Wiki · Begriffserklärung

IPG · Isolated Personnel Guidance

Isolated Personnel Guidance (IPG) bezeichnet länder- und regionsbezogene Informationsprodukte zur Vorbereitung auf militärische Isolation und Gefangenschaft im US-Personnel-Recovery-System. Die Joint Personnel Recovery Agency stellt dafür IPGs und IPG Summaries bereit. Sie unterstützen gefährdetes Personal und PR-Planer dabei, die Verhältnisse im jeweiligen Einsatzgebiet zu verstehen und mögliche eigene Handlungen bei Isolation vorzubereiten.

Gebietswissen für eigene Entscheidungen

IPG wird zusammen mit Lagebeurteilungen, kulturellen Briefings und Länderstudien genutzt. Zur Vorbereitung gehören Kenntnisse über die gegnerische Bedrohung, die örtliche Bevölkerung, eigene Kräfte und die verfügbaren Mittel zum Überleben. Diese Kenntnisse helfen der Person, mögliche Wege, Aufenthaltsorte und Kontakte zu beurteilen. Eine Länderinformation muss dafür mit der Lage der konkreten Mission verbunden werden: Die Entfernung zu eigenen Kräften, die Kontrolle eines Gebiets und die nutzbaren Wege können sich während des Einsatzes verändern.

Eine besondere Funktion von IPG ist die Vorbereitung auf ungeplante Kontakte. Kenntnisse über Personen, Gruppen und Organisationen im Einsatzgebiet helfen, eine Begegnung mit möglicherweise neutralen Menschen oder eigenen Kräften zu beurteilen. Eine isolierte Person kann beispielsweise Versorgung oder eine Wegauskunft benötigen und muss abwägen, ob der mögliche Nutzen das Risiko des Kontakts rechtfertigt. Durch die Annäherung gibt sie ihre Anwesenheit preis und kann unter die Kontrolle anderer geraten. Der bekannte Name einer Gruppe erklärt noch nicht die Absichten der Menschen, denen sie tatsächlich begegnet. Gebietswissen und beobachtetes Verhalten müssen zusammenpassen; andernfalls kann es zweckmäßiger sein, verborgen zu bleiben oder einen anderen Weg zu wählen.

Auch die Dauer der möglichen Evasion verändert die Bedeutung einer Information. Bei längerer Isolation gewinnen Entfernungen zu eigenen Kräften, Reisebeschränkungen, Kontrollen und Grenzübergänge an Gewicht. Eine kurze Verbindung auf der Karte kann durch kontrollierte Durchgänge führen; eine Ausweichroute kann mehr Zeit und Vorräte verlangen, als die Person aufbringen kann. Deshalb werden mögliche Wege und Ziele zusammen mit dem Zustand der Person, ihrer Ausrüstung und den Verbrauchsmitteln beurteilt. Ein brauchbarer Plan enthält auch eine Absicht für den Verletzungsfall, etwa einen anderen Aufenthaltsort oder eine eingeschränkte Bewegung, statt die Marschleistung einer unverletzten Person vorauszusetzen.

Vor der Mission: Wissen in eigene Absichten übertragen

Die Vorbereitung beginnt mit den für das Einsatzgebiet und die Mission geltenden PR-Vorgaben. Die Person klärt, woran sie Isolation erkennen soll, welche unmittelbaren Handlungen vorgesehen sind, welche Wege oder Ziele infrage kommen und wie eine mögliche Kontaktaufnahme ablaufen soll. Dazu gehört, die tatsächlich mitgeführten Kommunikations- und Signalmittel mit den vorgesehenen Verfahren abzugleichen.

Die eigenen Absichten werden, soweit für die Mission vorgesehen, im Evasion Plan of Action festgehalten. Dabei werden Gebietswissen, die Vorgaben der Führung und die eigenen Möglichkeiten zusammengeführt: beabsichtigte Wege und Aufenthaltsorte, Verhalten bei Verletzung, vorhandene Mittel sowie geplante Kontaktmöglichkeiten. Dazu gehört die Absicht, wo die Person bei ausbleibendem Kontakt zunächst bleiben oder wohin sie sich bewegen will. Diese Angaben werden der zuständigen Führung vor der Mission mitgeteilt. Sie helfen möglichen Rückführungskräften später, die Bewegung und das Verhalten der Person einzuordnen. Ändern sich Auftrag oder Bedingungen, muss auch die bisherige Absicht überprüft werden. Ein Plan für einen anderen Weg oder eine andere Ausrüstung kann die Suche in die falsche Richtung lenken.

Bei Isolation: die tatsächliche Lage entscheidet

Bei eingetretener Isolation vergleicht die Person ihre Lage mit den vorgegebenen Isolationskriterien und setzt die vorbereiteten Handlungen um. Sie prüft dabei, ob ein vorgesehener Weg oder Aufenthaltsort noch nutzbar ist. Gegnerdruck, eine Verletzung oder verlorene Ausrüstung können eine Abweichung verlangen. Die Person wählt mit den verbliebenen Mitteln eine mögliche Alternative und versucht, die veränderte Lage und ihre neue Absicht mitzuteilen, wenn eine geeignete Verbindung zustande kommt.

Bis dahin bleiben die zuvor übermittelten Absichten für andere der bekannte Ausgangspunkt. Das ist ein Grund, unnötige Planänderungen zu vermeiden, ohne an einer offensichtlich gefährlichen Handlung festzuhalten. Ein Signal wird nach den geltenden Vorgaben und der tatsächlichen Bedrohung eingesetzt: Es soll die gewünschte Gegenstelle erreichen, kann aber auch einem Gegner den Aufenthaltsort verraten. Für den vorgesehenen Kontakt mit eigenen oder Rückführungskräften gelten die vereinbarten Erkennungsverfahren. Die aufnehmenden Kräfte authentifizieren die Identität der isolierten Person. Das Wissen, dass eine bestimmte Organisation im Gebiet tätig ist, bestätigt weder die Identität einer auftauchenden Person noch ihre Berechtigung zur Aufnahme.

Verhältnis zu ISG und koalitionären Vorgaben

In der US Army überführt die Führung ihre PR-Vorgaben in die Isolated Soldier Guidance (ISG). Diese gibt dem Personal operationsbezogene Empfehlungen zu Isolationskriterien, unmittelbaren Handlungen, Meldung und Zusammenführung mit eigenen Kräften. IPG liefert dazu Gebietswissen für die Vorbereitung; der EPA teilt die daraus und aus weiteren Vorgaben entwickelten eigenen Absichten mit. Zur Vorbereitung gehört also, das Gebiet zu verstehen, die für die Mission geltenden Verfahren zu kennen und die eigenen Absichten für den Isolationsfall vorab festzuhalten.

In NATO-Operationen geben gemeinsame Führungsstellen Vorgaben für den Operationsraum; die beteiligten Nationen verantworten die passende Ausbildung und Ausrüstung ihres Personals. Deshalb muss die Person vor der Mission die Verfahren kennen, die bei einer Aufnahme durch Kräfte einer anderen Nation verwendet werden sollen. Unterschiede bei Geräten oder Erkennungsverfahren betreffen die tatsächliche Kontaktfähigkeit. Ein US-Länderprodukt kann die Vorbereitung mit Gebietswissen unterstützen, während die für den konkreten Einsatz festgelegten nationalen und gemeinsamen Vorgaben bestimmen, wie gemeldet, erkannt und aufgenommen wird.