Challenge and Reply bezeichnet im militärischen Rückführungskontakt ein Erkennungsverfahren aus einer vorher vereinbarten Abfrage und der dazu festgelegten Antwort. Eine Seite gibt die Challenge; die angesprochene Seite übermittelt die Reply beziehungsweise das Password. Der Empfänger vergleicht die empfangene Antwort mit der erwarteten. Bei Personnel Recovery hilft dieser Austausch, den Kontakt zwischen einer isolierten Person und Rückführungskräften zu prüfen, bevor beide Seiten ihre weitere Annäherung oder Aufnahme durchführen.
Was die Antwort prüft
Das Wahrnehmen einer Stimme oder eines Lichtsignals bedeutet zunächst, dass ein Kontakt entdeckt wurde. Eine passend beantwortete Challenge zeigt darüber hinaus, dass die antwortende Seite die vereinbarte Antwort kennt und übertragen kann. Wird dieselbe Abrede von mehreren Personen verwendet, können alle diese Personen richtig antworten. Für die Prüfung, ob tatsächlich eine bestimmte vermisste Person spricht, werden deshalb die vorgesehenen persönlichen Authentisierungsangaben und Verfahren herangezogen, etwa die vorbereiteten Informationen eines Isolated Personnel Report, kurz ISOPREP. Das gemeinsame Kennwort und der personenspezifische Datenabgleich erfüllen unterschiedliche Aufgaben innerhalb der Kontaktprüfung.
Auch die Richtung der Prüfung ist wichtig. Wenn nur die Rückführungskraft eine Abfrage stellt und die isolierte Person antwortet, prüft dieser Schritt zunächst die Antwort der isolierten Person. Eine bekannte Challenge kann ebenfalls mitgehört worden sein. Die isolierte Person braucht daher die vorgesehenen eigenen Merkmale zur Erkennung der Kräfte; eine gegenseitige Prüfung muss mit den tatsächlich vereinbarten Beiträgen beider Seiten erfolgen. Ein überzeugender Rufname, eine vertraute Sprache oder die richtige Abfrage darf diese Prüfung nicht ersetzen.
Abrede, Gültigkeit und beteiligte Kräfte
In der NATO-Terminologie gehört die Kombination aus Challenge und Reply beziehungsweise Password zu den Countersigns. In der US Army können tägliches Kennwort und Countersign Bestandteil der Isolated Soldier Guidance sein: der auf den Auftrag abgestimmten Anweisungen für Isolation und Zusammentreffen mit eigenen Kräften. Vor dem Einsatz muss die Person wissen, welche Kombination für sie gilt, wann sie verwendet wird, wie lange sie gültig bleibt und welches Verfahren bei einem über mehrere Tage laufenden Auftrag vorgesehen ist. Ein Wechsel während längerer Isolation ist ein praktisches Kontaktproblem: Wer nur die alte Kombination kennt, kann eine neue Abfrage möglicherweise nicht beantworten.
Die empfangenden Kräfte müssen dieselbe gültige Abrede und das zugehörige Verfahren erhalten haben. Das betrifft besonders die Aufnahme durch eine andere Einheit oder durch Kräfte eines Partnerlandes. Ein nur innerhalb der eigenen Gruppe vereinbartes Kennwort ist für eine andere Rückführungskraft zunächst unbekannt. Ebenso müssen beide Seiten wissen, ob der Austausch über Sprache, Funk oder ein vereinbartes Signal erfolgt und welche Ausweichmöglichkeit nach Verlust eines Geräts vorgesehen ist. Die eigene Kenntnis einer Antwort hilft erst, wenn der Empfänger sie dem richtigen Verfahren zuordnen kann.
Abfrage, Antwort und Empfängerdisziplin
Der Austausch beginnt mit einem tatsächlich erreichbaren Gegenüber und dem vorgesehenen Kontaktverfahren. Die abfragende Seite übermittelt die vereinbarte Challenge. Die angesprochene Person nimmt sie vollständig auf und gibt die zugehörige Antwort zurück. Anschließend prüft der Empfänger die tatsächlich gehörte oder beobachtete Reply gegen seine Vorgabe. Erst danach folgen die vorgesehenen weiteren Erkennungs-, Authentisierungs- und Kontaktmaßnahmen. Eine ausgesendete Challenge allein oder eine Antwort, deren Empfang unklar blieb, schließt den Austausch nicht ab.
Der Prüfer darf dem Antwortenden die erwartete Lösung nicht vorsagen oder eine falsche Antwort durch Hinweise nachträglich passend machen. Sonst zeigt der letzte richtige Satz nur, dass die Person die gerade gelieferte Information wiederholen kann. Ebenso wenig darf der Empfänger eine unvollständige Lautfolge oder ein undeutliches Lichtmuster aus Erwartung ergänzen und als richtige Antwort werten. Bei einer Abweichung bleibt das Ergebnis ungeklärt; der Empfänger setzt das vorgesehene Prüfverfahren fort. Die isolierte Person antwortet auf die verstandene Abfrage und übermittelt die dafür verlangte Information, statt weitere Kennwörter oder persönliche Angaben ungefragt anzuhängen.
