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SERE und militärisches Überleben in Finnland

Finnlands SERE-Vorbereitung erklärt: Besatzungsaufgaben, vorbereitete Evasion, Winterisolation, Verhalten nach Gefangennahme und Rückführung.

Übungsteilnehmer im Eiswasser hält geborgene Skiausrüstung neben der Eiskante
Ein US-Soldat birgt bei der finnischen Winterüberlebensausbildung in Sodankylä Skiausrüstung aus dem Eiswasser.

Finnische SERE-Vorbereitung behandelt den Weg vom Verlust der eigenen Unterstützung bis zur Rückkehr: Eine Besatzung muss nach dem Verlassen ihres Flugzeugs Verletzungen und Kälte bewältigen; ein abgeschnittener Soldat muss sich versorgen und dem Gegner ausweichen. Bei Gefangennahme wechseln die Aufgaben zum Schutz von Informationen und zur Begrenzung gegnerischer Ausnutzung. Die Person kann selbst zurückkehren oder von eigenen Kräften aufgenommen werden. Die finnische Ausbildung verbindet deshalb Überleben, Evasion, Verhalten in Gefangenschaft und Extraction.

Nach dem Verlassen des Flugzeugs

Die finnische Besatzungsvorbereitung beginnt mit den Folgen des Ausstiegs. Der Pilot prüft seinen Zustand, sichtet die nutzbare Überlebensausrüstung, benutzt die erreichbaren Erste-Hilfe-Mittel und stellt Schutz gegen die Umgebung her. Eine Landung im Wasser stellt eine andere unmittelbare Aufgabe als eine Landung im Schnee: Im Wasser muss die Person möglichst rasch in ihre Rettungsinsel gelangen; an Land braucht sie Schutz vor weiterer Auskühlung. Die Rettungsinsel, Schnee und eigene Ausrüstung werden im finnischen Kältemodell als mögliche Schutzmittel behandelt. Welche davon nutzbar sind, entscheidet sich am tatsächlichen Landeort und am Zustand der Person.

Auch die persönliche Signalisierung verlangt eine eigene Handlung. Bei einem manuell zu aktivierenden PLB muss die Person den Notsender selbst einschalten. Funkmittel und Signalleuchten haben wiederum andere Aufgaben: Sie ermöglichen eine Verbindung oder machen den Standort für eine suchende Kraft erkennbar. Die finnische Vorbereitung auf einen Luftfahrtnotfall ohne gegnerische Bedrohung arbeitet auch mit Sichtbarkeit und Feuer. Hier soll ein Suchtrupp die Person finden. Unter gegnerischer Bedrohung kann genau diese Sichtbarkeit zur Gefangennahme führen; dann bestimmen Evasion und die vorbereitete Kontaktaufnahme, wann die Person ihren Standort zeigt.

Die Stufen im finnischen Luftwaffenmodell

Das FINAF-Modell ordnet die Vorbereitung nach Grundlagen sowie nach Gefangennahme- und Ausnutzungsrisiko. FINAF bezeichnet dabei die finnische Luftwaffe. Die Buchstaben beschreiben in diesem Modell folgenden Aufbau:

StufeStellung im FINAF-Modell
AGrundlagen zu SERE-Konzepten, Aufgaben und militärischem Handlungsrahmen; Einführung durch Unterricht in der frühen Pilotenausbildung.
BTheoretische und angewandte Vorbereitung für ein mittleres Risiko von Gefangennahme und gegnerischer Ausnutzung.
CVertiefte theoretische und angewandte Vorbereitung für ein hohes Gefangennahme- und Ausnutzungsrisiko, mit Blick auf die Bedrohung und die erwartete Einsatzumgebung.

