Wiki · Begriffserklärung

PRETC

Das Personnel Recovery Education and Training Center (PRETC) ist das Ausbildungszentrum der US-amerikanischen Joint Personnel Recovery Agency für die Planung und Koordination von Personnel Recovery. Es bereitet Kommandeure, Stäbe und beteiligte militärische, behördenübergreifende und multinationale Partner darauf vor, Isolationslagen vorzubeugen, Rückführungsmöglichkeiten vorzubereiten und die Reaktion auf eine Isolation zu organisieren.

Kommandeur, Stab und isolierte Person

PRETC vermittelt operative PR-Fachkenntnisse und unterstützt die Abstimmung zwischen den beteiligten Stellen. Dazu gehört die Ausbildung von Kommandeuren und Stäben für PR-Operationen und deren Planung. Bei streitkräftegemeinsamen Übungen unterstützt das Zentrum insbesondere die operative und strategische Führungsebene. Übungssteuerung und fachliche Beobachtung helfen dabei, die PR-Arbeit in gemeinsame Operationen und Einsatzvorbereitungen einzubinden: Wer nimmt eine Meldung entgegen, wer führt die verfügbaren Informationen zusammen, und welche Stelle kann tatsächlich Kräfte für eine Rückführung einsetzen?

Im US-Heer lässt sich die Aufgabenteilung an drei Beteiligten erklären. Kommandeur und Stab halten nach, wo das eigene Personal eingesetzt ist, erarbeiten PR-Vorgaben und die daraus abgeleiteten Handlungsanweisungen für isolierte Soldaten und weisen Rückführungskräften Aufgaben zu. Die Einheit bereitet ihre Angehörigen auf Isolation vor und kann selbst als Rückführungskraft handeln. Die isolierte Person erhält ihre Überlebens- und Handlungsfähigkeit, vermeidet gegnerischen Zugriff und nutzt die vorbereiteten Anweisungen und ihren Evasion Plan of Action. Auch der Kontakt zu einer erreichbaren Rückführungskraft ist eine eigene Aufgabe. Für den Stab entsteht daraus die Verpflichtung, persönliche Vorbereitung und den tatsächlich möglichen Rückführungsweg aufeinander abzustimmen.

Die getrennte Personnel Recovery Academy (PRA) bereitet ausgewähltes Personal mit besonders hohem Isolations- und Ausnutzungsrisiko durch spezialisierte, auf Auftrag und Personengruppe zugeschnittene SERE-Ausbildung vor. PRETC richtet seine Arbeit dagegen auf die Organisation hinter der Rückführung. Die beiden Aufgaben treffen sich dort, wo das vorbereitete Verhalten der Person zu den Fähigkeiten, Informationen und Verfahren der eingesetzten Kräfte passen muss.

Was ein PR-Stab vor dem Einsatz organisieren muss

In NATO-geführten Operationen gehört PR von Beginn an in die Operationsplanung. Der Stab betrachtet Auftrag, Einsatzraum, gegnerische Bedrohung und das Isolations- und Ausnutzungsrisiko des Personals zusammen. Daraus ergeben sich Anforderungen an SERE-Vorbereitung und persönliche Ausrüstung. Zugleich prüft er, welche eigenen oder befreundeten Kräfte unter diesen Bedingungen suchen, unterstützen und aufnehmen können. Die britische Planung bewertet dabei die Eignung verfügbarer Kräfte nach deren Hauptauftrag, Ausrüstung und Fähigkeiten für den jeweiligen Rückführungsfall. Eine Person mit Verletzungen in schwierigem Gelände stellt andere Anforderungen an die Aufnahme als eine bewegliche Person, die selbst einen vereinbarten Kontaktpunkt erreichen kann.

Ein ISOPREP unterstützt die Identifizierung und Authentifizierung; der Evasion Plan of Action beschreibt die vorgesehenen Handlungen bei Isolation. Der Stab muss außerdem festlegen, wie Ortsangaben, Meldungen und Authentifizierungsinformationen zwischen den Beteiligten übermittelt und geschützt werden. Für eine Funkverbindung müssen die persönliche Ausrüstung und die Geräte der beteiligten Kräfte miteinander arbeiten können. Stellt sich heraus, dass die Person das für den Kontakt vorgesehene Gerät nicht mitführt, muss der Stab den geplanten Kontaktweg ändern. Der tatsächliche Aufenthaltsort wird während der Lage überprüft; eine vor dem Einsatz festgehaltene Absicht ersetzt diese Ortung nicht.

Der Operationsplan ordnet Aufgaben, Kräfte und Mittel zu und legt die Befugnis fest, einen Rückführungsauftrag zu starten, auszuführen oder zurückzuhalten. Dazu kommen Versorgung, medizinische Unterstützung und die Übergabe nach der Aufnahme. Bei einer konkreten Entscheidung zählen der ermittelte Ort, der Zustand der Person, ihre mögliche Authentifizierung, die verfügbaren Fähigkeiten sowie die Risiken für sie und die eingesetzten Kräfte. PRETC stellt für diese Arbeit Fachkenntnisse und Ausbildungsunterstützung bereit. Die Aufnahme führen die für den Auftrag eingesetzten Kräfte durch.

