Wiki · Begriffserklärung

PRA

PRA steht für Personnel Recovery Academy, die spezialisierte SERE-Ausbildungseinrichtung der amerikanischen Joint Personnel Recovery Agency. SERE bedeutet hier Survival, Evasion, Resistance and Escape: Überleben, Vermeiden einer Gefangennahme, Widerstand gegen gegnerische Ausnutzung und Flucht aus Gefangenschaft. Die Academy bereitet ausgewähltes Personal auf Isolation und die Rückkehr unter die Kontrolle der eigenen oder einer befreundeten Organisation vor. Ihr Schwerpunkt liegt auf Personen, deren Auftrag, Funktion oder Einsatzumgebung ein hohes Isolationsrisiko mit einem besonderen Wert für einen möglichen Gegner verbindet. Die Ausbildung deckt Anforderungen ab, die in bestehenden Programmen der Teilstreitkräfte oder Einsatzkommandos nicht berücksichtigt werden.

Zielgruppe und Risikoprofil

Bei der Auswahl zählen zwei miteinander verbundene Fragen: Wie wahrscheinlich ist es, dass die Person von ihrer Organisation abgeschnitten wird, und welche Folgen hätte ihre Ausnutzung? Ein gefährdeter Auftrag kann zu einer erzwungenen Landung, zur Trennung von eigenen Kräften oder zum Verlust einer erwarteten Verbindung führen. Die Funktion der Person, ihr Wissen und ihre Verantwortung beeinflussen zugleich den Wert, den ein Gegner einer Gefangennahme beimisst.

Die Academy arbeitet für den US-Verteidigungsbereich; ihr Auftrag umfasst auch entsprechende Ausbildung im weiteren US-Regierungsbereich und für NATO-Verbündete. Die Auswahl richtet sich nach konkreten Anforderungen und Missionen.

Was die spezialisierte Vorbereitung leisten soll

Die eigene Rolle innerhalb von SERE umfasst den Erhalt der körperlichen Handlungsfähigkeit, das Vermeiden einer Gefangennahme und den Widerstand gegen gegnerische Ausnutzung. Dazu kommen die Flucht aus Gefangenschaft, wenn sich eine tatsächlich nutzbare Möglichkeit eröffnet, sowie die Mitwirkung an einer möglichen Rückführung. Während einer Isolation müssen diese Aufgaben mit den verbliebenen Mitteln bewältigt werden. Verletzung, Erschöpfung, fehlendes Wasser oder verlorene Ausrüstung können Bewegung und Kontaktaufnahme einschränken. Ein Marsch zur eigenen Seite ist nur dann eine brauchbare Möglichkeit, wenn Zustand, Entfernung, Gelände und Bedrohung ihn zulassen; andernfalls bleiben Schutz, unentdecktes Ausharren und die Vorbereitung einer möglichen Aufnahme wesentliche eigene Aufgaben.

Zur einsatzbezogenen Vorbereitung gehört deshalb die Verbindung von Verfahren und tatsächlich verfügbarer Ausrüstung. Wer ein Signalmittel mitführt, muss dessen vorgesehene Verwendung kennen; wer es nach einem Zwischenfall nicht mehr besitzt, kann seine Planung nicht weiter auf dieses Mittel stützen. Dasselbe gilt für Funk, Energieversorgung und Beweglichkeit. Eine Ausbildungsentscheidung muss diese Einschränkungen berücksichtigen, weil sie später darüber bestimmen, ob die Person ihre Absichten umsetzen und für befreundete Kräfte erreichbar sein kann.

Eigene Vorbereitung auf Personnel Recovery

Der Zusammenhang mit Personnel Recovery beginnt vor dem Einsatz. Die Person braucht die für ihren Auftrag geltenden Kriterien für Isolation und die dazugehörigen Handlungs- und Kontaktverfahren. Eine zeitweilige Trennung, die zum Auftrag gehört, kann andere Folgen haben als eine erzwungene Landung im feindlichen Gebiet. Bereits vereinbarte Kriterien helfen, den Übergang zu erkennen und die vorbereiteten Handlungen anzuwenden, bevor die eigene Lage durch unkoordinierte Bewegung noch schwerer nachvollziehbar wird.

