Ausbildung weltweit · Italien

SERE-Ausbildung in Italien

SERE in Italien: nationale Alpha-, Bravo- und Charlie-Modelle, Versorgung und Evasion, Gefangenschaft sowie Kontakt und Aufnahme bei Heer, Luftwaffe und Marine.

U.S.-Marines arbeiten an Haltegurten und Trage eines italienischen Rollenspielers bei einer Rückführungsübung
U.S.-Marines bereiten bei Joint Stars auf Sardinien eine Trage für einen italienischen Teilnehmer vor, der eine isolierte Person darstellt.

Die italienische SERE-Ausbildung verbindet Überleben in feindlicher Umgebung mit dem Entgehen einer Gefangennahme, dem Schutz eigener Informationen in Gefangenschaft und der Mitwirkung an einer Rückführung. Für Flugbesatzungen kann die Ausgangslage der Verlust ihres Luftfahrzeugs sein; Fallschirmjäger und gefährdetes Bodenpersonal müssen nach einer Trennung von eigenen Kräften ebenfalls selbstständig weiterkommen. Die Ausbildung führt deshalb vom Erhalt der Ausrüstung und der eigenen Handlungsfähigkeit über die Bewegung im Gelände bis zu Kontakt, Identitätsprüfung und Aufnahme.

Alpha, Bravo und Charlie im Heer

Das italienische Heer bezeichnet die Stufen als Alpha, Bravo und Charlie. Ein Ausbildungsmodell des Centro Addestrativo Aviazione dell’Esercito, kurz CAAE, ordnet ihnen konkrete Risikogruppen und Aufgaben zu. Alpha richtet sich an Personal, das im Einsatz möglicherweise isoliert werden könnte. Es behandelt Überleben, Evasion, Gefangennahme, Verhalten in Gefangenschaft und Extraction als theoretische Grundlage. Der Teilnehmer soll die Lage vor und nach einer Gefangennahme einordnen und die Verbindung zwischen eigenen Überlebensmaßnahmen und einer späteren Rückführung verstehen.

Bravo richtet sich in diesem Modell an Personal mit mittlerem Isolations- oder Gefangennahmerisiko. Die praktische Aufgabe verbindet eine taktische Bewegung durch feindliches oder nicht frei zugängliches Gebiet mit dem Erreichen einer geeigneten Safe Area. Dort richten die Teilnehmer mit vorhandenen Mitteln ein Biwak ein. Bewegung und Versorgung greifen unmittelbar ineinander: Die gewählte Strecke muss zu einem Ort führen, an dem sich die Person schützen und für die nächste Etappe erholen kann. Eine kurze Festhaltung kann hinzukommen, um Verhalten nach einer Gefangennahme praktisch einzuführen.

Charlie bereitet Personal mit hohem Isolations- und Ausnutzungsrisiko auf einen zusammenhängenden Ablauf aus Survival, Evasion, Gefangennahme, Festhaltung, Flucht und Extraction vor. Im CAAE nehmen daran Angehörige der Heeresflieger und Fallschirmjäger teil. Das Zentrum bietet außerdem eine SERE-Qualifizierung für Flugbesatzungen und weiteres militärisches luftbewegliches Personal an. Die fortgeschrittene Feldphase verbindet Erschöpfung, knappe Nahrung und Wasser sowie begrenzten Wetterschutz mit der gegnerischen Bedrohung. Die Person muss ihre körperlichen Reserven über mehrere aufeinanderfolgende Aufgaben erhalten.

Heer: Survival, Versorgung und Bewegung

Im SERE-Anteil einer Ausbildung für Luftfahrzeugtechniker beginnt die Aufgabe nach einem angenommenen Hubschrauberverlust: eigenes Material erhalten, zusätzlich nutzbare Gegenstände erkennen und mit dem vorhandenen Bestand weiterarbeiten. Dazu kommen die Beschaffung von Nahrung und Wasser, Hilfe für die eigene Person und Kameraden sowie ein improvisierter Ruheunterstand. Dieser Unterstand hat im Ablauf einen bestimmten Zweck: Nach der Bewegung zum Entgehen des Gegners ermöglicht er eine geschützte Ruhephase, bevor die Person erneut Strecke zurücklegt.