Meldung, Ortung, Unterstützung, Rückholung und Reintegration

Report, Locate, Support, Recover und Reintegrate bilden die fünf Durchführungsaufgaben von PR. Bei der Meldung muss die Organisation einen möglichen Isolationsfall erkennen und die Information an die zuständigen Stellen bringen. Ein Notruf der Person ist nur einer der möglichen Anstöße. Auch ein beobachteter Vorfall, eine Meldung der Einheit, Aufklärungsergebnisse oder eine ausgebliebene Rückkehr können die Bearbeitung auslösen. Die Meldung wird überprüft, damit eine Fehlmeldung oder gegnerische Täuschung nicht zum Einsatz gegen eine falsche Lage führt.

Die Ortung führt Beobachtungen, letzte bekannte Positionen und gegebenenfalls eigene Ortsmeldungen der Person zusammen. Die Stelle, die diese Informationen verarbeitet, muss ihren Ursprung und ihre Verlässlichkeit prüfen und Veränderungen verfolgen. Vor der Aufnahme erfolgt zusätzlich die Authentifizierung: Präzise Koordinaten zeigen einen Ort, identifizieren aber noch nicht den Menschen dort. Geschützte Authentifizierungsinformationen helfen den Kräften, eine echte isolierte Person von einer Täuschung zu unterscheiden. Das ist besonders kritisch während der Annäherung und Aufnahme, wenn Rückführungskräfte selbst verwundbar sind.

Unterstützung kann die Zeit bis zur Rückholung überbrücken: etwa durch nutzbare Zweiwegkommunikation, Versorgung oder die Bekämpfung einer Bedrohung durch eingesetzte Kräfte. Dafür muss der Stab die entsprechende Fähigkeit zuordnen und deren Einsatz mit den übrigen Maßnahmen abstimmen. Die Person beurteilt währenddessen ihre Verletzungen, verbleibende Ausrüstung, Beweglichkeit und Bedrohung und setzt ihre SERE-Fähigkeiten ein. Ihre Lage kann sich schneller ändern als ein vorbereiteter Plan. Aktuelle Informationen sollen deshalb eine erreichbare Rückführungskraft über die wirklichen Bedingungen informieren, ohne den Aufenthaltsort oder die Identifizierungsmittel gegenüber dem Gegner offenzulegen.

Die Rückholung kann zunächst mit geeigneten Kräften der eigenen Einheit oder in der Nähe versucht werden. Reichen diese Fähigkeiten nicht, wird die weitere Planung mit der zuständigen Komponente und gegebenenfalls mit Kräften mehrerer Komponenten koordiniert. Für einen isolierten Menschen ist deshalb entscheidend, welche Anweisungen tatsächlich für ihn gelten und welche Verbindung oder Kontaktmöglichkeit ihm zur Verfügung steht. Das US-Heer berücksichtigt auch unassisted recovery: Wenn die taktische Lage eine Aufnahme durch Kampfkräfte verhindert, soll das dafür vorbereitete und ausgerüstete Personal nach den erteilten Vorgaben selbst unter die Kontrolle eigener oder befreundeter Kräfte zurückkehren. Diese Möglichkeit verlangt eigene Survival- und Evasion-Fähigkeiten.

Ausbildung für die Reintegration

Ein konkreter PRETC-Ausbildungsbereich ist die Reintegration. PR296H richtet sich an US-Kommandeure und Stäbe, die PR auf operativer Ebene in einem streitkräftegemeinsamen Umfeld unterstützen. Der Lehrgang behandelt die Planung, Vorbereitung und Durchführung der Reintegration sowie die Anpassung dieser Arbeit. Er verbindet selbstständige Aufgaben und Lektüre mit Live-Unterricht, Diskussionen und Anwendungsaufgaben in einer virtuellen Lernumgebung. Der Gegenstand ist die organisierte Unterstützung nach der Rückkehr: Der Stab muss Zuständigkeiten und Ressourcen so vorbereiten, dass die aufgenommene Person an die dafür vorgesehenen Fachstellen übergeben werden kann.

Rücktransport, Versorgung und Nachbesprechung haben unterschiedliche Aufgaben. Medizinische und psychologische Unterstützung dienen der Person; operative, nachrichtendienstliche und SERE-Nachbesprechungen erfassen den Isolationsverlauf und verwertbare Informationen. Diese Informationen können für weitere isolierte Personen oder eine fortbestehende Bedrohung dringlich sein. Im NATO-Rahmen bleibt Reintegration nationale Verantwortung; eine andere Nation oder Organisation kann sie auf Grundlage entsprechender Vereinbarungen übernehmen. In der britischen Ausgestaltung hat die Gesundheit der Person Vorrang vor Nachbesprechungen, soweit nicht eine zwingende operative Notwendigkeit wie die Rettung anderer Personen eine Ausnahme erfordert. Der Planer organisiert diese Schnittstellen.

PRETC unterstützt auch die Entwicklung nationaler Reintegrationsprogramme mit mobilen Ausbildungsteams. In der Zusammenarbeit von JPRA/PRETC und dem European Personnel Recovery Centre wurden Unterricht und Workshops auf Grundlage der PR296/297-Ausbildung genutzt, um nationale Doktrinen und Ausbildungsansätze auszuarbeiten. Für multinationale Einsätze liegt der Nutzen in abgestimmten Übergängen: Die Kräfte müssen wissen, welche nationale Stelle den Rückkehrer übernimmt, welche Unterstützung sie bereitstellt und welche Informationen für die weitere PR-Arbeit weitergegeben werden können.