Mayday ist das internationale Sprechfunk-Notsignal für eine schwere und unmittelbar drohende Gefahr, bei der sofortige Hilfe benötigt wird. Es eröffnet eine Notmeldung, die Identität, Position, Art der Notlage und benötigte Unterstützung übermittelt. Im See- und Flugfunk hat dieser Notverkehr Vorrang vor anderem Funkverkehr. Eine isolierte Person kann damit eine Notlage melden, wenn ihr verbliebenes Funkgerät einen erreichbaren Empfänger im passenden Funkdienst ansprechen kann.
Mayday oder Pan-Pan?
Die tatsächliche Gefahr entscheidet über das Signal. Ein brennendes oder sinkendes Schiff, eine lebensbedrohliche Verletzung oder eine unmittelbar bevorstehende Notlandung können sofortige Unterstützung erfordern. Ein technischer Defekt allein beschreibt diese Gefahr noch nicht: Ein manövrierunfähiges Boot auf freiem Wasser bei ruhigem Wetter befindet sich in einer anderen Lage als dasselbe Boot, das auf eine Felsküste zutreibt. In der Meldung gehört deshalb die konkrete Folge des Schadens an die Stelle einer bloßen Fehlerbezeichnung.
Pan-Pan, dreimal gesprochen, kündigt eine Dringlichkeitsmeldung an. Sie betrifft die Sicherheit einer Person oder eines Fahrzeugs, ohne bereits die schwere und unmittelbar drohende Gefahr einer Mayday-Lage zu bezeichnen. Pan-Pan erhält Vorrang vor gewöhnlichem Verkehr, Mayday auch vor Dringlichkeitsverkehr. Verschärft sich die Lage bis zur unmittelbaren schweren Gefahr, wird sie mit Mayday neu gemeldet; der Empfänger muss die erhöhte Dringlichkeit erkennen können.
Den vorhandenen Funkweg prüfen
Eine Sprachmeldung braucht einen betriebsfähigen Sender mit Stromversorgung und Antenne sowie eine Gegenstelle, die seine Frequenz und Betriebsart empfangen kann. Ein Seefunkgerät und ein Flugfunkgerät bedienen unterschiedliche Funkdienste; dieselbe Kanalzahl auf beliebigen Geräten bezeichnet keinen gemeinsamen Übertragungsweg. Bei UKW und den üblichen örtlichen Flugfunkverbindungen begrenzen Funkhorizont und Hindernisse die Erreichbarkeit. Ein niedriger Standort, eine tief über dem Wasser gehaltene Antenne oder abschirmendes Gelände können den Kontakt verschlechtern. In einer Evasion-Lage muss die Person einen besseren Funkkontakt gegen das Risiko abwägen, für die günstigere Funkposition sichtbar aus der Deckung zu treten.
Vor dem Senden kurz hören, damit eine laufende Notmeldung nicht überlagert wird. Bei einem Sprechfunkgerät mit Sprechtaste zuerst die Taste drücken, dann mit klarer, normaler Stimme sprechen. Am Ende der Meldung die Taste loslassen und hören. Wer sie gedrückt hält, bleibt im Sendebetrieb und kann auf diesem Gerät die Antwort nicht empfangen. Lautes, hastiges Sprechen erschwert dagegen, Namen, Zahlen und den eigentlichen Bedarf auseinanderzuhalten.
Eine brauchbare Meldung im Seefunk
Im maritimen UKW-Funk wird der gesprochene Notruf auf Kanal 16 abgesetzt. Ein vorhandener DSC-Controller kann davor einen digitalen Notalarm auf Kanal 70 senden. DSC bedeutet Digital Selective Calling: Das Gerät überträgt eine digitale Kennung und bei entsprechend vorhandenen Daten die Position. Kanal 70 dient diesem digitalen Verkehr; dort wird keine Sprachmeldung gesprochen. Die eigentliche Notlage, der Zustand der Personen und die benötigte Hilfe werden anschließend über Sprechfunk erläutert. Die Auslösung richtet sich nach dem vorhandenen Gerät, dessen Notruftaste und dessen Bedienanweisung.
Der maritime Nachrichtengang lässt sich so ordnen:
- Mit „Mayday, Mayday, Mayday“ den Notverkehr eröffnen.
- „This is“ sagen, den eigenen Fahrzeugnamen dreimal nennen und Rufzeichen oder andere Identifikation sowie die vorhandene MMSI hinzufügen. MMSI ist die digitale Seefunkkennung.
- Einmal „Mayday“ und die eigene Identifikation wiederholen, dann die Position angeben.
- Die Notlage konkret benennen, die benötigte Unterstützung sagen und die Zahl der Personen sowie wichtige Verletzungen oder Erkrankungen melden.
- Weitere für die Suche brauchbare Angaben anschließen: etwa Fahrzeugbeschreibung, Bewegung oder die Absicht, das Fahrzeug zu verlassen. Mit „Over“ abschließen und zum Empfang übergehen.
Wenn nur wenige Sekunden bleiben, zuerst Notsignal, Identität, brauchbare Position und akute Gefahr mit dem wichtigsten Bedarf übermitteln. Zusätzliche Einzelheiten können folgen, sobald wieder Zeit zum Senden besteht. Ein langer Bericht über den Hergang kann die Information verdrängen, die den Suchraum eingrenzt.
