Ein PR Officer, ausgeschrieben Personnel Recovery Officer, ist die für Personnel Recovery eingesetzte Fachperson einer Einheit oder eines Stabes. Er verbindet die Vorbereitung des eigenen Personals mit den zuständigen PR-Koordinierungsstellen, koordiniert PR-Dokumente und unterstützt den Kommandeur bei der Reaktion auf eine Isolationslage. Seine Arbeit soll dafür sorgen, dass Meldungen, Angaben zur Person, Einsatzverfahren und tatsächlich verfügbare Kräfte zusammengeführt werden, um isoliertes Personal wieder unter die Kontrolle der eigenen oder einer befreundeten Organisation zu bringen.
Funktion, Informationswege und Befugnis
Im NATO-PR-System benennt die Einheit einen PR Officer als Verbindung zur Personnel Recovery Coordination Cell (PRCC) der zuständigen Komponente und gegebenenfalls zum Joint Personnel Recovery Centre (JPRC). Die PRCC bearbeitet den PR-Plan ihrer Komponente, verteilt Vorgaben für isoliertes Personal, verwaltet vorbereitete Personendaten und Evasion-Pläne und stimmt die Tätigkeit ihrer Kräfte ab. Das JPRC führt Informationen auf gemeinsamer Führungsebene zusammen und koordiniert zwischen den Komponenten. Für den PR Officer der Einheit bedeutet das: Er muss wissen, welche Stelle welche Information benötigt, wo die aktuellen Unterlagen verfügbar sind und über welchen Weg eine Isolationsmeldung die zuständige Führung erreicht.
Der Kommandeur trägt die Führungsverantwortung. Ob Kräfte starten dürfen, wann der Rückführungsauftrag ausgeführt oder angehalten wird und wer die eingesetzten Kräfte führt, wird in der PR-Planung und den Befehlen festgelegt. Die Ernennung zum PR Officer verleiht diese Befugnisse nicht von selbst. Ein eingesetzter Rescue Mission Commander führt die für die Aufnahme beauftragten Kräfte; der PR Officer kann Informationen und Planungsarbeit zuliefern oder eine ausdrücklich übertragene Aufgabe übernehmen. Eine einzelne PR-Fachperson kann dabei mehrere Aufgaben wahrnehmen, während ein größerer Stab sie auf mehrere Stellen verteilt.
Vorbereitung des Personals und der Unterlagen
PR-Arbeit beginnt vor dem Einsatz. Auftrag, Gelände, Klima und gegnerische Bedrohung bestimmen, wie wahrscheinlich Isolation und anschließende Ausnutzung sind. Dazu müssen die SERE-Ausbildung des Personals, seine Überlebens- und Kommunikationsausrüstung sowie die Fähigkeiten möglicher Rückführungskräfte passen. Der PR Officer unterstützt die Abstimmung mit den zuständigen Ausbildungs-, Ausrüstungs- und Führungsstellen: Welche Verfahren gelten im Einsatzraum? Kann das Personal die ausgegebenen Mittel bedienen? Sind die benötigten Daten bei den vorgesehenen PR-Stellen erreichbar? Übungen müssen diese Schnittstellen durchspielen, einschließlich der Verbindung zu Partnerkräften.
Zwei vorbereitete Unterlagen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Der Isolated Personnel Report (ISOPREP) enthält Angaben, mit denen die Person identifiziert und authentifiziert werden kann. Der Evasion Plan of Action (EPA) beschreibt die beabsichtigten Handlungen bei Isolation und hilft den Rückführungskräften, Bewegung und Kontaktmöglichkeiten einzuschätzen. Der PR Officer koordiniert die Erstellung, Prüfung und Weitergabe an die zuständigen PR-Stellen nach den geltenden Vorgaben. Persönliche Identitätsdaten und Authentifizierungsinformationen müssen dabei geschützt werden; sie gehören nicht in eine unkontrollierte Meldung an beliebige Empfänger.
Ein EPA übermittelt Absichten, keinen laufenden Standort. Verletzungen, gegnerische Bewegungen oder verlorene Ausrüstung können die geplante Route und Kontaktaufnahme unmöglich machen. Die Person braucht deshalb vor dem Auftrag die tatsächlich geltenden Anweisungen für Meldung, Signalisierung, Authentifizierung und Aufnahme sowie Kenntnis ihrer verfügbaren Mittel. Ist später keine Verbindung möglich, bilden der vorbereitete Plan und die letzten Beobachtungen der Einheit zunächst Ansatzpunkte für die Suche. Der PR Officer muss diese Angaben als Planung beziehungsweise letzte bekannte Lage behandeln, bis neuere Informationen den tatsächlichen Zustand bestätigen.
