Hostage Survival bezeichnet im militärischen SERE- und CAC-Zusammenhang das Überleben und Verhalten in Geiselhaft. Geiselnehmer halten eine Person fest und drohen mit Verletzung, Tötung oder weiterer Festhaltung, um Dritte zu einer Handlung oder Unterlassung zu zwingen. Freilassung oder Sicherheit der Geisel werden an diese Forderung geknüpft. Die eigene Aufgabe umfasst körperlichen Erhalt, Informationsschutz und den Schutz von Mitgefangenen unter fremder Kontrolle.
Geiseldruck und eigener Handlungsspielraum
Die verlangte Entscheidung liegt bei einem Staat, einer Organisation oder anderen Personen. Die Geisel kann diese Entscheidung häufig weder treffen noch überprüfen. Ihre unmittelbar erreichbaren Aufgaben liegen im Gewahrsam: verfügbare Versorgung nutzen, die eigene Aufmerksamkeit erhalten und verhindern, dass Aussagen andere Personen oder militärische Vorhaben gefährden. Geiselnehmer können die Person zugleich als Druckmittel, Informationsquelle und Gegenstand öffentlicher Propaganda verwenden. Ein freundliches Gespräch und eine Aufnahme vor einer Kamera können deshalb andere Zwecke erfüllen als den ausdrücklich genannten.
Körper und Aufmerksamkeit erhalten
Erhält die Geisel Nahrung und Getränke, kann sie diese zum Erhalt ihrer Kräfte nutzen. Zugang zu Wasser, sanitären Einrichtungen, Medikamenten und Verbandsmitteln bestimmen jedoch die Festhalter. Sie können eigene Vorräte wegnehmen, Versorgung verweigern oder medizinisch nur unzureichend handeln. Eigene Körperpflege, Sauberkeit am Aufenthaltsort und die Versorgung Kranker reichen deshalb nur so weit, wie Raum, Bewegungsfreiheit und Material es zulassen. Bei Gesprächen über gesundheitliche Bedürfnisse lassen sich konkrete Beschwerden und fehlende Versorgung benennen, etwa eine bestehende Wunde oder der Bedarf an eigener Medikation.
Eine verfügbare Aufgabe langsam und geordnet auszuführen, ihre einzelnen Schritte zu planen oder ein überschaubares Problem zu durchdenken hilft, die Aufmerksamkeit auf etwas Konkretes zu richten. Bei eingeschränkter Bewegung können solche Denkaufgaben ohne Material ausgeführt werden. Zur Lagebeobachtung gehören wahrgenommene Ortsmerkmale, Geräusche und Transportzeiten oder Richtungen, soweit sie sich zurückhaltend erfassen lassen. Diese Beobachtungen helfen, Veränderungen der Unterbringung einzuordnen. Eine Vermutung über den Ort wird dabei von dem getrennt, was die Person tatsächlich gesehen oder gehört hat.
Verhalten und Informationsschutz
Die US-Grundvorbereitung auf Geiselhaft verbindet ruhiges, vorhersehbares Verhalten mit kurzen, sachlichen Gesprächen. Plötzliche Bewegungen und politische oder ideologische Auseinandersetzungen können die Aufmerksamkeit bewaffneter Festhalter auf die Person ziehen. Gesprächsmöglichkeiten über gewöhnliche persönliche Themen können dazu beitragen, als Mensch wahrgenommen zu werden. Sensible Angaben über Auftrag, Verfahren und andere Personen gehören nicht in solche Gespräche; ein zugänglicher oder freundlicher Festhalter kann ebenfalls Informationen sammeln.
Informationsschutz betrifft auch Mitgefangene. Eine Aussage kann in der Befragung einer anderen Person als angeblich bereits bekanntes Wissen eingesetzt werden. Wer besondere Kenntnisse, Aufgaben oder Verwundbarkeiten anderer nennt, erleichtert ihre Auswahl und Ausnutzung. Bei gemeinsamer Unterbringung sind deshalb abgestimmte Anliegen und die Begrenzung interner Konflikte wichtig. Gemeinsame Aufgaben können sich auf Sauberkeit, die Unterstützung Kranker und die Mitteilung konkreter Versorgungsbedürfnisse beziehen, soweit Kontakt und eigene Mittel dies erlauben.
