RPI steht für Récupération de personnel isolé, die französische Bezeichnung für die Rückführung isolierten Personals. Der französische Rahmen umfasst militärische, diplomatische und zivile Maßnahmen, um Menschen aus feindlicher Umgebung zurückzuführen und anschließend wieder einzugliedern. Dabei arbeiten Führung, Rückführungskräfte und die isolierte Person zusammen. Im nationalen Verständnis steht Personal im Mittelpunkt, das von seiner Einheit oder Organisation getrennt, noch nicht gefangen genommen und auf Rückführung angewiesen ist.
Der französische nationale Rahmen
Militärische Isolation entsteht, wenn die eigene Organisation die Person nach der Trennung weder unmittelbar noch über vereinbarte Verfahren führen kann. Das kann nach einem Flugunfall, während eines Landauftrags oder im maritimen Einsatz geschehen. Auch ziviles Personal, das einer Operation zugeordnet ist, kann betroffen sein. Der französische RPI-Rahmen richtet sich auf Operationen außerhalb Frankreichs in feindlicher Umgebung: Ein Gegner besitzt dort die Fähigkeit und die Absicht, eigene oder befreundete Kräfte zu behindern. Für die Person bedeutet das, dass ein auffälliges Signal oder eine ungeschützte Bewegung neben dem Umweltrisiko auch eine Gefangennahme auslösen kann.
SERE bereitet auf Überleben, Vermeiden einer Gefangennahme, Widerstand gegen gegnerische Ausnutzung und Rückkehr vor. Diese Vorbereitung erfasst auch Gefangenschaft. Die französische RPI-Abgrenzung behandelt eine Geiselbefreiung dagegen als eigene Spezialoperation. Die Rückführungsorganisation verfolgt auch die Lage eines Gefangenen weiter, damit sie nach einer Flucht eine Aufnahme vorbereiten kann.
Die Suche und Rettung ohne gegnerische Bedrohung, die Seenotrettung und die Evakuierung von Staatsangehörigen haben andere Aufträge. Auch eine sofortige Aufnahme durch bereits am Ort befindliche Kräfte fällt außerhalb dieses RPI-Rahmens, wenn der Kontakt zur Einheit noch besteht und keine Isolation eingetreten ist. Eine Rettungsaufgabe für eine verlegte Truppe in einem ungefährdeten Gebiet kann dennoch die vorhandene PR-Organisation nutzen, wenn dort eine örtliche Rettungskapazität fehlt.
Vorbereitung und eigene Handlung
Die Vorbereitung muss die persönlichen SERE-Fähigkeiten mit den Rückführungsverfahren des Einsatzraums verbinden. Dazu gehören die vorgesehenen Kontaktwege, Positionsangaben, Signale und das Verhalten bei der Aufnahme. Ein Evasion Plan of Action beschreibt vor dem Auftrag beabsichtigte Handlungen und Bewegungen nach einer Isolation; dadurch erhalten Rückführungskräfte Anhaltspunkte, wo sie die Person suchen können. Ein ISOPREP enthält vorbereitete Angaben zur Identifizierung und Authentifizierung. Beides erfüllt unterschiedliche Aufgaben: Der Bewegungsplan hilft bei der Suche, die Authentifizierungsangaben bei der Prüfung der Identität.
Nach der Trennung muss die Person die unmittelbare Bedrohung, den eigenen körperlichen Zustand und die verbliebenen Mittel erfassen. Im französischen Aircrew-Zusammenhang gehören dazu das Prüfen der Umgebung nach der Landung, das Ordnen der mitgeführten Überlebensausrüstung und ein erster Kontaktversuch, soweit ein verwendbares Kommunikationsmittel vorhanden ist. Gleichzeitig kann der Gegner gerade das wahrscheinliche Landungsgebiet absuchen. Schutz, Versorgung und das Vermeiden einer Gefangennahme beginnen daher schon während der Vorbereitung eines Kontakts.
