Wiki · Begriffserklärung

Einzelkämpfer

Einzelkämpfer bezeichnet im Ausbildungskontext der Bundeswehr einen Soldaten, der für das Überleben und Durchschlagen unter den Bedingungen einer auf sich gestellten Gruppe ausgebildet wird. Der Einzelkämpferlehrgang, kurz EKL, richtet sich besonders an den militärischen Führungsnachwuchs: Er bereitet darauf vor, eine von eigenen Kräften abgeschnittene Gruppe durch feindbesetztes Gebiet zurückzuführen. Der Name bezieht sich damit auf selbständiges Handeln ohne reguläre Unterstützung und auf Verantwortung für andere. Eine allein isolierte Person befindet sich dagegen zunächst in einer Notlage; aus diesem Zustand entsteht keine Ausbildungsqualifikation.

Begriff, Lehrgang und Gruppe

Die Infanterieschule in Hammelburg bildet Einzelkämpfer für die gesamte Bundeswehr aus. Der EKL richtet sich insbesondere an junge Offiziere und Unteroffiziere. Eine auf sich gestellte Gruppe kann nach Feindkontakt aus Soldaten entstehen, die sich zufällig zusammenfinden. Ihr bisheriger Zusammenhang, ihre Ausrüstung und ihre Kenntnisse können sehr unterschiedlich sein. Der Führer muss deshalb mit den tatsächlich anwesenden Menschen arbeiten, statt die Leistungsfähigkeit seiner gewohnten Gruppe vorauszusetzen.

EKL ist die Abkürzung für Einzelkämpferlehrgang. In älteren Ausbildungsbeschreibungen steht dafür auch die funktionale Bezeichnung „Führer einer auf sich gestellten Gruppe“, verbunden mit dem umgangssprachlichen Namen Einzelkämpferlehrgang I oder EK I. Diese Begriffe erklären den Grundauftrag: Zusammenfinden, überleben, dem Gegner ausweichen und den Anschluss an eigene Kräfte herstellen. „Einzelkämpfer“ ist in diesem Zusammenhang weder ein Dienstgrad noch der Name einer besonderen Einheit. Der Lehrgangsabschluss allein legt auch nicht fest, wer in einer konkreten gemischten Gruppe die militärische Führung hat.

Verantwortung in einer abgeschnittenen Gruppe

Nach dem Ausweichen aus der unmittelbaren Bedrohung braucht die Gruppe zunächst ein gemeinsames Bild ihrer Lage. Dazu gehören die anwesenden Personen, Verletzungen und Erschöpfung, die letzten eigenen Beobachtungen von Gegner und Gelände sowie die noch nutzbaren Mittel. Der Führer stellt fest, wer den Standort kennt, noch gehen, Last tragen oder aufmerksam beobachten kann. Er erfasst vorhandene Vorräte, Orientierungshilfen und Kommunikationsmittel. Daraus entstehen das nächste erreichbare Ziel und die Aufgabenverteilung.

Der Führer legt fest, wer welche Aufgabe mit welchen Mitteln übernehmen kann, und erklärt den nächsten Schritt so, dass die anderen danach handeln können. Orientierung, Beobachtung, Versorgung und Unterstützung eines Verletzten brauchen Zeit und Hände. Mehrere verfügbare Personen können solche Arbeiten teilen; zwei erschöpfte Soldaten können keine vollständige Besetzung aus Navigator, Beobachter, Versorger und Träger bilden. Dann müssen Aufgaben nacheinander erledigt oder zeitweise eingeschränkt werden. Fällt ein Mitglied aus, verändert das den Plan der ganzen Gruppe.

Eigene Versorgung bleibt eine persönliche Aufgabe und wird zugleich zu gemeinsamer Verantwortung. Der Einzelne muss seinen Zustand, seine verbleibenden Vorräte und Schwierigkeiten rechtzeitig mitteilen. Der Führer organisiert mit den vorhandenen Mitteln Wasser und Nahrung, Schutz und mögliche Ruhe, ohne alle anderen Aufgaben stillschweigend aufzugeben. Wer sich zur Ruhe legt, kann nicht gleichzeitig zuverlässig den Raum beobachten. Fehlt ein arbeitsfähiger Kamerad für diese Aufgabe, muss die Gruppe diese Einschränkung bei Aufenthalt und Weiterbewegung berücksichtigen.