Sprache, Licht und tatsächlicher Empfang
Challenge and Reply ist an den vereinbarten Übertragungsweg gebunden. Bei Sprache müssen beide Seiten die Abfrage und Antwort verständlich hören; Fremdsprache, Erschöpfung, Umgebungsgeräusche oder eine unterbrochene Funkübertragung können den Vergleich stören. Die Person muss eine nicht verstandene Abfrage als solche kenntlich machen, statt nacheinander mögliche Antworten auszuprobieren. Wiederholung oder Wechsel des Mittels erfolgen nach dem vorgesehenen Kontaktverfahren. Das offene Durchprobieren gibt Informationen preis und liefert dem Empfänger keinen klaren einzelnen Antwortversuch.
Beim Zusammenführen von US-Bodenkräften kann die Abfrage aus einer vereinbarten Folge von Lichtimpulsen bestehen, auf die die andere Seite mit ihrer vorher abgestimmten Folge antwortet. Entscheidend sind die tatsächlich vereinbarte Bedeutung und der erkennbare Ablauf, nicht irgendein auffälliges Blinken. Bei Infrarotlicht benötigt die empfangende Seite ein geeignetes Beobachtungsmittel. Ein Gegner mit passender Nachtsichtfähigkeit kann das Signal ebenfalls wahrnehmen. Die Wahl des Mittels muss deshalb zugleich verständlichen Empfang ermöglichen und die Entdeckungsgefahr berücksichtigen; sichtbares Licht, Infrarot und akustische Signale sind nicht beliebig austauschbar.
Fehlantwort, Kompromittierung und Zwang
Eine falsche oder ausbleibende Antwort kann durch eine nicht gehörte Abfrage, beeinträchtigte Erinnerung, fehlende Kenntnis der Abrede oder unterschiedliche Gültigkeitsstände entstehen. Sie kann auch auf einen vorgetäuschten Kontakt hinweisen. Der Empfänger hat damit zunächst einen ungeklärten Kontakt, keinen bereits bewiesenen Gegner. Für die isolierte Person bedeutet das, eine vorhandene Verständigungs- oder Handlungsstörung wahrheitsgemäß kenntlich zu machen und beim vorgesehenen Verfahren zu bleiben. Ein geratenes Wort verdeckt das Problem, an dem die Prüfung gerade scheitert.
Wird ein wiederverwendetes Abfrage-Antwort-Paar mitgehört, aufgezeichnet oder mit verlorenen Unterlagen bekannt, kann ein Außenstehender bei einem späteren Austausch dieselbe Antwort geben. Der richtige Wortlaut unterscheidet dann nicht mehr zuverlässig zwischen einem ursprünglich berechtigten Empfänger und jemandem, der die Information nachträglich erhalten hat. Der Gebrauch und eine mögliche Kompromittierung der Authentisierungsmittel müssen deshalb erfasst und vorgesehene Änderungen weitergegeben werden. Die isolierte Person verwendet eine tatsächlich erhaltene neue Abrede nach deren Anweisungen. Ein selbst erfundenes Ersatzwort ist dem Empfänger unbekannt und zerstört den gemeinsamen Vergleich.
Eine Person kann außerdem die richtige Antwort kennen und während des Sprechens unter gegnerischem Zwang stehen. Die Antwort zeigt in diesem Fall vorhandene Kenntnis, während die Freiheit des Handelns und die Lage am Kontaktort weiterhin geprüft werden müssen. Ein vorgesehenes Duress-Verfahren zur Anzeige von Zwang hat dafür eine eigene Funktion neben dem normalen Countersign. Die gewöhnliche richtige Antwort darf nicht als Bestätigung behandelt werden, dass die Person unbeobachtet handeln kann oder der Aufnahmeraum sicher ist.
Ausbleibender Kontakt und tatsächliche Aufnahme
Kennwörter auf Verdacht in einen offenen Funkkanal zu senden oder in Richtung unbekannter Stimmen zu rufen, legt Erkennungsinformationen offen, ohne einen überprüften Empfänger festzustellen. Sind die vorgesehenen Funkmittel ausgefallen, kommt ein vorbereiteter anderer Signalweg nur mit den tatsächlich verbliebenen Mitteln und einem passenden Empfänger infrage. Ein Notfallsender ohne Empfangsmöglichkeit überträgt seinen Alarm, liefert der Person aber keine Abfrage und keine Anweisungen der Kräfte. Die Person prüft ihre verbleibende Ausrüstung und die vorgesehenen Kontaktmöglichkeiten, berücksichtigt Sichtschutz und die Absichten ihres Evasion-Plans und verlässt ein Versteck nicht allein wegen einer unbestätigten vermeintlich richtigen Antwort.
Beim Zusammentreffen mit tatsächlichen Rückführungskräften folgen die weiteren vereinbarten Prüfungen und die Anweisungen für die Aufnahme. Auch nach vorherigem Funkkontakt wird beim Übergang in die körperliche Kontrolle eigener Kräfte normalerweise nochmals authentisiert. Die isolierte Person bleibt in einer nicht bedrohlichen Haltung, vermeidet schnelle Bewegungen und nähert sich einem Aufnahmefahrzeug erst nach entsprechender Anweisung. Diese Handlungen verbinden die vorangegangene Kontaktprüfung mit der Person, die tatsächlich aufgenommen wird, und vermindern das Risiko, dass ihre Bewegung als Angriff verstanden wird.