Ein Evasion Plan of Action hält fest, wie die Person oder Gruppe im Fall einer Isolation voraussichtlich handeln will. Dazu gehören beabsichtigte Versteck- und Bewegungsräume, Möglichkeiten bei Verletzungen, Kontakt- und Aufnahmepunkte sowie vorhandene Kommunikations- und Signalmittel. Für Rückführungskräfte ist dieser Plan eine Grundlage, um wahrscheinliche Aufenthaltsorte und weitere Bewegungen abzuschätzen. Stimmen Auftrag, Ausrüstung oder Absichten nicht mehr mit dem Plan überein, verlieren dessen Angaben an Wert. Änderungen müssen daher vorab berücksichtigt und bei einer später tatsächlich möglichen Verbindung mitgeteilt werden.

ISOPREP erfüllt eine andere Aufgabe: Vorbereitete Angaben unterstützen die Identifizierung und Authentifizierung der Person. Der Ausweichplan erklärt, wo jemand sein und was er tun könnte; die Authentifizierung hilft den aufnehmenden Kräften zu prüfen, mit wem sie Kontakt haben. Diese Angaben müssen gegen gegnerischen Zugriff geschützt werden. Eine genaue Position ersetzt die Identitätsprüfung nicht, weil ein Gegner eine scheinbar echte Verbindung oder Aufnahmelage zur Täuschung nutzen kann.

Handlungsfähigkeit und tatsächliche Aufnahme

Während einer Isolation bleibt die Person selbst ein handelnder Teil des PR-Systems. Sie muss ihre Lage beobachten, ihre körperlichen Möglichkeiten einschätzen und Schutz, Versorgung und Bewegung an die Bedrohung anpassen. Technische Überwachung durch die eigene Organisation ersetzt diese Aufmerksamkeit nicht.

Gelingt mit den verbliebenen Kommunikationsmitteln eine Verbindung, übermittelt die Person ihren Standort, ihren Zustand und ihre Bewegungsmöglichkeiten. Diese Angaben helfen den planenden Kräften zu entscheiden, welche ihrer verfügbaren Mittel einen Zugang zur Person unter der bestehenden Bedrohung ermöglichen. Eine Verletzung kann beispielsweise verhindern, dass die Person einen vorgesehenen Aufnahmepunkt erreicht. Sichtbare oder elektronische Signale können die Suche erleichtern, zugleich aber einem Gegner den Aufenthaltsort verraten. Die Person muss ihre Verwendung deshalb auf die vereinbarten Verfahren, die mögliche Beobachtung durch einen Gegner und die tatsächliche Kontaktlage abstimmen.

Bei einer tatsächlichen Aufnahme greifen die vorbereiteten Erkennungs- und Kontaktverfahren mit den Anweisungen der Rückführungskräfte zusammen. Die Person muss sich wie vereinbart identifizieren, Authentifizierungsangaben schützen und die konkreten Aufnahmeinstruktionen befolgen. Rückführung kann durch unterschiedliche Kräfte und Mittel erfolgen; deren Vorgehen hängt von Bedrohung, Zugang und Zustand der Person ab. Erst die Rückkehr unter die tatsächliche Kontrolle einer eigenen oder befreundeten Organisation beendet die isolierte Lage. Die weitere Reintegration schließt sich daran an.

PRA und PRETC im selben PR-System

Die Personnel Recovery Academy konzentriert sich auf die spezialisierte persönliche SERE-Vorbereitung. Das Personnel Recovery Education and Training Center, kurz PRETC, richtet seine PR-Ausbildung und Übungsunterstützung dagegen auf die operative Arbeit von Kommandostellen und Stäben. Dort stehen Koordination, Synchronisierung und Planung im Mittelpunkt, einschließlich der Unterstützung von Übungen auf operativer und strategischer Ebene.

Die persönliche Vorbereitung soll auch dann tragfähige eigene Handlungen ermöglichen, wenn keine Hilfe erreichbar ist. Die Stabsarbeit muss berücksichtigen, wie die Person wahrscheinlich handelt, welche Verbindungsmöglichkeiten bestehen und welche Kräfte einen Auftrag unter den tatsächlichen Bedingungen ausführen können.