Wiki · Begriffserklärung

Non-Conventional Assisted Recovery (NAR)

Non-Conventional Assisted Recovery (NAR), nichtkonventionell unterstützte Rückführung, ist eine Form der Personnel Recovery, bei der isoliertes Personal mithilfe nichtkonventioneller Kräfte oder anderer Unterstützung zurückgeführt wird, wenn konventionelle Rückführungsmittel für die Lage ungeeignet sind. Ihr Zweck ist, den Zugang zur Person, ihre Unterstützung und ihre Rückkehr unter eigene oder befreundete Kontrolle durch andere verfügbare Fähigkeiten zu ermöglichen. Je nach nationalem System führen dabei ausgebildete örtliche oder stellvertretende Akteure, Spezialkräfte oder andere beauftragte Stellen unterschiedliche Aufgaben aus.

Das Zugangsproblem hinter NAR

Eine isolierte Person kann sich außerhalb der Reichweite konventioneller Kräfte oder in einem Gebiet befinden, das diese nur unter einem zu hohen Risiko erreichen würden. In dicht bebautem, gegnerisch kontrolliertem Gelände kann zusätzlich ein geeigneter Aufnahmepunkt fehlen. Gebäude behindern die Sicht und Funkverbindungen; die Versorgung aus der Luft und eine unmittelbare Aufnahme werden schwieriger. Eine bekannte Position reicht dann nicht, um einen Hubschrauber oder ein Fahrzeug an die Person heranzubringen.

NAR setzt an diesem Abstand zwischen dem Wissen um die Person und dem tatsächlichen Zugang zu ihr an. Vorbereitete örtliche Akteure können einen anderen Zugang besitzen als von außen anrückende Kräfte. Spezialkräfte können eigene Fähigkeiten und bestehende Kontakte zu örtlichen Gruppen einbringen. Die Unterstützung soll die Verbindung zwischen dem Aufenthaltsort der Person und einer möglichen Rückführung herstellen. Das kann eine längere Unterstützungsphase und eine Weiterbewegung bis zu einem erreichbaren Aufnahmeort erfordern. Zivilpersonen können selbst für den Gegner beobachten oder Meldungen weitergeben.

Was die Unterstützung tatsächlich leisten muss

Die ausführenden Helfer und die Stellen, die sie vorbereiten, versorgen oder führen, erfüllen verschiedene Funktionen. Im früheren US-Begriffsmodell wird NAR durch örtliches oder stellvertretend handelndes Personal ausgeführt. Dieses Personal wird durch Spezialoperationskräfte, Kräfte der unkonventionellen Kriegführung an Land oder auf See oder durch dafür speziell ausgebildetes und beauftragtes Personal anderer Regierungsstellen ausgebildet, unterstützt und geführt. Der Begriff bezeichnet damit eine organisierte Rückführungsfähigkeit mit ausführenden Akteuren und fachlicher Anbindung.

Bei der Rückführung müssen Aufenthaltsort und Identität geklärt, tatsächlicher Kontakt hergestellt, die Person unterstützt und die weitere Bewegung oder Aufnahme ermöglicht werden. Versorgung vor der Aufnahme hat einen eigenen Zweck: Sie erhält die körperliche und psychische Handlungsfähigkeit während einer verzögerten Rückführung. Dazu können eine nutzbare zweiseitige Verbindung und Nachversorgung gehören. Welche Aufgaben ein örtlicher Helfer, eine Spezialkräftegruppe oder später eintreffende Rückführungskräfte übernehmen, richtet sich nach deren tatsächlichen Mitteln und Auftrag.

Eine vorbereitete Fähigkeit braucht ausgebildete Akteure, verfügbare Mittel und Koordination bereits vor dem Isolationsereignis. Ein US-Modell zur Fähigkeitsentwicklung sieht dafür vor Beginn offensiver Operationen bereitgestellte Kräfte und Unterstützung in Gebieten vor, in denen andere PR-Fähigkeiten nicht durchführbar, nicht zugänglich oder nicht vorhanden sind. Für die Person zählt die für ihren Einsatz tatsächlich vorbereitete Möglichkeit: wer Kontakt herstellen kann, welche Unterstützung erreichbar ist und wie diese mit der weiteren Aufnahme zusammenpasst.

Die Mitwirkung der isolierten Person

Die einsatzbezogene Vorbereitung verbindet den eigenen Evasion-Plan mit der vorgesehenen Rückführung. Ein Evasion Plan of Action beschreibt beabsichtigtes Verhalten und Bewegung; Identifizierungsunterlagen wie ISOPREP liefern Angaben für die spätere Identitätsprüfung. Kontakt- und Kommunikationsvorgaben müssen zu den mitgeführten Mitteln und zur Umgebung passen. Eine auf Funkkontakt und Luftfahrzeugaufnahme beschränkte Planung greift zu kurz, wenn Gebäude die Verbindung unterbrechen oder kein Aufnahmepunkt nutzbar ist. Für diese Lage sind die tatsächlich vorgesehenen Alternativen und die körperlichen Grenzen der Person entscheidend.

