Ausbildung weltweit · Belgien

SERE und Combat Survival in Belgien

Wie belgische Soldaten und Luftfahrzeugbesatzungen Überleben unter Bedrohung, Ausweichen, Gefangenschaft und die eigene Vorbereitung auf Rückführung trainieren.

Ein belgischer Soldat demonstriert ein Leuchtsignal im Dschungelausbildungszentrum Akanda.
Ein belgischer Soldat demonstriert ein Leuchtsignal im Dschungelausbildungszentrum Akanda.

Belgische SERE-Ausbildung bereitet Soldaten darauf vor, nach einer Trennung von den eigenen Kräften handlungsfähig zu bleiben, einer Gefangennahme auszuweichen und an ihrer Rückführung mitzuwirken. Ein abgeschossener Pilot muss dabei mit seiner persönlichen Überlebensausrüstung zurechtkommen; ein isolierter Paracommando muss Schutz und Versorgung mit einer Bewegung durch bedrohtes Gelände verbinden. Wird die Person gefangen genommen, verändert sich die Aufgabe erneut: Verhalten unter fremder Kontrolle und Schutz militärischer Informationen treten in den Vordergrund. In belgischen Ausbildungsbeschreibungen steht SERE für Survival, Evasion, Resistance und Extraction.

Land-Survival und Evasion im Paracommando-Weg

Im belgischen Commando-A-Ausbildungsmodell ist der SERE-Anteil ausdrücklich als Level B bezeichnet. Er umfasst Feuer, Wasser, Unterkunft und Nahrung, Escape und Evasion, Verhalten nach einer Gefangennahme sowie Personnel-Recovery-Verfahren. Die Aufgabe ist, diese Fähigkeiten als isoliertes Personal anzuwenden. Durchschlagen und Versorgung bleiben deshalb miteinander verbunden: Wer weitergehen will, braucht genügend körperliche Reserven; wer zum Versorgen oder Ruhen anhält, muss zugleich das Risiko einer Entdeckung berücksichtigen. Zum Ausbildungsmodell gehören auch eine Escape-Übung und Bewegung bei Nacht beziehungsweise in schwierigem Gelände.

Der belgische Weg zur SERE-Unterweisung in den Einheiten führt über Unit-SERE-Instruktoren. In ihrer Ausbildung wenden die Teilnehmer Überlebenstechniken, Verfahren zum Vermeiden einer Gefangennahme und Extraktionsverfahren im Gelände an. Dafür stehen bewaldete Ausbildungsräume mit Wasserzugang und eigene Isolationszonen zur Verfügung. Ihr späterer Unterrichtsauftrag reicht bis zur SERE-Stufe B, schließt jedoch theoretischen und praktischen Resistance-Unterricht aus. Das Verständnis verschiedener Gefangenschaftslagen innerhalb dieser Ausbildung ist damit von der Befugnis getrennt, selbst Resistance-Training durchzuführen.

Klimaausbildung verändert die konkrete Überlebensentscheidung. Beim belgischen Special Operations Regiment wird etwa das Verhalten bei Whiteout behandelt: Schnee und nahezu fehlende Sicht nehmen dem Soldaten die sichtbaren Geländebezüge. Ohne erkennbare Geländebezüge kann der Soldat seine weitere Bewegung nicht mehr zuverlässig bestimmen, während Kälte und Wind den Körper weiter auskühlen. Die Teilnehmer üben deshalb den Bau von Schneelöchern und Schneehöhlen. Ein Schneeloch benötigt weniger Bauzeit, eine Schneehöhle mehr Zeit und bietet mehr Komfort. In einer dringenden Lage zählt, wie schnell Schutz erreichbar ist; die angenehmere Unterkunft kann zu spät fertig werden. Ergänzende belgische SERE/PR-Instruktoranteile für Kälte, Wüste und Dschungel verbinden jeweils Überleben, Vermeiden einer Gefangennahme und selbstständige oder unterstützte Rückkehr mit der betreffenden Umgebung.

Aircrew: erst die Lage, dann die eigene Ausrüstung

Das belgische Combat Survival Centre in Beauvechain verbindet grundlegende Überlebensausbildung mit anschließenden Ausbildungsanteilen für das jeweilige Luftfahrzeug. Während der Landanteil mit der Kampf- und Feldausrüstung des Soldaten arbeitet, muss Aircrew die Notausrüstung ihres Luftfahrzeugs benutzen können. Die persönliche Notausrüstung eines Kampfpiloten und die Mittel einer Besatzung mit mehreren Personen erzeugen unterschiedliche Aufgaben. Der Einzelpilot muss seine Ausrüstung selbst erreichen und bedienen. Bei einer mehrköpfigen Besatzung kommt die Abstimmung hinzu: Wer noch handlungsfähig ist, welche Mittel nach der Notlage verfügbar sind und welche Personen bei einer Aufnahme berücksichtigt werden müssen, betrifft die gesamte Gruppe. Mehrere Besatzungsmitglieder bedeuten dabei nur dann gegenseitige Unterstützung, wenn sie nach dem Notfall tatsächlich zusammenbleiben oder wieder zusammenfinden.

Sea Survival: vom Wasser bis zur möglichen Aufnahme

Der belgische Sea Survival Initial Course verbindet theoretische Vorbereitung, Schwimmbecken und offene See. Angehende Piloten und Besatzungsmitglieder steigen ins tiefe Wasser, bewegen sich mit einem wasserdichten Anzug und üben den Einstieg in ein Rettungsfloß. Auf See üben sie diese Aufgaben im Zusammenhang: Sie gelangen ins Wasser, erreichen das Floß, übermitteln ihre Position und lassen sich vom unterstützenden Marineschiff aufnehmen.