Disziplin hat hier unmittelbare Folgen für andere. Unabgesprochene Bewegung kann die Gruppe trennen; Stimmen, Licht und klappernde Ausrüstung können ihren Aufenthalt verraten. Wenn jeder einen eigenen Weg oder ein anderes Ziel verfolgt, fehlen später möglicherweise Personen, Vorräte oder die einzige Orientierungshilfe. Deshalb müssen Zielwechsel und Unterbrechungen bei den übrigen Mitgliedern ankommen. Zunehmende Erschöpfung, ein schwächeres Gruppenmitglied oder eine neue Gegnerbeobachtung können eine Änderung von Tempo, Lastverteilung und Weg erfordern.

Auch die Wegwahl ist eine Führungsentscheidung für die gesamte Gruppe. Im EKL wird das Erreichen eines Sammelpunktes mit selbst gewähltem Weg geübt. Ein ungeschützter Weg über eine freie Fläche kann Feindeinwirkung und anschließend den Transport eines Verwundeten nach sich ziehen. Dieser Transport bindet weitere Personen, verringert das Tempo und kann einen bislang gangbaren Weg unbrauchbar machen. Der kürzere Weg spart dann keine Kräfte, sondern erzeugt zusätzliche Arbeit und Gefahr.

Was Vorbereitung und Lehrgang leisten

Vorbereitung bedeutet, körperliche Belastbarkeit und benötigte Einzelfertigkeiten aufzubauen, bevor sie unter Zeitdruck und Bedrohung miteinander verbunden werden. An der Helmut-Schmidt-Universität verband ein freiwilliges Vorbereitungsmodell Sport und Schwimmen mit Orientierung, Knoten und Bunden sowie Durchschlageübungen. Diese Vorausbildung war ein eigenes Angebot. Der EKL verbindet längere Bewegung mit Gepäck, Hindernisse, Gegnerdruck und die Führung einer Gruppe. Wer selbst noch bewegungsfähig ist, muss weiterhin erkennen, ob die anderen den gewählten Weg und die Aufgabe bewältigen können.

Zu den praktischen EKL-Aufgaben gehören Gewässerausbildung und das Entzünden eines Feuers mit Behelfsmitteln. Beim Verbringen von Ausrüstung durch ein Gewässer muss sie vor Nässe geschützt werden; das eingesetzte Zeltbahnpaket dient diesem Transportzweck. Ein solches Paket ersetzt keine geeignete Schwimm- oder Rettungshilfe. Feuer kann Wärme oder die Zubereitung von Nahrung ermöglichen, benötigt aber Brennstoff und Zeit und kann den Aufenthalt sichtbar machen. Diese Mittel müssen deshalb zur Lage und zur weiteren Bewegung der Gruppe passen.

Hunger, Schlafmangel, Gepäck und Unsicherheit erschweren auf dem Lehrgang die Aufgaben gleichzeitig. Der ausgebildete Führer soll auch unter dieser Belastung Entscheidungen treffen und die Gruppe handlungsfähig halten.

Rückkehr, EK2 und SERE

Das Rückkehrziel des EKL verlangt mehr als eine Bewegung in Richtung eigener Kräfte. Bei einer tatsächlichen Aufnahme müssen die Gruppe und die aufnehmenden Kräfte einander finden und erkennen können. Rauch kann eigenen Kräften den Standort anzeigen; dafür müssen Signalmittel vorhanden und die Kräfte erreichbar sein. Funkkontakt braucht ein nutzbares Gerät und eine Verbindung, Sichtzeichen einen geeigneten Beobachter und die vereinbarten Erkennungsverfahren.

Der aufbauende Lehrgang „Führer eines Jagdkommandos“, im Zusammenhang mit EK2 behandelt, hat einen anderen Auftrag. Er setzt den Einzelkämpferlehrgang voraus und bereitet auf selbständige Auftragserfüllung mit einem verstärkten Zug vor, getrennt von der eigenen Truppe und ihrer Versorgung. Während der EKL-Grundauftrag die Rückkehr einer abgeschnittenen Gruppe betrifft, muss der Jagdkommandoführer Kräfte und Mittel für einen geplanten Auftrag sowie den weiteren Einsatz und Rückweg einteilen.

Mit SERE überschneiden sich Überleben, Ausweichen und Rückführung. Das deutsche SERE-C-Profil behandelt darüber hinaus zweckmäßiges Verhalten in Kriegsgefangenschaft; Widerstand gegen Befragung wird als zusätzliches Modul geführt. Der EKL verbindet die Feldaufgaben besonders mit dem Führen einer abgeschnittenen Gruppe zurück zu eigenen Kräften.