GRG steht für Grid Reference Graphic. Eine GRG ist eine vorbereitete Karten- oder Bildgrafik eines bestimmten Gebietsausschnitts mit einem Bezugsgitter und gegebenenfalls bezeichneten Sektoren oder Objekten. Militärisch isoliertes Personal kann damit seinen Standort auf einer gemeinsamen Darstellung festhalten und bei möglichem Kontakt verständlich übermitteln. Dafür müssen die Person und der Empfänger dieselbe Grafikfassung und dieselben Kennungen verwenden. Eine GRG kann geografische Koordinaten enthalten oder einen örtlichen Bezug schaffen, dessen Bedeutung nur mit der zugehörigen Grafik verständlich ist.
Wie die gemeinsame Grafik einen Ort bezeichnet
Die Grafik verbindet ein sichtbares Gelände mit einer kurzen, auf beiden Seiten auffindbaren Bezeichnung. Eine Straßenkreuzung, eine Brücke oder ein markantes Gebäude kann in der Darstellung wiedererkannt werden. Die isolierte Person beschreibt ihren Aufenthalt in diesem Bezug; der Empfänger sucht die bezeichnete Stelle auf seiner Ausgabe. Das erleichtert den Ortsabgleich auch dann, wenn eine Person vom Boden und eine andere aus der Luft auf denselben Bereich blickt. Ein Luftbild zeigt allerdings Dächer und Straßenverläufe, während am Boden Fassaden, Einfriedungen oder versperrte Sichtlinien dominieren. Die Zuordnung muss sich auf Merkmale stützen, die aus der jeweiligen Perspektive erkennbar sind.
Im US-amerikanischen Personnel-Recovery-Kontext gehört die GRG neben Karten zu den Hilfsmitteln der persönlichen Vorbereitung. Für den Isolationsfall kann sie eine Positionsmeldung oder die Verständigung über einen bereits vereinbarten Kontaktort unterstützen. Der Ortsbezug und die persönliche Absicht bleiben dabei verschieden: Eine Markierung in der Grafik bezeichnet einen Ort; ein Evasion Plan of Action hält fest, was die Person nach einer Isolation dort oder auf dem Weg dorthin zu tun beabsichtigt. Aus einem eingezeichneten Ort entsteht noch keine Treffabrede.
Geografisches Gitter und örtliche Kennungen
Die US-Streitkräfte verwenden für gemeinsame Bezugsgrafiken sowohl MGRS-Gitter als auch einfache örtliche Einteilungen. MGRS bezeichnet geografische Bereiche durch eine definierte Kombination aus Zonen-, Quadrat- und Zahlenangaben. Eine lokale GRG kann dagegen Sektoren mit Buchstaben und Gebäude innerhalb dieser Sektoren mit Nummern bezeichnen. Dann kann eine Buchstaben-Zahlen-Kombination einen Sektor und ein bestimmtes Objekt meinen. Wer sie als Spalte und Zeile eines rechteckigen Gitters liest, ordnet einen anderen Ort zu. Legende und Beschriftung bestimmen, ob die Kennung ein Feld, einen Sektor, ein Objekt oder einen geografischen Gitterbezug bezeichnet.
Eine örtliche Kennung lässt sich ohne die betreffende Grafik nicht in eine eindeutige geografische Position umrechnen. Derselbe Sektorname oder dieselbe Gebäudenummer kann auf einem anderen Ausschnitt erneut vorkommen. Für eine Meldung gehören deshalb Grafikbezeichnung und Fassung zum Ortsbezug. Bei einer geografischen Koordinate sind stattdessen das vollständige Koordinatenformat und der passende geodätische Bezug nötig. Ein Empfänger mit einer gewöhnlichen Karte kann eine vollständige, kompatible MGRS-Referenz einordnen; eine allein übermittelte lokale Objektnummer kann er daraus nicht rekonstruieren.
Die örtliche Einteilung kann einem kleinen Ausschnitt oder dominanten Geländeformen folgen. Ihr Raster muss daher weder überall dieselbe Feldgröße besitzen noch mit Norden am oberen Blattrand ausgerichtet sein. Für Richtungsangaben zählt der Nordpfeil der Grafik, für den Umfang eines Feldes deren dargestellte Geometrie. Ein Gitterfeld umfasst einen Bereich. Die Nummer eines Gebäudes bezeichnet das Gebäude; sie bestimmt noch nicht, auf welcher Seite oder in welchem Abstand davon sich die Person befindet.
Den eigenen Standort in der Grafik bestimmen
Zuerst wird die beobachtete Umgebung der Darstellung zugeordnet. Dafür sind mehrere zusammenpassende Merkmale hilfreicher als ein einzelnes ähnlich aussehendes Gebäude: etwa die Anordnung einer Kreuzung, ein benachbartes größeres Bauwerk und der Verlauf einer Brücke. Die Person prüft, ob deren Lage zueinander tatsächlich mit der Grafik übereinstimmt. Umbauten, zerstörte Gebäude, Vegetation oder ein älteres Luftbild können den Vergleich erschweren. Ein vorhandenes Positionsgerät kann die Einordnung ergänzen, wenn seine Koordinaten und der geografische Bezug der Grafik zusammenpassen.
Erst nach dieser Zuordnung wird die zutreffende Kennung gelesen. Dabei muss erkennbar bleiben, ob die eigene Position bestätigt, geschätzt oder nur zuletzt sicher bekannt ist. Wer die Lage nur zwischen zwei benachbarten Sektoren eingrenzen kann, übermittelt diese Unsicherheit. Die eindeutige Beschriftung eines Sektors verbessert die tatsächliche Verortung nicht. Eine genau wirkende Objektnummer aus einer unsicheren Zuordnung kann den Empfänger zu einer falschen Stelle führen.
