbare Überlebensausrüstung hängt vom Luftfahrzeug und von der Notlage ab. Ein früherer arktischer Lehrgang bezog deshalb die kleinere Ausstattung eines Schleudersitzes und die andere Ausstattung größerer Luftfahrzeuge in die praktische Ausbildung ein. Für die isolierte Person bedeutet das, die Funktionen des vorhandenen Materials zu nutzen und Schutz oder Versorgung nicht mit Gegenständen zu planen, die beim Verlassen des Luftfahrzeugs zurückgeblieben sind.

Ein früheres finnisches Modell des SERE-Ausbilderlehrgangs verband eine herbstliche C-Phase mit einer eigenen Winter-SERE-Phase. Zum Gegenstand gehörten Überleben und Bewegung in gegnerisch kontrolliertem Gebiet, Verhalten nach Gefangennahme, Personnel Recovery sowie die Nutzung persönlicher Ausrüstung und der Umgebung. Der Winteranteil führt damit die Überlebens- und Bewegungsaufgaben unter Kälteeinwirkung weiter. Schwedens Wintereinheit am Norrbottens regemente bildet dagegen auch reguläre Verbände für Gefecht, Funktionen und Bewegung in subarktischer Umgebung aus. Solche Winterausbildung umfasst die Handlungsfähigkeit ganzer Einheiten und ihrer Technik; Cold Weather Survival bei Isolation konzentriert sich auf die Person und die ihr verbliebenen Mittel.