Bei Koordinaten müssen die vollständigen Werte und ihre Nord-/Süd- sowie Ost-/West-Zuordnung verständlich sein. Ist nur eine geschätzte Position oder der letzte sicher bekannte Ort verfügbar, genau das sagen. Eine brauchbare Alternative kann ein eindeutig benannter Geländepunkt mit Richtung und Entfernung sein. Dabei den Ausgangspunkt der Richtung und die Entfernungseinheit mitsprechen, etwa: „Der Leuchtturm liegt von uns aus auf 080 Grad magnetisch, Entfernung zwei Seemeilen.“ Bei einer Peilung angeben, ob sie rechtweisend oder magnetisch ist. Bewegung seit diesem Ort beziehungsweise die Drift eines Fahrzeugs ergänzen. Eine erfundene Genauigkeit schickt die Suche an einen falschen Ort.
In deutschen Seegebieten lautet der Rufname der Seenotküstenfunkstelle „Bremen Rescue“. Im britischen Verfahren wird ebenfalls der digitale Alarm durch den gesprochenen Mayday-Nachrichtengang auf Kanal 16 ergänzt. Die internationale Verständlichkeit des Notsignals bleibt dabei erhalten; Rufname, Funknetz und räumliche Erreichbarkeit der Küstenstellen sind örtlich verschieden. Ein im Gerät angezeigter gesendeter Alarm beschreibt zunächst die eigene Aussendung. Eine fremde Bestätigung ist eine getrennte Rückmeldung.
Was im Flugfunk anders ist
Im US-Flugfunk wird eine Notlage normalerweise zuerst der Flugverkehrsstelle auf der bereits benutzten Frequenz gemeldet. Nach Mayday folgen die angesprochene Stelle, Kennung und Typ des Luftfahrzeugs sowie die konkrete Notlage. Absicht und benötigte Unterstützung, Position und Kurs, Flughöhe, verbleibender Kraftstoff in Minuten und Personenzahl liefern die für die weitere Führung benötigten Angaben. Bei unbekannter aktueller Position gehören letzter bekannter Ort, Zeitpunkt und seither geflogener Kurs in die Meldung.
Ein bestehender Kontakt wird durch einen unnötigen Frequenzwechsel unterbrochen. Wird ein Wechsel erforderlich, soll die Gegenstelle vorher die neue Frequenz und die neue Stelle erfahren. Kommt dort kein beidseitiger Kontakt zustande, wird die letzte funktionierende Verbindung wieder aufgesucht. Die Seefunkkanäle und das maritime DSC-Verfahren gehören nicht zu diesem Flugfunkablauf.
Offener Notruf unter gegnerischer Bedrohung
Ein unverschlüsselter Sprachruf ist für andere kompatible Empfänger verständlich. Wer Position, Verletzung und Bewegungsabsicht ausspricht, gibt diese Information auch möglichen gegnerischen Hörern preis; die Aussendung kann außerdem zur Funkpeilung genutzt werden. Dieser Zusammenhang bleibt selbst bei einem militärischen Überlebensfunkgerät bestehen. Beim US-System CSEL ist der geschützte Datenaustausch über große Entfernung eine andere Funktion als der unverschlüsselte örtliche Sprechfunk.
Für die isolierte Person bedeutet das: den tatsächlich vorbereiteten Kommunikationsweg und die vorhandenen Funkanweisungen nutzen, den notwendigen Meldungsinhalt vorher ordnen und unnötige Wiederholungen vermeiden. Ein offener Mayday-Ruf kommt insbesondere dann in Betracht, wenn die unmittelbare Gefahr den Versuch einer breiten Alarmierung erforderlich macht. Bestehende geschützte oder gezielt vorbereitete Verbindungen müssen nach ihren eigenen Verfahren bedient werden.
Der eigene Name oder das Rufzeichen macht eine Meldung zuordenbar. Eine antwortende Stimme allein beweist nicht, dass die Gegenstelle zu eigenen oder befreundeten Kräften gehört. Beim Kontakt mit Rückführungskräften bleibt die vorbereitete Authentifizierung erforderlich. Übermittelt werden die für den tatsächlichen Kontakt nötigen Lageangaben; Kennwörter und weitere geschützte Identitätsinformationen gehören in das jeweils vorgeschriebene Verfahren.
Nach der Meldung
Nach einer Antwort zuhören, unklare Anweisungen nachfragen und falsch verstandene Angaben berichtigen. Änderungen von Position, Zustand oder beabsichtigter Handlung melden, damit die Gegenstelle mit der aktuellen Lage arbeitet. Eine Empfangsbestätigung bedeutet, dass eine Stelle die Meldung aufgenommen hat. Welche Unterstützung sie tatsächlich organisiert und wann diese den Ort erreichen kann, muss im weiteren Kontakt geklärt werden.
Bleibt im Seefunk eine Antwort aus, zwischen kurzen Wiederholungen zum Empfang übergehen. Dabei am eigenen Gerät Stromversorgung, Antenne, gewählten Kanal und Betriebsart gegen die Bedienanweisung prüfen. In militärischer Isolation gelten für erneute Aussendungen und Ersatzverbindungen die tatsächlich vorhandenen Funkanweisungen. Beliebiges Durchrufen auf weiteren Kanälen verbraucht Batterie und vergrößert die eigene Funkexposition, während der Aufenthaltsort einer hörenden Gegenstelle weiterhin unbekannt bleibt.