
Im NATO-Rahmen vermittelt SERE Level A Grundlagen für eine mögliche Isolation. Level B ergänzt praktische Survival- und Evasion-Ausbildung. Level C umfasst umfangreiche praktische Survival-, Evasion- und Resistance-Anteile für Personal mit hohem Isolations- oder Ausnutzungsrisiko.
Welches Risiko die Einordnung bestimmt
Die Zuordnung berücksichtigt Einheit, militärische Verwendung, Auftrag und die persönliche Verantwortung. Neben der Wahrscheinlichkeit einer Isolation zählt, welche Informationen der Gegner gewinnen und welche Folgen eine Ausnutzung haben könnte. Besondere Kenntnisse können eine Person auch dann wertvoll machen, wenn sie keinen hohen Dienstgrad besitzt.
A, B und C im NATO-Rahmen
| Stufe und Risiko | Vorgesehener Ausbildungsumfang |
|---|---|
| Level A Geringes Risiko | Mindestens Grundlagenunterricht, etwa als Briefing oder Online-Ausbildung. Elementare praktische Survival-Anteile in kontrollierter Umgebung können hinzukommen. |
| Level B Mittleres Risiko | Grundlagenunterricht und praktische Survival- und Evasion-Ausbildung. Resistance wird im Unterricht behandelt. |
| Level C Hohes Risiko | Theorie und umfangreiche praktische Survival-, Evasion- und Resistance-Ausbildung in einer streng kontrollierten, realistischen Ausbildungsumgebung. |
Die deutsche A-Ausprägung ist als rein theoretische Ausbildung angelegt. Im NATO-Grundrahmen bleibt dagegen Raum für einfache praktische Survival-Ergänzungen auf A.
Survival und Evasion: Grundlagen und zusammenhängende Geländephasen
Im französischen A-Modell gehören Schutz, Standortbestimmung, Wasser, Nahrung und die persönliche Ausstattung zum Grundlagenwissen. Hinzu kommen körperliche und zeitliche Faktoren des Überlebens sowie die Prinzipien des Ausweichens vor einer Gefangennahme.
Auf B üben die Teilnehmer im französischen Modell, wie sie unmittelbar nach einer Isolation handeln und ihre persönlichen Mittel einsetzen. Dazu gehören Positions- und Navigationsausstattung sowie Verfahren zum Vermeiden einer Gefangennahme und zum Erleichtern einer Rückführung. Das deutsche B-Modell nennt konkrete Geländeaufgaben wie Unterkunft, Feuer, Wasser- und Nahrungsaufbereitung, eine Durchschlageübung und das Verhalten bei der Aufnahme durch eigene Kräfte.
Ein US-Army-C-Modell verbindet Unterricht und praktische Feldfertigkeiten mit einer zusammenhängenden Survival- und Evasion-Phase. Die Teilnehmer beschaffen Wasser und Nahrung, richten Aufenthaltsplätze ein und bewegen sich im Gelände, während dargestellte Gegenkräfte nach ihnen suchen. Anschließend folgt ein simuliertes Kriegsgefangenenlager mit individuellen und gemeinsamen Resistance-Aufgaben.
In einem weiteren US-Army-C-Beispiel begrenzen geringe Nahrungszufuhr und wenig Schlaf die verfügbaren Kräfte. Während Gegenkräfte nach den Teilnehmern suchen, müssen diese entscheiden, wie viel Zeit sie für die Nahrungsbeschaffung aufwenden können, um den vorgesehenen Aufnahmeraum noch zu erreichen. Nahrung soll die Kraft für weitere Bewegung erhalten; ein längerer Aufenthalt kostet Zeit und erhöht das Entdeckungsrisiko.
Resistance-Unterricht und praktische Gefangenschaftsanteile
Das französische A-Modell vermittelt Grundlagen zu Informationsschutz, Gefangenschaft und den Unterschieden zwischen Kriegsgefangenen, staatlich Festgehaltenen und Geiseln. Auf B werden psychologische und rechtliche Aspekte sowie Widerstand gegen Ausnutzung bei staatlichen und nichtstaatlichen Festhaltern behandelt. Auf C gehört die praktische Anwendung des Widerstands in solchen Gefangenschaftslagen dazu.
Das US-amerikanische ECAC-Modell, Evasion and Conduct After Capture, ist ausdrücklich Level B. Es verbindet Unterricht zu Kriegs-, Friedens- und Geiselfesthaltung mit Rollenspielen und einem praktischen Evasion-Labor. Den Abschluss bildet ein Hostage Resistance Training Laboratory, eine dargestellte Geisellage mit praktischer Resistance-Ausbildung. Ein B-Programm kann damit bereits praktische Gefangenschaftsanteile enthalten.
