Wiki · Begriffserklärung

SERE 100.2

SERE 100.2 ist ein computerbasierter Grundlagenkurs des US-Verteidigungsministeriums zur Vorbereitung auf militärische Isolation, Gefangennahme und Rückführung. Er wird über Joint Knowledge Online, kurz JKO, unter der Kennung J3TA-US1329 geführt und heißt vollständig „SERE 100.2 Level A SERE Education and Training in Support of the Code of Conduct“. Das Programm behandelt Survival, Evasion, Resistance und Escape und enthält unterschiedliche Modulsätze für Militärangehörige und ziviles DoD-Personal. Die Bezeichnung 100.2 benennt diesen konkreten US-Kurs; Level A bezeichnet seine Grundlagenebene.

Zweck und Einsatzvorbereitung

Der Kurs bereitet auf Lagen vor, in denen die Verbindung zur eigenen Einheit und deren Unterstützung abreißt. Eine Person kann nach einem Angriff oder Unfall von ihrer Einheit getrennt sein, der Gefangennahme ausweichen oder bereits festgehalten werden. Dabei geht es zugleich um den Erhalt ihrer körperlichen Handlungsfähigkeit, den Schutz vor gegnerischer Entdeckung und die Rückkehr unter die Kontrolle der eigenen oder einer befreundeten Organisation. Der Gegner kann Informationen aus der Person gewinnen oder sie als Druckmittel gegen die Vereinigten Staaten verwenden. Deshalb umfasst SERE-Vorbereitung auch das Verhalten nach einer Gefangennahme.

SERE 100.2 baut auf der Vorbereitung zum Schutz des Personals vor einer Verlegung auf und ist an den benötigten Fähigkeiten der US-Combatant Commands ausgerichtet. Diese militärischen Kommandos bestimmen Anforderungen für ihren Einsatzraum. Der gemeinsame Kurs stellt dafür Grundlagen bereit und ordnet seine Inhalte nach militärischer oder ziviler Verantwortung. Die Wahl des Modulsatzes richtet sich nach dem eigenen Personalstatus, nicht nach dem bevorzugten Schwierigkeitsgrad.

Militärischer und ziviler Kursweg

Zum zivilen Personenkreis gehören DoD-Zivilbeschäftigte und CAAF, Contractors Authorized to Accompany the Force. CAAF sind Beschäftigte von Vertragsunternehmen und deren Unterauftragnehmern, die zum Begleiten der US-Streitkräfte in einschlägigen Operationen außerhalb der USA autorisiert sind. Dieser Status wird durch eine Letter of Authorization erteilt. Die Tätigkeit für ein privates Unternehmen allein begründet ihn nicht.

Für Angehörige der US-Streitkräfte bildet der Code of Conduct den nationalen militärischen Verhaltensrahmen. Er verlangt, dass sich der Soldat nicht freiwillig ergibt, nach Gefangennahme weiter Widerstand leistet und sich um Flucht bemüht. Für Kriegsgefangene verlangt er Zusammenhalt, die Vermeidung von Informationen oder Handlungen, die Kameraden schädigen, und eine militärische Führung innerhalb der Gefangenengruppe. Bei Befragung nennt er Name, Dienstgrad, Dienstnummer und Geburtsdatum als geforderte Identitätsangaben; weitere Antworten sollen nach Kräften vermieden werden. Diese Vorgaben erklären, warum Informationsschutz und Verantwortung gegenüber Mitgefangenen zum militärischen Grundlagenstoff gehören.

Für festgehaltene DoD-Zivilbeschäftigte und CAAF besteht ein eigener Rahmen mit der Bezeichnung Principles of Behavior. Der zivile Kursweg berücksichtigt diesen Personenkreis und seine Verantwortung. Die Unterscheidung betrifft damit gerade das erwartete Verhalten in Gefangenschaft: Die militärischen Vorgaben zu Dienstgrad, Führung und Code of Conduct werden nicht durch die Tätigkeit im selben Einsatzraum zu zivilen Verhaltenspflichten.