Erreicht ein vorhandenes Kommunikationsmittel eine bekannte Rückführungsgegenstelle, ermöglichen Standort und Zustand die Beurteilung, ob Kontakt, Versorgung oder Aufnahme durchführbar sind. Eine Verletzung kann den geplanten Weg zu einem Aufnahmeort verhindern; eine veränderte Position kann eine bereits begonnene Suche am falschen Ort fortsetzen lassen. Die Person trägt deshalb durch zutreffende Angaben und die Mitwirkung an den für den Einsatz vorbereiteten Verfahren zur Rückführung bei. Eine Bewegungsanweisung muss mit den eigenen Fähigkeiten und den tatsächlich vorhandenen Transport- oder Unterstützungsmitteln zusammenpassen.

Kontakt und Authentifizierung lösen unterschiedliche Probleme. Kontakt schafft eine Verbindung zur Person; die Authentifizierung prüft, ob es die gesuchte Person ist. Der Gegner kann falsche Meldungen verbreiten oder eine Rückführungskraft zu einer vermeintlich isolierten Person locken. Die Person schützt daher ihre vorbereiteten Authentifizierungsangaben und verwendet sie im vorgesehenen Verfahren. Sie gibt sie nicht beliebigen Personen gegenüber preis, die Hilfe anbieten. Ein örtlicher Mensch gehört nicht allein durch Ortskenntnis oder Hilfsbereitschaft zur vorgesehenen Rückführungsfähigkeit.

Weiterbewegung und Übergabe

Unterstützung und Rückführung können sich überlappen. Die Person kann bereits versorgt werden, während die eigentliche Aufnahme noch vorbereitet wird. Ein Helfer kann Kontakt und Unterstützung übernehmen, während andere Akteure die weitere Bewegung oder Extraktion ausführen. Die Zusammenarbeit mit konventionellen Kräften kann den Übergang zu einer verfügbaren Aufnahme ermöglichen. Erst die tatsächliche Rückkehr unter den physischen Gewahrsam einer eigenen oder befreundeten Organisation beendet die Isolation; ein einzelner Kontakt oder eine zugesagte spätere Fahrt erreicht diesen Zustand noch nicht.

Dazu verbindet die PR-Koordination besondere Unterstützung mit den übrigen Kräften. Ein früheres US-Army-Modell weist Planung, Koordination und Überwachung einer Special-Operations-Koordinierungszelle zu, die mit dem Joint Personnel Recovery Centre (JPRC) und den PR-Stellen der Komponenten zusammenarbeitet. Der neuere NATO-Rahmen führt nichtkonventionelle militärische und nichtmilitärische Aktionen über die gemeinsame Führung mit dem konventionellen Bereich zusammen; nationale Vorgaben und die Spezialoperationsführung bestimmen die besonderen Verfahren. Bei einer Übergabe müssen die beteiligten Akteure über dieselbe bestätigte Identität, den aktuellen Zustand und Aufenthaltsort informiert sein und die nächste Aufnahme aufeinander abstimmen.

Nationale Bedeutungen und Zuständigkeiten

Im früheren US-Begriffsrahmen ist Unconventional Assisted Recovery (UAR) eine durch Spezialoperationskräfte ausgeführte NAR. Ein früheres französisches Modell trennt anders: UAR bezeichnet dort von Spezialkräften unter dem Commandement des opérations spéciales geführte Missionen, gegebenenfalls mit Beiträgen oder Unterstützung anderer militärischer Komponenten. NAR bezeichnet Rückführung mit Mitteln außerhalb der Streitkräfte. Die nationale Zuordnung verändert damit, wer die Unterstützung ausführt und wie eine militärische Aufnahme angebunden wird. Aus der Bezeichnung NAR allein lässt sich die Zugehörigkeit eines möglichen Helfers nicht bestimmen.

Der neuere NATO-Rahmen nennt SOF Recovery Operations als eigene Methode und verweist auf den Spezialoperationsrahmen. In den USA verwaltet die Joint Personnel Recovery Agency das Non-Conventional Assisted Recovery Program und koordiniert Anforderungen, Finanzierung und Berichtsverfahren. Die Agentur führt selbst keine unmittelbare Rettung isolierten Personals durch. Die Programmführung und die Kräfte oder Akteure, die eine bestimmte Person tatsächlich erreichen, haben verschiedene Aufgaben.

NAR und Gelegenheitshilfe

Im NATO-Modus Opportune Recovery nutzt die Person eine Gelegenheit zur Rückführung mit Hilfe anderer Akteure, die vorher eingeplant gewesen sein können oder nicht. Bei NAR stehen die besondere Rückführungsfähigkeit, ihre handelnden Akteure und deren Unterstützung beziehungsweise Führung im Mittelpunkt. Ein ausgegebenes Evasion-Hilfsmittel kann die eigene Rückkehr erleichtern; bei NAR übernehmen andere Akteure tatsächlich Unterstützungs- oder Rückführungsaufgaben.