Ausbildung weltweit · Neuseeland

SERE und militärisches Überleben in Neuseeland

Wie neuseeländische Luftfahrzeugbesatzungen und Spezialkräfte mit begrenzten Mitteln überleben, dem Gegner ausweichen und ihre nationalen Pflichten in Gefangenschaft erfüllen.

Survival-Übung der New Zealand Defence Force bei Muriwai.
Survival-Übung der New Zealand Defence Force bei Muriwai.

Die neuseeländische SERE-Ausbildung – Survival, Evasion, Resistance and Escape – verbindet die Vorbereitung auf eine Notlage mit dem Verhalten während militärischer Isolation: am Leben bleiben, dem Gegner ausweichen, Gefangenschaft überstehen und wieder zu eigenen Kräften gelangen. Für Luftfahrzeugbesatzungen gehören Busch, Küste und See zu den Ausbildungsumgebungen. Im New Zealand Special Air Service (NZSAS) führt ein Ausbildungsweg von Survival-Verfahren über eine verfolgte Patrouillenbewegung zu Conduct After Capture. Dazu kommen auf bestimmte Aufgaben zugeschnittene Kälteausbildung und der Umgang mit tatsächlich mitgeführter Überlebensausrüstung.

Aircrew Survival: von der Notlage zur eigenen Versorgung

Bei Piloten der Royal New Zealand Air Force (RNZAF) liegt Survival vor der eigentlichen fliegerischen Ausbildung. Theorie und Praxis behandeln das Überleben im Busch, an der Küste und auf See. Die daneben absolvierten Fallschirm- und flugmedizinischen Anteile gehören zum weiteren Vorbereitungspaket. Im Ausbildungsweg der Flight Stewards ist ein zweiwöchiger SERE-Anteil Bestandteil des Combined Non-Commissioned Officer Aircrew Course; Aviation Medicine und die weitere allgemeine Besatzungsausbildung sind eigene Anteile. Helicopter Loadmasters durchlaufen ebenfalls praktische See- und Buschausbildung und halten anschließend unter anderem ihre Fertigkeiten im Unterwasserausstieg, in Erster Hilfe und in Rettungstechniken aufrecht.

Welche eigenen Aufgaben daraus entstehen, zeigt die rollenbezogene Ausbildung der Seasprite-Besatzungen. Mit einem Einpersonen-Rettungsfloß muss jeder Teilnehmer umgehen und es als Schutzraum einrichten können. Beim Mehrpersonenfloß gehören das Bedienen, Einsammeln der Überlebensausrüstung, Einsteigen und Aufbauen des Daches zur Aufgabe. Das aufgebaute Dach schafft einen überdachten Schutzplatz für die Insassen.

Weitere Aufgaben sind das Zusammenfinden mit anderen Überlebenden und die Verwendung eines Personal Locator Beacon zur Positionsmeldung. Eine funktionsfähige, aktivierte Bake und der Empfang ihres Alarms sind die Voraussetzungen dafür, dass die Suchorganisation die ausgesandten Informationen zur Ortung nutzen kann. Die Besatzung muss sich bis zur tatsächlichen Aufnahme weiter selbst schützen.

NZSAS: Survival-Verfahren unter Verfolgungsdruck anwenden

Im NZSAS-Ausbildungsweg steht SERE Mod-A für die Vermittlung von Survival-Techniken und Verfahren. Dazu gehören Kälte-Survival, Wettervorhersage und eine Einführung in Flussquerungen. Mod-B stellt die anschließende Evasion-Aufgabe: Patrouillen bewegen sich durch vorgegebene Treffpunkte, während eine Hunter Force ihre Bewegungen verfolgt oder Wege zu sperren versucht. An den Treffpunkten begegnen sie Rollenakteuren des Szenarios. Nach dem Durchlaufen dieser Aufgabe folgt ein Conduct-After-Capture-Anteil. Mod-A und Mod-B bezeichnen hier Teile dieses Ausbildungsweges, keine nationalen Entsprechungen der internationalen SERE-Level A und B.

Eine von der Hunter Force blockierte Passage kann einen Umweg zum Treffpunkt erzwingen. Ein längerer Weg kostet Zeit und Kraft und verlängert den Aufenthalt in der Kälte. Wetterentwicklung und Zustand der Teilnehmer beeinflussen, ob ein weiterer Wegabschnitt noch bewältigt werden kann. Ein ungeschützter Ruhepunkt verlängert die Kältebelastung, während eine verletzte Person das Bewegungstempo der ganzen Patrouille begrenzen kann.

In dieser Evasion-Aufgabe ist der Kälteschutz bewusst begrenzt; zuvor vermittelte Survival-Fähigkeiten sollen die Lücke teilweise auffangen. Zu enges Schuhwerk kann die Durchblutung beeinträchtigen. Treffen dazu ungeeignete Socken und frostige Bedingungen, steigt die Gefahr einer Erfrierung und damit des Verlustes der Gehfähigkeit. Beim eigenen Schuhwerk zählt folglich die Passform mit den tatsächlich getragenen Socken, nicht nur die Bezeichnung als Kälteschutzstiefel. Eine Patrouille muss körperliche Schäden rechtzeitig in ihre weitere Bewegung einbeziehen.