Eine Isolationsmeldung aufnehmen und prüfen
Der erste Hinweis kann von der isolierten Person kommen, aber auch von Augenzeugen, der Einheit, Aufklärung, vorhandenen Ortungssystemen oder einer Überfälligkeitsmeldung. Nach einem Hinterhalt oder Absturz konzentriert sich die Einheit möglicherweise auf Gefecht, Verletzte und Fahrzeugverlust; fehlendes Personal kann dabei zunächst unbemerkt bleiben. Die Prüfung des Personalbestands und das Zusammenführen der Meldungen sind deshalb Teil der Reaktion auf das Ereignis. Der vorgesehene Meldeweg muss die PR-Stellen frühzeitig einbeziehen, während noch geklärt wird, was geschehen ist.
Im US-Army-Stabsmodell werden Eingang und Zeitpunkt der Meldung festgehalten, Quelle und Ereignisumstände geklärt, betroffene Personen bestimmt und EPA sowie ISOPREP herangezogen. Hinzu kommen der gemeldete Gesundheitszustand, Beweglichkeit, vorhandene Mittel und die Möglichkeit, aus eigener Kraft weiter zu überleben oder zurückzukehren. Die Angaben werden mit der betroffenen Einheit, der laufenden Operationsführung und verfügbaren Aufklärung abgeglichen. Eine Beobachtung des Ereignisortes, ein zuletzt bekannter Punkt und ein aktuell bestätigter Aufenthalt der Person müssen getrennt erkennbar bleiben.
Die Validierung soll Fehlmeldungen und gegnerische Täuschung erkennen, ohne die Warnung bis zur vollständigen Aufklärung zurückzuhalten. Die PRCC und das JPRC können bereits bei der Prüfung helfen. In der NATO-Führungsregel liegt die formelle Erklärung eines Isolationsereignisses beim Joint Commander; er kann diese Verantwortung an das Joint Operations Centre delegieren. Belgien sieht die Erklärung dagegen auf Ebene der zuständigen Komponenten-, regionalen oder Großverbands-PRCC vor und die spätere Ereignisnummer beim JPRC für die gemeinsame Lageführung. Der PR Officer muss daher die im konkreten Einsatz festgelegte Zuständigkeit anwenden.
Auch ein genau übermittelter Standort beantwortet noch nicht, wer sich dort befindet. Für die Lokalisierung werden Herkunft, Alter und Bestimmungsmethode der Ortsangabe geprüft; vor der Aufnahme wird die Person authentifiziert. Eine falsche Identität kann Rückführungskräfte an einen vorbereiteten gegnerischen Zugriff heranführen, gerade während sie zur Aufnahme besonders verwundbar sind. Die vorgesehenen Authentifizierungsverfahren müssen deshalb zwischen Person und eingesetzten Kräften funktionieren. Hinweise auf kompromittierte Authentifizierungsmittel werden an die zuständigen PR-Stellen weitergegeben, damit diese erforderliche Änderungen verteilen können.
Verfügbare Kräfte und die Rückführung abstimmen
Eine Einheit prüft zuerst, ob eigene Kräfte in der Nähe eine unmittelbare Rückführung taktisch und technisch durchführen können. Parallel wird die PRCC informiert. Reichen die eigenen Mittel nicht aus, wird der Bedarf auf der nächsten Führungsebene koordiniert; das JPRC kann dafür Fähigkeiten anderer Komponenten zusammenführen. Der PR Officer sorgt dafür, dass die Informationen der Einheit die Stellen erreichen, die einen ausführbaren Auftrag planen: Angaben zu Zustand und Aufenthaltsort der Person, zur bekannten Bedrohung, zu möglichen Verbindungen, vorbereiteten Absichten und Veränderungen.