Auch im niederländischen SERE-B-Anteil für Air Mobile Protection Teams werden eine Überlebensstrategie erarbeitet und angewendet sowie Widerstand gegen Befragung und Ausnutzung vermittelt. Resistance-Ausbilder der SERE-Schule führen diesen Anteil durch. Die übrigen AMPT-Bereiche befassen sich mit der Sicherung von Luftfahrzeugen und gehören zur umfassenderen Ausbildung dieser Teams.
Rückführung: Positionssignal, Verbindung und Identitätsprüfung
Die Rückführung beginnt im französischen Stufenmodell bereits auf A als Grundlagengegenstand: einfache oder improvisierte Positionssignale, verschiedene Aufnahmeformen und das Verhalten gegenüber einer Rückführungskraft. Generische Identifizierungs- und Authentifizierungsmethoden werden dort auf A gegebenenfalls in der Vorbereitung für ein konkretes Einsatzgebiet eingeführt.
Auf B umfasst das französische Modell die Nutzung persönlicher Kommunikationsmittel und das Antworten auf Identifizierungs- und Authentifizierungsverfahren. Das französische C-Modell zielt auf die Beherrschung der vorgegebenen PR-Anweisungen und der national festgelegten Rückführungsverfahren.
Ein Positionssignal hilft festzustellen, wo sich eine Person befindet. Eine Authentifizierung prüft, ob die kontaktierte Person tatsächlich die gesuchte eigene Person ist. Sie schützt sensible Informationen und begrenzt Risiken für die isolierte Person und die aufnehmenden Kräfte.
Das deutsche B-Modell enthält dafür auch die Vorbereitung mit ISOPREP und EPA. Der ISOPREP hält Informationen für Identifizierung und Authentifizierung bereit; der Evasion Plan of Action teilt die beabsichtigten Handlungen während des Ausweichens mit. Diese Daten werden vor einer möglichen Isolation vorbereitet und können Rückführungskräfte bei der Suche und Kontaktaufnahme unterstützen.
Nationale Verhaltensrahmen und Teilprogramme
Die amerikanischen Code-of-Conduct-Stufen ordnen die Ausbildung zum nationalen Verhaltenskodex. A bildet beim Eintritt in die Streitkräfte die Grundlage für alle. B erweitert sie bei der Übernahme von Verwendungen mit mittlerem Gefangennahmerisiko. C richtet sich an Personal mit hohem Gefangennahmerisiko und besonderer Anfälligkeit für Ausnutzung aufgrund seiner Stellung oder Verantwortung. Der Gegenstand dieser Einteilung ist das Verhalten unter gegnerischer Kontrolle und der Schutz vor Ausnutzung.
Das deutsche Modell ordnet die SERE-Stufen nach Personenkreis und Gefährdung. Auf C umfasst die Vorbereitung weitergehendes Überleben und Durchschlagen sowie zweckmäßiges Verhalten in Kriegsgefangenschaft. RtoI, Resistance to Interrogation, ergänzt die Ausbildung um den Widerstand gegen Befragung, insbesondere für dafür vorgesehenes Personal wie Spezialkräfte und Luftfahrzeugbesatzungen. In einem Lehrgangsmodell mit RtoI schließt die dargestellte Gefangenschaft mit Befragung an die Durchschlagephase an.
Im niederländischen luftmobilen B-Pilotmodell bereitet ein Online-A-Modul auf den anschließenden B-Kurs mit Theorie und Geländeaufgaben vor.
Das australische Conduct After Capture, kurz CAC, ist ein Resistance-Anteil innerhalb von SERE und besitzt eigene A-, B- und C-Stufen. Ein CAC-Modell beginnt mit computergestützten Grundlagen auf A, behandelt Gefangenschaft im theoretischen B-Workshop und setzt auf C praktische Gefangenschaftsszenarien um. Diese betreffen staatliche Festhaltung, Geisellagen und militärische Ausnutzung.
Großbritannien organisiert SERE Level B auf Einheitsebene. Für Level C ist ausschließlich die Defence SERE Training Organisation zuständig.
Klima und einsatzbezogene Ergänzungen
Ein niederländisches Environmental-Modell ergänzt SERE durch Wüsten- oder Arktisausbildung. Im Wüstenbeispiel folgen auf Unterricht zunächst örtliche Survival-Aufgaben und anschließend eine Evasion-Phase: Verbergen am Tag und Bewegung bei Nacht unter dargestellter gegnerischer Suche.
Im französischen Modell ergänzt die Vorbereitung vor einem Einsatz die Stufe um die örtlichen Umweltbedingungen, Geräte und PR-Verfahren. Dazu gehören die im jeweiligen Einsatzgebiet vorgesehenen Signalisierungs- und Kommunikationsmittel sowie die dort geltenden Rückführungsabläufe.
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