Die eigene Bewegungsentscheidung muss Verletzungen, Gelände, Schutzmöglichkeiten und die geplante Rückführung zusammenbringen. Wer wegen einer unmittelbaren Bedrohung den vermuteten Suchpunkt verlässt, verbessert möglicherweise den Schutz, verändert aber zugleich die Grundlage der Suche. Wer ohne erreichbares Ziel weitergeht, verbraucht Kraft und Wasser und weiß möglicherweise bald nicht mehr, wo er sich befindet. Die Person prüft deshalb, welche Bewegung sie tatsächlich leisten kann, welche Ausrüstung sie dabei behalten muss und wie sie den neuen Aufenthaltsort bestimmen oder später mitteilen kann.
Melden, lokalisieren und authentifizieren
Die erste Meldung einer Isolation kann von der Person selbst, einer anderen Einheit oder einem Beobachter kommen. Auch eine ausgebliebene erwartete Handlung kann den Verdacht auslösen. Eine Rückführung kann daher vorbereitet werden, obwohl die Person selbst keine Hilfe anfordern konnte. Auf Seiten der Organisation wird die Meldung geprüft, weil auch ein Irrtum oder eine gegnerische Täuschung Kräfte an einen falschen Ort führen kann.
Ein eigenes Funkgerät, Telefon oder Datenmittel hilft nur, wenn es nach der Isolation noch vorhanden und betriebsfähig ist und eine nutzbare Verbindung zustande kommt. Eine selbst bestimmte GPS-Position wird dadurch noch nicht übermittelt. Bei einem möglichen Kontakt braucht die Gegenstelle eine verwertbare Positionsangabe und Informationen zum körperlichen Zustand der Person. Bedrohungen am Aufenthaltsort, eingeschränkte Gehfähigkeit oder eine bereits erfolgte Bewegung beeinflussen, ob Kräfte den Ort erreichen und die Person aufnehmen können. Angaben zum früheren Aufenthaltsort müssen als solche erkennbar bleiben, damit sie nicht die Suche am falschen Punkt festhalten.
Positionssignale erfüllen eine andere Funktion als eine Gesprächsverbindung. Eine Lampe, ein Spiegel oder ein Rauchsignal kann den letzten Suchabschnitt erleichtern, wenn das Signal tatsächlich wahrgenommen und zugeordnet werden kann. Infrarotsignale benötigen passende Beobachtungsmittel; Gelände und Sichtverhältnisse können die Erkennung verhindern. Sichtbare Markierungen können zugleich den Gegner aufmerksam machen. Deshalb richtet sich ihr Einsatz nach der Bedrohung und den vorbereiteten Kontaktverfahren. Ein Signal ist besonders nützlich, wenn die eigenen Kräfte bereits in Reichweite sind und wissen, welches Zeichen sie erwarten.
Auch genaue Koordinaten ersetzen die Authentifizierung nicht. Die Rückführungskräfte müssen prüfen, ob sie mit der richtigen Person in Verbindung stehen, bevor sie sich einer möglichen Falle oder einem Hinterhalt aussetzen. Die Person wirkt mit dem vorbereiteten Verfahren und den dafür vorgesehenen Identifizierungsangaben mit. Vertrauliche Angaben wahllos über einen offenen Kanal auszusenden würde gerade den Schutz dieser Prüfung schwächen. Die Verfahren müssen vor dem Einsatz bekannt sein und mit den tatsächlich eingesetzten Mitteln zusammenpassen.
Appui und soutien: zwei Unterstützungsaufgaben
Appui bereitet im französischen RPI-Rahmen die Extraction vor: Aufklärung kann die Lage am Aufenthaltsort klären, andere Kräfte können gegnerische Bedrohungen gegen den Zugang oder die Aufnahme bekämpfen. Soutien richtet sich auf die körperliche und psychische Unterstützung der isolierten Person, etwa durch eine beidseitige Verbindung oder Nachversorgung. Dafür müssen die jeweiligen Kräfte, Wege und Mittel tatsächlich verfügbar sein.
Über eine bestehende Verbindung kann die Person eine Verletzung, fehlende Beweglichkeit, knappe Vorräte oder eine Bedrohung des vorgesehenen Aufnahmeortes melden. Die Angaben helfen den Kräften, die benötigte Aufnahmehilfe, mögliche Nachversorgung und den Schutz des Zugangs vorzubereiten. Insbesondere muss erkennbar sein, ob die Person selbst bis zum Aufnahmeort gelangen kann oder an ihrem Aufenthaltsort erreicht werden muss.