Isolation, Survival und Evasion

Im US-Grundlagenstoff werden Planung und Vorbereitung, Survival, Evasion, Widerstand gegen Ausnutzung, die Beendigung von Gefangenschaft und die Mitwirkung an der Rückführung miteinander verbunden. Die isolierte Person muss zunächst ihre eigene Lage beurteilen: Welche Verletzung oder Erschöpfung schränkt sie ein, welche Ausrüstung ist tatsächlich noch vorhanden, wo befindet sie sich und was ist über den Gegner bekannt? Diese Bestandsaufnahme entscheidet darüber, welche Bewegung und welche Versorgung mit den verbliebenen Mitteln möglich sind.

Survival erhält die körperliche Fähigkeit, weiter zu handeln. Schutz vor Witterung, Wasser und Ruhe müssen auch unter Entdeckungsgefahr organisiert werden. Ein Aufenthaltsort braucht deshalb mehr als Schutz gegen Regen oder Kälte: Er soll die Person verbergen und ihr die Beobachtung der Zugänge ermöglichen. Evasion verbindet diese Versorgung mit dem Ausweichen vor gegnerischer Entdeckung und Gefangennahme. Bewegung macht sichtbar; lose Ausrüstung erzeugt Geräusche, Licht verrät einen Standort, und ein wiederholt genutzter Zugang kann zum Versteck führen. Die Person muss daher ihre Umgebung beobachten und bei der Entscheidung über Bleiben oder Weitergehen sowohl ihren Zustand als auch gegnerische Aktivität berücksichtigen.

Resistance richtet sich gegen die Ausnutzung nach einer Gefangennahme. Der militärische Zusammenhang umfasst den Schutz von Informationen und Mitgefangenen sowie das Festhalten am eigenen Verhaltensrahmen unter gegnerischer Kontrolle. Escape bezeichnet das Entkommen aus Gefangenschaft; danach muss die Person sich weiter versorgen und unter Umständen erneut ausweichen, bevor sie zurückkehren kann. Die vier Bestandteile beschreiben verschiedene Aufgaben innerhalb einer zusammenhängenden Isolationslage.

Mitwirkung an der Rückführung

Bei Personnel Recovery muss die isolierte Person gefunden, als die gesuchte Person erkannt und sicher aufgenommen werden. Wenn eine Verbindung möglich ist, gehören dazu Angaben zur eigenen Position, zur Zahl und zum Zustand der Personen, zu gegnerischer Aktivität, zu Hindernissen am Aufnahmeort und zu verfügbaren Signalmitteln. Die Authentifizierung folgt den für den Einsatz bereitgestellten Plänen und Weisungen: Sie ermöglicht den Kräften, die Identität der Person zu prüfen. Die hierfür nötigen Abreden müssen vor der Isolation bekannt sein.

Ein Funkgerät braucht Energie und eine tatsächlich erreichbare Gegenstelle. Ein Sichtsignal kann bei fehlendem Funk helfen, muss aber von den Rückführungskräften wahrgenommen werden können und kann zugleich den Gegner aufmerksam machen. Signalisierung wird deshalb mit Beobachtung, Deckung und den vereinbarten Verfahren verbunden. Sobald eine Aufnahme tatsächlich bevorsteht, sichert die Person ihre Ausrüstung, vermeidet bedrohliche oder schnelle Bewegungen und nähert sich dem Fahrzeug erst auf Weisung. Bei einem Hubschrauber gehören Rotoren, lose Gegenstände und unebenes Gelände zu den unmittelbaren Gefahren.

Stellung innerhalb von Level A

SERE 100.2 verbindet die US-Grundlagenebene mit einer bestimmten computerbasierten Unterrichtsform und den beiden statusabhängigen Kurswegen. Für größere militärische Einheiten mit wenigen Computerplätzen oder begrenzter Bandbreite wurde daneben ein angeleitetes Level-A-Gruppenpaket entwickelt. Es behandelt Vorbereitung, Survival, Evasion, Ausnutzungswiderstand und Rückführung, deckt jedoch die zivilen Principles of Behavior nicht ab. Die Wahl der Unterrichtsform betrifft damit auch, für welchen Personenkreis der Inhalt ausgearbeitet wurde.