Die Person muss trotz Wasser, Kälte und eingeschränkter Beweglichkeit ihre Ausrüstung benutzen und an Bord kommen. Auch Seekrankheit kann die Bedienung und den Fortgang der Aufgabe erschweren. Deshalb gehören der Umgang mit dem Überlebenssatz und das Verhindern einer Unterkühlung zum Wasseranteil. In einer wirklichen Notlage bleibt die Aufnahme davon abhängig, dass ein geeignetes Fahrzeug die Person erreichen kann. Ist das noch nicht möglich, muss sie mit dem vorhandenen Floß und Überlebensmaterial weiter durchhalten.

Gefangennahme: Lage erkennen und Informationen schützen

Der belgische Gefangenschaftsanteil umfasst Verhalten nach der Gefangennahme; zur praktischen SERE-Ausbildung gehören auch simulierte Gefangennahmen durch den Gegner. Damit endet die Möglichkeit, Aufenthaltsort und Bewegung frei zu bestimmen. Gerät ein Angehöriger der belgischen Streitkräfte in einem internationalen bewaffneten Konflikt in die Gewalt des Gegners, gilt für ihn der Kriegsgefangenenrahmen. Er regelt die Behandlung unter fremder Kontrolle und die Auskunftspflicht bei einer Befragung.

Ein Soldat mit Kriegsgefangenenstatus muss bei einer Befragung Familienname und Vornamen, Dienstgrad, Geburtsdatum und die militärische Identifikationsnummer beziehungsweise gleichwertige Angaben nennen. Die Identitätskarte ist auf Verlangen vorzuzeigen. Daraus entsteht keine Pflicht, Informationen über Auftrag, eigene Kräfte oder deren Absichten preiszugeben. Für die Person verläuft die Grenze damit zwischen Angaben zur eigenen Identität und militärischen Informationen. Die Gewahrsamsmacht darf Auskünfte weder durch Folter noch durch anderen Zwang erzwingen.

Eigene Ortung, Kontakt und Rückführung

Belgische Besatzungsmitglieder unterstützen die Suche nach ihnen, indem sie ihre persönlichen Ortungsmittel bedienen. Ein Notsender im Luftfahrzeug kann die Suche auf die Maschine lenken. Ein persönlicher Ortungssender wird dagegen vom einzelnen Besatzungsmitglied aktiviert. Ein passend ausgerüstetes Suchluftfahrzeug kann aus der empfangenen Sendung die Richtung zum Ortungssender bestimmen; Peilungen aus unterschiedlichen Positionen grenzen den Aufenthaltsort weiter ein. Entscheidend sind beide Seiten dieser Verbindung: Die Person muss ein funktionierendes, erreichbares Gerät haben, und im Suchraum müssen geeignete Empfangsmittel eingesetzt sein.

Für die Zusammenarbeit mit Partnerkräften gehören Aufenthaltsort, beabsichtigtes Verhalten und Identität zu unterschiedlichen Teilen der Vorbereitung. Der Evasion Plan of Action beschreibt das beabsichtigte Ausweichen und mögliche Ziele, damit Rückführungskräfte die Bewegung nachvollziehen können. Der Isolated Personnel Report enthält Angaben zur Identifizierung und Authentifizierung. In der belgischen Aufgabenverteilung koordiniert der PR-Offizier diese einheitsbezogenen Unterlagen mit den zuständigen PR-Stellen. Für die Person folgt daraus eine Aufgabe vor dem Einsatz: Sie muss die für ihren Auftrag geltenden Kontaktpunkte, Kommunikationsmittel und Erkennungsverfahren kennen.

Besteht eine nutzbare Verbindung, muss die isolierte Person ihren Standort mit den vorgesehenen Mitteln übermitteln und die Kontaktanweisungen der eingesetzten Kräfte umsetzen. Auch genaue Koordinaten ersetzen die Prüfung der Identität nicht. Bei einer multinationalen Rückführung wird die Person vor der Aufnahme authentifiziert; vereinbarte Erkennungs- und Authentifizierungsangaben müssen deshalb vor fremdem Zugriff geschützt bleiben. Ein Gegner, der solche Angaben kennt, kann einen glaubhaften Kontakt vortäuschen oder Rückführungskräfte an einen gefährlichen Ort locken. Beim tatsächlichen Bodenkontakt stellt das Aufnahmeteam die Verbindung her, prüft die Identität und führt die Person zum Rückführungsfahrzeug. Ihre eigene Mitwirkung besteht darin, die übermittelten Bewegungs- und Aufnahmeanweisungen auszuführen, statt eigenmächtig zum Fahrzeug vorzustoßen.

Im dichten Gelände kann eine geeignete Hubschrauberlandestelle fehlen; eine Bodenmannschaft muss den Ort überhaupt erreichen können. Belgien berücksichtigt verfügbare Search-and-Rescue-Fähigkeiten innerhalb der PR-Planung und strebt die Lösung auf der niedrigsten geeigneten Ebene an. Welche Luft-, Land- oder Seemittel tatsächlich eingesetzt werden können, hängt davon ab, ob sie die Person unter der vorhandenen Bedrohung erreichen können.

Nach der Rückführung

Nach der tatsächlichen Aufnahme folgt die Reintegration mit medizinischer Nachsorge, unmittelbarer Nachbesprechung und psychologischer Unterstützung. Sie richtet sich auf den Zustand der zurückgeführten Person und die Folgen ihrer Isolation. Die Nachbesprechung rekonstruiert zugleich, was während der Trennung, einer möglichen Gefangenschaft und der Rückführung geschehen ist.