Zum Standort gehört sein Zeitstand. Nach weiterer Bewegung beschreibt die letzte sicher erkannte Stelle den früheren Aufenthalt, nicht den jetzigen. Ein geplantes Ziel ist ebenfalls getrennt zu benennen. Auch ohne Verbindung kann die Person Grafikfassung, letzte bestätigte Stelle, deren Zeitpunkt und anschließende Bewegung festhalten. Dadurch bleibt für einen später möglichen Kontakt nachvollziehbar, welche Angabe auf Beobachtung beruht und welche aus der Bewegung abgeschätzt wurde.
Eine Ortsmeldung verständlich abgleichen
Bei tatsächlich möglichem Kontakt umfasst eine brauchbare Ortsangabe die verwendete Grafik und Fassung, den Bezugstyp, die Kennung sowie die eigene Lage zu dem bezeichneten Merkmal. Dazu kommen Zeitstand und Unsicherheit. An einer fiktiven Übungsgrafik mit frei gewählten Kennungen könnte die Angabe lauten: „Grafik Übung, Fassung B; Sektor K, am als Objekt 7 markierten Gebäude; außerhalb an dessen Nordseite; Aufenthalt jetzt bestätigt, keine weitere Bewegung.“ Die verwendete Grafik und die vereinbarten Kommunikationsverfahren bestimmen die Kennungen und die tatsächliche Form der Meldung.
Der Empfänger kann den verstandenen Bezug zurückgeben: dieselbe Grafikfassung, derselbe Sektor und dasselbe Objekt mit der bezeichneten Seite. Die Person vergleicht diese Rückmeldung mit ihrer eigenen Angabe. Wird dabei etwa ein anderes Objekt oder eine andere Fassung genannt, muss der Ortsbezug geklärt werden, bevor darauf eine weitere Absprache aufbaut. Eine ergänzende Beschreibung eines eindeutig erkennbaren Merkmals hilft, Zahlendreher und unterschiedliche Zuordnungen zu entdecken. Stimmen Grafikfassung und Kennung überein, bleibt eine bereits genannte Standortunsicherheit dennoch bestehen.
Für die Übermittlung gelten die vorbereiteten Kommunikations- und Kontaktverfahren. Ein offener Kanal oder ein sichtbares Zeichen kann auch Unbefugte auf den Standort aufmerksam machen. Die GRG liefert die räumliche Bedeutung einer Meldung; Erkennen und Authentifizieren beim Kontakt erfolgen mit den dafür vorgesehenen Verfahren. Wer eine Grafik oder ihre Kennungen kennt, hat dadurch noch keine Identität nachgewiesen. Vor einer Aufnahme prüfen Rückführungskräfte die Person auch bei präzise bekanntem Standort.
Falsche Fassung, unlesbarer Druck und verwechselte Bezüge
Eine neue Ausgabe kann Ausschnitt, Einteilung oder Objektbezeichnungen ändern. Wenn nur eine Seite die Änderung übernimmt, können beide dieselbe Kennung nennen und trotzdem verschiedene Orte meinen. Vor dem Einsatz werden deshalb Grafikbezeichnung und Versionsstand mit den vorgesehenen Empfängern abgeglichen und die eigene Kopie auf Vollständigkeit geprüft. Während einer Isolation lassen sich widersprüchliche Kennungen durch einen erneuten Fassungs- und Merkmalsabgleich erkennen. Aus einer älteren Fassung darf keine unbekannte neue Zuordnung erraten werden.
Ein zu kleiner oder unscharfer Ausdruck kann Buchstaben und Ziffern ununterscheidbar machen; ein beschnittener Ausschnitt kann Randkennungen, Nordpfeil oder Legende verlieren. Eine Größenänderung verändert außerdem die auf Papier gemessenen Abstände. Der aufgedruckte Zahlenmaßstab passt dann möglicherweise nicht mehr; ein gemeinsam mit der Grafik skalierter Maßstabsbalken kann den neuen Bezug zeigen. Verzerrte Kopien erlauben auch damit keine verlässliche Abstandsmessung. Die Feldbezeichnung allein enthält keine bestimmte Meterzahl. Eine noch lesbare Kennung kann für den Ortsabgleich brauchbar bleiben, während eine aus der verzerrten Grafik gemessene Entfernung den Abstand falsch angibt.
Bei Verlust einen anderen nachvollziehbaren Bezug verwenden
Geht die GRG verloren oder wird sie unlesbar, entfällt der sichere Zugriff auf ihre örtlichen Kennungen. Eine vorhandene lesbare Karte oder Evasion Chart kann weiterhin einen geografischen Bezug liefern; ein tatsächlich verfügbares kompatibles Positionsgerät kann eine Koordinate liefern. Für deren Meldung werden Koordinatenformat, geodätischer Bezug, Zeitstand, Bestimmungsmethode und Unsicherheit mitgeführt. So kann der Empfänger den Ort mit einem anderen geeigneten Kartenprodukt einordnen.
Wenn auch das nicht möglich ist, beschreibt die Person ein eindeutig wiedererkanntes Geländeobjekt und ihre Lage dazu oder nennt die letzte sicher bestimmte Position mit deren Zeitstand. Bleiben mehrere mögliche Objekte, gehört diese Mehrdeutigkeit in die Angabe. Eine lokale Nummer aus dem Gedächtnis ersetzt die verlorene Zuordnung nicht. Bereits hinterlegte Evasion-Absichten können den Rückführungskräften daneben zeigen, welche Bewegung vorgesehen war; die aktuelle Position muss aus den verfügbaren Beobachtungen und Meldungen bestimmt werden.