Kräfte und französische Rückführungsmethoden
Wo es möglich ist, nutzt die eigene Einheit zuerst ihre verfügbaren Kräfte. Reichen sie nicht aus, koordiniert die PRCC, die Rückführungskoordinierungszelle der jeweiligen Teilstreitkraft, weitere Mittel. Das JPRC, das gemeinsame Rückführungszentrum, kann die Beiträge anderer Komponenten verbinden. Die Rückführungskraft wird für die konkrete Aufgabe zusammengestellt. Sie kann aus einem Fahrzeug mit einem Aufnahmeteam bestehen oder mehrere Luft- und Bodenmittel mit Aufklärung, Schutz und medizinischer Unterstützung verbinden. Ihre Aufgaben umfassen die abschließende Lokalisierung und Authentifizierung, den Schutz gegen gegnerische Bedrohungen und die eigentliche Aufnahme. Bedrohung, Entfernung, Zugang, verfügbare Kräfte und andere laufende Aufträge bestimmen, welche Lösung durchführbar ist.
Bei der französischen récupération au combat, Combat Recovery, tragen konventionelle taktische Fähigkeiten die Aufnahme, wenn die anderen Rückführungsmethoden nicht eingesetzt werden. RESCo, recherche et sauvetage de combat, verlangt dagegen entsprechend vorbereitetes und ausgerüstetes Personal sowie qualifizierte Rückführungskräfte. Im französischen Verständnis sind außerdem die erforderliche örtliche Luftüberlegenheit und ein komplexes, gemeinsam geführtes Luftdispositiv entscheidende Merkmale. Für die isolierte Person folgt daraus, dass abgestimmte Kommunikation, Signalisierung und Authentifizierung mit dem vorgesehenen Kräftepaket funktionieren müssen.
UAR bezeichnet im französischen Rahmen eine Rückführung durch Spezialkräfte. Dabei können Mittel anderer Komponenten integriert werden oder die Spezialkräfte unterstützen. NAR bezeichnet national Rückführungsmittel außerhalb der Streitkräfte. Diplomatische Maßnahmen sowie zivile Behörden, Organisationen oder Einzelpersonen können eine Rückführung vorbereiten, unterstützen oder durchführen. Die Auswahl nichtmilitärischer Optionen erfolgt auf strategischer Ebene auf Empfehlung des COMANFOR, des Befehlshabers der eingesetzten Gesamtstreitkräfte. Er kann über diese Akteure nicht wie über seine eigenen Kräfte verfügen. Die militärische Führung stimmt ihre Aktivitäten mit den nichtmilitärischen Maßnahmen ab und kann sie unterstützen. Für die Person vor Ort ist eine zufällige Begegnung deshalb noch kein bestätigter Rückführungsweg; die Zuordnung eines Kontakts und das vorgesehene Aufnahmeverfahren bleiben wesentlich.
Aufnahme und Reintegration
Bei der Aufnahme wird die Person unter die tatsächliche Kontrolle eigener oder befreundeter Kräfte beziehungsweise Frankreichs oder eines Partnerstaates gebracht. Dazu gehören der letzte Kontakt, die Prüfung der Identität und das Zusammenführen mit dem Aufnahmeteam. Die Person nutzt ihre vorbereiteten Signale und folgt den auf die konkrete Lage abgestimmten Anweisungen. Eine Verletzung oder fehlende Beweglichkeit muss, soweit Verbindung besteht, vor der Aufnahme bekannt werden: Sie verändert den Zugang zum Aufenthaltsort und die benötigte Transport- oder medizinische Unterstützung.
Die Reintegration beginnt mit der Übergabe an die eigene Einheit oder eine dafür bestimmte Stelle. Sie verbindet die Wiederherstellung des körperlichen und psychischen Zustands mit der Aufnahme zeitkritischer Informationen über Isolation, SERE und die Rückführung. Die Person kann Verletzungen, Belastungen, mögliche Gefangenschaft, gegnerische Beobachtungen und den Ablauf der Kontakte schildern. Das hilft sowohl bei ihrer Versorgung als auch bei der Anpassung weiterer Rückführungsmaßnahmen. Medizinische und psychologische Untersuchungen sowie eine gegebenenfalls notwendige Evakuierung folgen dem tatsächlichen Zustand der zurückgeführten Person.