Bewegung und ein Plan für die Trennung

Ein älteres finnisches Besatzungsmodell verbindet die Versorgung nach dem Ausstieg mit einem anschließenden Durchschlagen. Zunächst werden aus Fallschirmstoff, Holz und Draht Tragmittel sowie ein Wetterschutz hergestellt. Es folgen gemeinsame Bewegung, ein allein zurückzulegender Evasion-Abschnitt und erneut Bewegung in der Gruppe. Im Einzelabschnitt werden Straßen und große Wege gemieden; der spätere Ruheplatz wird verborgen, weil Suchpatrouillen auch nachts unterwegs sind. Die Person muss also ihre Bewegungsstrecke und den Aufenthalt beurteilen. Ein Weg kann das Vorankommen erleichtern und zugleich die Suche auf eine gut kontrollierbare Linie bündeln.

Die Ausrüstung wirkt dabei unmittelbar auf die Bewegung. Fallschirmstoff kann Lastenträger und Wetterschutz ersetzen, nimmt aber bei Nässe zusätzliches Gewicht auf. Der Nutzen des Materials muss gegen die Last abgewogen werden, die die Person noch tragen kann. Dieses ältere Feldmodell arbeitet mit dem Material einer Besatzung nach einer Notlage; der finnische Brigade-Ansatz verlangt ebenfalls, die tatsächlich verfügbaren persönlichen Mittel einzusetzen.

Im finnischen B-Feldmodell der Jägerbrigade bereiten sich die Teilnehmer mit einem auftragsbezogenen Evasion-Plan auf die Trennung von eigenen Kräften vor. Der Plan legt den Sammelpunkt fest, bestimmt, wann das Warten dort endet, und regelt das weitere Vorgehen einer unvollständigen Gruppe. Nach der Trennung bewegt sich die Person zum vereinbarten Punkt und wartet dort wie vorgesehen auf weitere Angehörige. Bleibt die Gruppe bis zum Ende des Wartens unvollständig, geht sie nach dem bereits festgelegten Plan weiter vor. So muss die nächste Handlung nicht erst über Funk mit den fehlenden Kameraden vereinbart werden. Wann das Warten endet, wird bei der Planung anhand der Lage festgelegt.

Winterisolation: Bewegung, Versorgung und Erschöpfung

Ein finnischer Winter-SERE-Feldteil verbindet Evasion mit Bewegung auf Militärskiern, mitgeführter Ausrüstung in Rucksäcken und Pulkas sowie zeitweiligem Schutz und eigener Versorgung. Eine Pulka ist ein gezogener Lastenschlitten. Die Last liegt damit nicht auf dem Rücken, ihr Transport kostet jedoch Zugkraft. In tiefem, weichem Schnee ermöglichen Skier das Vorankommen, wo eine Bewegung zu Fuß nicht möglich ist. Der Kraftaufwand für die Strecke und den Lasttransport trifft auf eine begrenzte Nahrungsmenge.

Wasser wird aus Schnee geschmolzen. Die Person benötigt dafür Zeit, Gefäß und Wärme. Auch Nahrung aus der Umgebung muss erst mit entsprechendem Aufwand beschafft werden. Im finnischen B-Beispiel wird auf Fischfang verzichtet, weil das Öffnen der dicken Eisdecke mehr Energie kosten würde, als die zu erwartende Nahrung liefert. Der praktische Vergleich lautet daher: Was bringt diese Beschaffung, und welche Kraft kostet sie, bevor die nächste Strecke zurückgelegt werden muss? Mitgeführte Vorräte behalten ihren Wert, wenn eine mögliche Nahrungsquelle mit hohem Aufwand verbunden ist.

Wenig Schlaf und Nahrung wirken über mehrere Bewegungs- und Ruhephasen hinweg. Im finnischen Winterfeldteil hatten einzelne Soldaten bereits Mühe, während einer ruhigen Tätigkeit wach zu bleiben. Das trifft bei Evasion gerade die Beobachtung im Stillstand. Die eigene Einteilung muss deshalb auch eine nutzbare geschützte Ruhegelegenheit berücksichtigen. Eine organisierte Erholung mit Schlaf, Essen und Trinken vermindert Belastungsfolgen, stellt aber nicht sofort die gesamte Handlungsfähigkeit wieder her. Für die isolierte Person entscheidet sich die Pause an vorhandenem Schutz, Wärme und Bedrohung; ein Innenraum und Verpflegung lassen sich nicht aus einem solchen Ausbildungsmodell voraussetzen.