Die Auswahl der Kräfte hängt von ihrer wirklichen Eignung ab. Eine verletzte, bewegungsunfähige Person stellt andere Anforderungen als jemand, der einen vereinbarten Kontaktort erreichen kann. Wetter, Gelände, gegnerische Waffen und Aufklärung, Reichweite, Zugang und Ausrüstung der Kräfte verändern die Möglichkeiten. Der britische Ansatz prüft deshalb für jeden Auftrag die Person, die Kräfte und die Einsatzumgebung gemeinsam; die vorgesehenen Kräfte sind nach ihrem Hauptauftrag ausgerüstet. Daraus ergibt sich eine konkrete Aufgabe für die PR-Planung: Sie muss feststellen, welche Unterstützung und Aufnahme mit diesen Kräften möglich ist und welche Bedingungen vorher erfüllt werden müssen.
Unterstützung kann über vorhandene Verbindung Anweisungen und Zuspruch vermitteln, Versorgung ermöglichen oder mit geeigneten Kräften eine gegnerische Bedrohung verringern. Dafür werden jeweils erreichbare Kommunikationswege, Zugang und beauftragbare Mittel benötigt. Eine eingegangene Meldung oder laufende Stabskoordination teilt der isolierten Person noch keinen Aufnahmezeitpunkt mit. Sie führt ihre Überlebens- und Evasion-Handlungen nach den ausgegebenen Vorgaben und der tatsächlichen Lage weiter. Wenn Verbindung zustande kommt, helfen aktuelle Angaben zu Ort, Zustand und verbliebenen Mitteln, einen überholten Plan anzupassen; Signal- und Kontaktverfahren müssen zu den tatsächlich eingesetzten Kräften passen.
Nationale Verwendung der Funktion
Für einen deutschen Einsatzkontingent-Ansprechpartner gehören persönliche Gespräche über vorhandene oder noch zu erstellende ISOPREP-Daten, Verbindung zu koordinierenden Stellen im Einsatzgebiet und in Deutschland sowie Abstimmung mit verbündeten Kräften zu den Aufgaben. Hinzu kommen Einweisungen und Weiterbildungen zu vorhandener Notfallausrüstung. Für die mögliche isolierte Person bedeutet das, dass ihre vorbereiteten Angaben und ihr eingeübtes Verhalten auch bei einer Rückführung mit Partnerkräften verwendbar sein müssen. Die nationale Verbindungsperson klärt diese Schnittstellen bereits vor dem Ereignis.
Im schwedischen Hemvärnet ist PR Officer als Stabsfunktion auf Bataillons-, Schwadron- oder Kompanieebene vorgesehen. Die Ausbildung sieht auch Unteroffizierpersonal vor; Officer bezeichnet hier die Funktion. Sie verbindet PR-Operationsplanung und die Anpassung der Ressourcen an den Einsatzraum mit Meldung, Lokalisierung, Kommunikation, Unterstützung des Kommandeurs bei Rückführungsaufgaben und Einführung in PR-Debriefing. Stabsübungen bearbeiten diese Zusammenarbeit. Damit steht die Verwendung für PR-Arbeit innerhalb einer Bodentruppe, einschließlich der Verbindung zu übergeordneten PR-Stellen.
Der Umfang der Dokumentenkoordination wird ebenfalls national begrenzt. Belgien weist dem Einheits-PR-Officer die Koordination der einheitsbezogenen ISOPREP- und EPA-Unterlagen mit den anderen PR-Stellen, hauptsächlich der PRCC, zu. Der Einheitsverantwortliche soll daher die Personendaten seiner Einheit verfügbar halten und richtig weitergeben, während die zuständige PRCC übergeordnete Dokumentenarbeit übernimmt. In den USA bereitet das Personnel Recovery Education and Training Center der JPRA Kommandeure und Stäbe auf operative PR-Planung, Koordination und Synchronisierung vor. Diese Stabsaufgabe verlangt andere Fähigkeiten als die persönliche SERE-Vorbereitung des gefährdeten Personals.
Nach der Aufnahme
Sobald die Person wieder unter physischer Kontrolle einer eigenen oder befreundeten Organisation steht, beginnt der Übergang in die Reintegration. Die PR-Organisation stimmt dafür die Übergabe an die zuständigen nationalen Stellen, Betreuung und Debriefing ab; eine Übernahme durch einen anderen Staat braucht die entsprechende Vereinbarung. Der PR Officer liefert dafür die Informationen und Verbindungen seines Verantwortungsbereichs. Medizinische und psychologische Versorgung leisten die dafür zuständigen Fachkräfte. Die Auswertung der Isolation und der Rückführungsoperation kann anschließend zeigen, welche Meldung fehlte, welche Vorbereitung unbrauchbar war oder welche Verbindung im nächsten Einsatz geändert werden muss.