Ein Lebenszeichen und eine Forderung haben unterschiedliche Funktionen. Für zivile US-Regierungsangehörige im Auslandsdienst wird die Mitwirkung an einem verlangten Foto oder Video als Lebensnachweis empfohlen: Angehörige und zuständige Stellen können damit vom Fortleben erfahren. Wird eine Geisel gezwungen, eine Forderung zu übermitteln, sieht die US-Grundvorbereitung vor, deren Urheberschaft bei den Geiselnehmern kenntlich zu machen. Militärische Regeln zum Schutz vor schädigender Propaganda müssen daneben im eigenen nationalen Rahmen beachtet werden.
Nationale CAC- und SERE-Rahmen
Im australischen CAC-Modell bezeichnet Hostage Survival die Festhaltung durch eine feindliche Gruppe, etwa eine terroristische oder kriminelle Organisation. Foreign Government Detention betrifft ausländische staatliche Stellen wie Polizei oder Grenzschutz; Military Exploitation fremde Streitkräfte. Der eigene Hostage-Anteil verbindet Überlebensstrategien, den Umgang mit Belastung und Verhalten bei Festhaltung durch solche Gruppen. Damit erweitert CAC den früheren Schwerpunkt auf Verhörwiderstand: Die Person muss auch Versorgung, Umgang mit Festhaltern und eigene Handlungsfähigkeit bewältigen. Die Täterzuordnung dieses Ausbildungsmodells ersetzt keine Prüfung des rechtlichen Status der Person.
Der NATO-SERE-Rahmen verbindet den Ausbildungsumfang mit Isolations- und Ausnutzungsrisiko. Level B enthält Widerstandsausbildung im Unterricht, Level C umfangreiche praktische Widerstandsausbildung in einer streng kontrollierten Umgebung. Für einen Einsatz sollen eigene Verhaltensanweisungen für Kriegsgefangenschaft, staatliche Festhaltung in Friedenszeiten und Geiselhaft festgelegt werden, soweit diese Lagen relevant sind. Für die Person bedeutet das, vor dem Einsatz den zu ihrem Auftrag gehörenden Gefangenschaftsrahmen zu kennen. In Großbritannien wird SERE B in der jeweiligen Einheit vermittelt; SERE C liegt bei der Defence SERE Training Organisation. Die Buchstaben bezeichnen dort den gesamten SERE-Umfang, während australische CAC-Stufen den Gefangenschaftsanteil gliedern.
Der US-militärische Code of Conduct erfasst auch feindliche Festhaltung in Geiselszenarien. Er verbindet Widerstand gegen Informations- und Propagandaausnutzung mit Verantwortung für Mitgefangene. Seine Regel zu Name, Dienstgrad, Dienstnummer und Geburtsdatum ist ausdrücklich auf die Befragung eines Kriegsgefangenen bezogen. Dieser Rahmen erlaubt daneben Gespräche über Gesundheit und Wohlergehen. Für eine US-Kriegsgefangenengruppe bestehen militärische Führungsverantwortlichkeiten; eine gemischte Geiselgruppe erhält dadurch keine allgemeine Befehlsordnung. Zivile US-Regierungsangehörige unterliegen eigenen Vorgaben, Soldaten ihrem militärischen Rahmen und gegebenenfalls ihrer Kriegsgefangenenstellung.
Fluchtentscheidung und tatsächliche Rückführung
Bei der Entscheidung über eine Flucht muss die Person die gegenwärtige Lebensbedrohung, die Bewachung, die Umgebung und ihre eigene Bewegungsfähigkeit gemeinsam beurteilen. Ein offener Ausgang allein beantwortet weder die Frage nach dem weiteren Weg noch nach dem Risiko für zurückbleibende Mitgefangene. Die US-Geiselvorbereitung behandelt den Fluchtversuch deshalb als Lageentscheidung der betroffenen Person. Sie muss beurteilen, ob sie die erkannte Möglichkeit mit ihren tatsächlichen Kräften und Kenntnissen nutzen kann.
Bei einer tatsächlich laufenden Befreiung verändert sich die Aufgabe: niedrig zu Boden gehen, abrupte Bewegungen vermeiden, Hände und Gesicht erkennbar halten und verständlichen Anweisungen folgen. Bewaffnete Kräfte müssen unter Zeitdruck Geiseln und Gegner unterscheiden. Auf sie zuzulaufen oder ungefragt in die Aktion einzugreifen erschwert diese Zuordnung. Die eigene Identifizierung und weitere Bewegung erfolgen im Kontakt mit den Kräften, die den Gewahrsam übernehmen.