Gefangenschaft und Informationsschutz

Das finnische Brigade-Konzept bereitet auf Befragung und gegnerische Ausnutzung vor; die Luftwaffe schließt Conduct After Capture, das Verhalten nach Gefangennahme, in SERE ein. Ein konkreter finnischer Grundrahmen für Kriegsgefangene begrenzt die Angaben auf Name, Dienstgrad, Geburtsdatum und Erkennungsmarkennummer. Auf andere Fragen lautet die vorgesehene Antwort: „En voi vastata kysymykseen“ – „Ich kann die Frage nicht beantworten“.

Die Unterscheidung trennt die Feststellung der Person von militärisch nutzbaren Informationen. Wer nach der Lage seiner Einheit, nach Aufträgen oder nach weiteren Personen gefragt wird, liefert mit einer begründenden Erklärung möglicherweise bereits genau den gewünschten Inhalt. Die Antwortverweigerung soll deshalb nicht in eine Erläuterung des Auftrags übergehen. Resistance bedeutet hier konkret, die eigene Identität zu nennen, diese Angaben aber nicht um Wissen über eigene Kräfte zu erweitern.

Der rechtliche Rahmen für Kriegsgefangene verbietet Zwang zur Informationsgewinnung. Die SERE-Aufgabe richtet sich auch auf den Fall, dass ein Gewahrsamsinhaber Druck ausübt: Informationen schützen, die gegnerische Ausnutzung begrenzen und, wenn die Lage es erlaubt, eine Flucht und die Rückkehr unterstützen. Nach dem Entkommen bleiben Versorgung, gegnerische Suche und Kontakt zu eigenen Kräften wieder eigene Aufgaben. Das finnische Ziel der Extraction umfasst somit auch die Mitwirkung der Person an der eigenen oder unterstützten Rückkehr.

Standort, Erkennung und tatsächliche Aufnahme

Die Jägerbrigade behandelt die Kontaktaufnahme zur Aufnahme mit und ohne Kommunikationsmittel. Einen konkreten Grundablauf für die Rückkehr zu einer eigenen Stellung liefert das finnische soldatische Kontaktmodell: Die Person nähert sich dem Wach- oder Kontaktpunkt aus der befohlenen Richtung, gibt das vereinbarte Annäherungszeichen und folgt den Anweisungen des Postens. Das Zeichen und die Richtung müssen vor der Trennung bekannt sein. Der Posten muss seinerseits tatsächlich vorhanden sein und die Vereinbarung kennen.

Ein vorbereiteter Sammelpunkt bestimmt damit eine eigene Bewegungsentscheidung; die vereinbarte Annäherung ermöglicht die Erkennung durch die empfangenden Kräfte. Ein Standortsignal beantwortet dagegen zunächst, wo gesucht werden soll. Die Übernahme der Person folgt erst, wenn eigene Kräfte den Kontakt herstellen und sie aufnehmen können. Im Luftfahrtnotfall gehören ein funktionsfähiges Signalmittel, dessen Empfang und verfügbare Such- und Aufnahmekräfte zusammen. Bis dahin muss die Besatzung ihre Verletzungen, Umgebung und gegebenenfalls gegnerische Bedrohung weiter bewältigen.

C-Vorbereitung und Winter-SERE im Brigade-Modell

Der finnische Brigade-Ausbilderweg verbindet einen C-Abschnitt mit einer getrennten Winter-SERE-Phase. Seine theoretische Vorbereitung und praktischen Aufgaben betreffen das Überleben und Bewegen in gegnerisch kontrolliertem Gebiet, das Verhalten nach Gefangennahme, das Personnel-Recovery-Konzept sowie den Einsatz persönlicher Ausrüstung und der Umgebung. Der Brigade-Ansatz arbeitet dabei mit den Mitteln, die dem jeweiligen Personal auch in einer tatsächlichen Notlage zur Verfügung stehen würden.