Wie knapp die Mittel dabei werden können, zeigt ein am CAAE durchgeführtes Feldmodell mit improvisiertem Kleidungs- und Fußschutz aus Stoff. Die Teilnehmer mussten einen Nachtunterstand mit den wenigen vorhandenen Materialien und dem Angebot des Geländes herstellen und Nahrung beschaffen. Ein während der Bewegung gefundener Apfel wurde unter den Kameraden geteilt. Versorgung ist damit auch eine Gruppenaufgabe: Die Bewegungsfähigkeit der anderen bleibt Teil des eigenen Weiterkommens.

Die statische Phase gibt Raum für Schutz, Versorgung und Ruhe. In der dynamischen Phase setzt die Gruppe ihren Bewegungsplan um. Am CAAE werden dafür Etappen bei Tag und Nacht, Geländepunkte und Kontakte mit Übungspersonal in der Rolle eigener Kräfte vorbereitet. Eine fortgeschrittene Abschlusslage dauert eine Woche ohne Unterbrechung. Die Teilnehmer legen mehrere Dutzend Kilometer mit knapper Nahrung und Wasser zurück; eingespielte Gefangennahme und Festhaltung gehören dazu. Sie können ihre Versorgung deshalb nicht erst nach dem Marsch erledigen: Schon die nächste Etappe muss mit dem verbliebenen Material und der eigenen körperlichen Verfassung zusammenpassen.

Tarnung und taktische Bewegung stellen eine weitere Anforderung an diese Planung. Ein offener Übergang kann den Körper und die bewegte Ausrüstung sichtbar machen; eine schlecht gewählte Umgehung kann dagegen die Kraft verbrauchen, die für die nächste Ruhe- oder Kontaktstelle gebraucht wird. Vor dem Weitergehen muss die Person den Übergang beobachten, den Schutz des Geländes beurteilen und entscheiden, ob sie ihn jetzt nutzen kann. Eine im Heeres-Spezialkräftebereich geübte Flucht führte kleine Gruppen überwiegend nachts auf einer geplanten Strecke durch Waldgebiet. Dunkelheit veränderte dort die Bewegungsbedingungen; Wegwahl, Zusammenhalt und Versorgung blieben eigene Aufgaben.

Gefangenschaft: körperlich durchhalten und Informationen kontrollieren

Nach der Gefangennahme kann die Person den eigenen Weg nicht mehr frei bestimmen. Im CAAE-Charlie-Modell gehören der Erhalt der Selbstachtung und ein kontrollierter, schrittweiser Umgang mit Informationen zur Vorbereitung. Ihre Aussagen dürfen eigene oder verbündete Kräfte nicht gefährden. Das betrifft insbesondere Angaben, über die ein Gegner Helfer, Verbindungen oder einen Fluchtplan erschließen könnte. Der Schutz anderer bleibt damit auch dann eine eigene Aufgabe, wenn die Person selbst festgehalten wird.

Eine konkrete Heeres-Spezialkräftelage zeigt einen leicht übersehbaren Fehler: Ein scheinbar freundliches Gespräch über Fallschirmspringen und die Sorgen der Familie brachte einen Teilnehmer dazu, seine Zugehörigkeit zu den Fallschirmjägern preiszugeben. Die Information entstand aus einer persönlichen Bemerkung ohne unmittelbare Drohung. Im selben Verhör schlug er angebotenes Essen und weiteres Wasser aus. Informationsschutz verlangt daher Aufmerksamkeit auch bei alltäglichem Gespräch; die körperliche Versorgung muss daneben erhalten bleiben.

Luftwaffe: Gelände überwinden und die Aufnahme vorbereiten

Das SERE-C-Angebot am 16° Stormo richtet sich an Personal mit hohem Gefangennahme- oder Isolationsrisiko und an Angehörige, deren Aufgaben sie in nur teilweise oder nicht permissives Gebiet führen. Dort wird das eigene Handeln nur eingeschränkt oder gar nicht geduldet; eine gegnerische Bedrohung ist möglich. Dazu zählen Flugbesatzungen, Bordpersonal, Fucilieri dell’Aria und Personal vorgeschobener Hubschrauberbetankungspunkte. Letztere versorgen Hubschrauber an vorgeschobenen Standorten unter erschwerten Bedingungen; ihre mögliche Isolation erfordert ebenfalls eigenes Verhalten im Gelände.