Conduct After Capture: Informationen und Mitgefangene schützen

Conduct After Capture, das Verhalten nach Gefangennahme, ist eine streitkräfteübergreifende Fähigkeit der New Zealand Defence Force (NZDF) für Personen, die im Einsatz einer Gefangennahme, Befragung oder gegnerischen Ausnutzung ausgesetzt sein können. Ein Gefangener zeigt auf Verlangen seinen Dienstausweis und nennt Name, Dienstgrad, Geburtsdatum und Dienstnummer. Weitere Informationen muss er nicht geben; Versuchen, zusätzliche Angaben zu erhalten, soll er nach seinen Möglichkeiten so lange wie möglich widerstehen. Das trennt die Feststellung seiner Identität von der Preisgabe weiterer Informationen.

Mündliche oder schriftliche Aussagen, die Neuseeland und seinen Verbündeten schaden, sind untersagt. Gefangene dürfen auch nicht versprechen, auf Flucht oder eine erneute Teilnahme an den Kämpfen zu verzichten, um Erleichterungen zu erhalten. Ein solches Versprechen würde dem Gegner erlauben, Bewachungskräfte für andere Aufgaben freizumachen. Gefangene NZDF-Angehörige müssen versuchen, zu entkommen und wieder zur NZDF zu gelangen.

In einer Gefangenengruppe bleiben die Angehörigen der NZDF an ihre Disziplin und die Befehle ihrer Vorgesetzten gebunden. Sie dürfen Mitgefangenen keinen Nachteil zufügen, um selbst bevorzugt behandelt zu werden, und den Gegner nicht unterstützen. Behauptet ein Bewacher, Neuseeland habe dem Entzug der Rechte seiner Gefangenen zugestimmt, ist dies als Täuschung zu behandeln.

Gefangenschaft im internationalen bewaffneten Konflikt und Geiselnahme verlangen eine unterschiedliche Lagebeurteilung. Bei Kriegsgefangenschaft besteht der Anspruch auf den entsprechenden Status und dessen Schutz. In anderen Gefangennahmesituationen bleibt der Anspruch auf humane Behandlung bestehen. Eine Geiselnehmergruppe hat mit der Geiselnahme bereits gegen das Recht verstoßen; ihr Verhalten lässt sich daher nicht wie die geregelte Verwaltung eines Kriegsgefangenenlagers voraussetzen. Auch hier gilt die Pflicht, Mitgeiseln nicht für eine eigene Vorzugsbehandlung zu schädigen. Die NZDF kann für diese Lage besondere Verhaltensbefehle erteilen.

Kälteausbildung: Schutz bauen, Wasser gewinnen und sich bewegen

Für RNZAF-Besatzungen und ausgewählte weitere NZDF-Angehörige ergänzt Kälteausbildung die Vorbereitung auf Isolation. Besatzungen, die für entsprechende Aufgaben ein Personal Survival Pack mitführen, arbeiten zunächst mit dessen Inhalt. Zum Ablauf gehören das Aufstellen des Minaret-Zeltes, ein zusätzlicher Windschutz aus Schneeblöcken und anschließend selbst hergestellte Schneeunterkünfte wie Höhlen oder Gräben. Teilnehmer übernachten darin.

Mit einem Kocher schmelzen die Teilnehmer Schnee, kochen das gewonnene Wasser ab und bereiten ihre Rationen zu. Zugleich üben sie stabile Bewegung an Hängen, mit getretenen oder mit dem Eispickel angelegten Stufen, und das Stoppen eines Sturzes. Bei der Wegwahl in Lawinengelände beurteilen sie Stabilität und Belastung der Schneedecke, Hangneigung und Wetter. Gletscher und Spalten erzeugen weitere Bewegungsgefahren. Ein kurzer Weg zu Wasser oder einem Schutzplatz kann damit eine größere Gefahr schaffen als der längere Weg durch geeignetes Gelände.

Signalisierung und Versorgung während der Isolation

Ein Besatzungs-Refresher verbindet den Umgang mit PRC-112G-Überlebensfunkgeräten mit einer Versorgungsaufgabe: Die Teilnehmer sollen anhand übermittelter Koordinaten eine abgeworfene Ladung mit Nahrung und Erste-Hilfe-Material zwischen Bäumen finden. Dazu müssen das Gerät betriebsfähig, die Nachricht empfangen und die Ladung im Gelände verfügbar sein. Die Teilnehmer bedienen das Gerät, übernehmen die Ortsangabe und suchen die Ladung. Eine solche Versorgung unterstützt die Person während der Isolation; für ihre anschließende Aufnahme müssen entsprechende Kräfte und Transportmittel verfügbar sein.

In der Kälteausbildung werden Signalmittel mit drei Aufgaben eingesetzt: Aufmerksamkeit gewinnen, die Aufmerksamkeit halten und Suchkräfte an den genauen Aufenthaltsort heranführen. Eine weithin sichtbare Markierung kann einen Suchbereich anzeigen, während die genaue Lage einer Person im Gelände weiterhin erkannt werden muss. Unter gegnerischer Bedrohung wird dieselbe Sichtbarkeit zum Entdeckungsrisiko. Die Person muss abwägen, wen das Signal erreichen kann und welche Kräfte tatsächlich eine Aufnahme ermöglichen. Wie Ortung, Unterstützung und Rückführung innerhalb einer Operation zusammenwirken, erklärt der Fachartikel zu Personnel Recovery.