Zum praktischen Feldanteil gehören Flussüberquerung, Klettern und taktische Orientierungsbewegungen. Die Teilnehmer verbringen mehrere Tage in unbekanntem Gelände ohne Unterstützung und wechseln zwischen statischen und dynamischen Phasen. Ein Wasserlauf oder steiler Abschnitt beeinflusst, welche Route überhaupt begehbar ist und welche Mittel eine Fortsetzung benötigt. Die Lage verbindet diese Geländeaufgaben mit Isolation, Flucht und Gefangennahme. Im War-Path-Modell üben Piloten zusätzlich Tarnung, taktische Bewegung und die eigene Authentifizierung gegenüber den an der Rückführung beteiligten Flugbesatzungen.

Marine: Geländephase, Gefangenschaft und Flucht

Am Comsubin erhalten Piloten, Flugoperatoren und Bordspezialisten der Marine sowie Angehörige der Spezialkräfte eine Charlie-Ausbildung. Ein dort durchgeführtes Modell bündelt in einer 72-stündigen Praxisphase Geländebewegung, Gefangennahme, Festhaltung, Widerstand gegen Befragung, Evasion und Flucht zur anschließenden Rückführung. Die 72 Stunden betreffen diesen praktischen Abschnitt. Ausbilder der Scuola Incursori arbeiten dabei mit Personal der Marineflieger und für Befragungen qualifizierten Angehörigen der Brigata Marina San Marco zusammen.

In dieser Phase verändern sich die Handlungsmöglichkeiten des Teilnehmers mehrfach. Während der Bewegung muss er sein Weiterkommen sichern; unter Bewachung muss er mit körperlicher und psychischer Belastung sowie Befragung umgehen. Nach einer Flucht folgt wieder die Aufgabe, sich im Gelände zu bewegen und für die Aufnahme bereitzuhalten. Die Gefangenschaftsphase steht damit zwischen zwei Feldaufgaben, deren Bedingungen sie durch Erschöpfung und den zeitweiligen Verlust eigener Bewegungsfreiheit verändert.

Ort, Identität und Aufnahme verbinden

Im Heeresmodell führt der Bewegungsplan zu räumlich bestimmten Kontaktpunkten. Die Teilnehmer üben dort den Kontakt mit Übungspersonal in der Rolle eigener Kräfte. Anschließend bereiten sie sich darauf vor, von einer zugeteilten luftbeweglichen Rückführungsgruppe lokalisiert und erkannt zu werden. Für die isolierte Person müssen die eigene Route und der Kontaktpunkt zusammenpassen: Ein erreichter Geländepunkt hilft bei der Rückführung erst, wenn er für die andere Seite eindeutig zuzuordnen ist.

Das italienische Personnel-Recovery-Modell verbindet bei Locate die genaue Ortsbestimmung mit der Prüfung der Identität, Authentifizierung, Erkennung und ersten Anweisungen. Die Person muss deshalb ihren tatsächlichen Aufenthaltsort mitteilen und nachweisen, dass sie zu dem gesuchten Personal gehört. Die Ortsangabe zeigt den Kräften, wohin sie sich bewegen sollen; die Authentifizierung klärt, ob sie tatsächlich die gesuchte Person vor sich haben. Der Teilnehmer wendet das eingeübte Identifizierungsverfahren an und richtet seine weitere Bewegung nach den ersten Aufnahmeinstruktionen aus.

Im War-Path-Szenario waren Eurofighter an Authentifizierung und Überwachung des Aufnahmeraums beteiligt; ein HH-139 brachte die Fucilieri als Rückführungsteam. Auch die abschließende Luftwaffen-SERE-Phase kann mit einem HH-139 zusammengeführt werden. Solche Lagen setzen zugeteilte Kräfte, ein nutzbares Kontaktmittel und einen gemeinsamen Plan voraus. Bis ein tatsächlicher Kontakt hergestellt und die Aufnahme abgestimmt ist, bleiben Schutz, Versorgung und die Einteilung der eigenen Bewegung Aufgaben des isolierten Personals.