
Österreichisches SERE bereitet Soldaten darauf vor, nach der Trennung von eigenen Kräften im feindlichen Umfeld zu überleben, einer Gefangennahme auszuweichen und an ihrer Rückholung mitzuwirken. Luftfahrzeugbesatzungen müssen nach einer Notlandung mit dem auskommen, was sie aus dem Fluggerät mitnehmen können. Für das Jagdkommando gehört auch der Einsatz hinter gegnerischen Linien ohne Anschlussversorgung zur möglichen Ausgangslage. Gefangenschaft und Geiselhaft bilden deshalb einen eigenen Ausbildungsgegenstand.
Im österreichischen Stufenmodell steht SERE für Survival, Evasion, Resistance und Extraction: Überleben, Ausweichen, Widerstand und Rückholung. Die Pilotenvorbereitung umfasst daneben die Nutzung von Fluchtmöglichkeiten aus Gefangenschaft. Wer nach der Flucht weiterhin von eigenen Kräften getrennt ist, muss Schutz, Versorgung und unentdeckte Bewegung wieder selbst organisieren. Bei der Extraction geht es um das Zusammenwirken mit den Kräften, die die Person aufnehmen und zurückbringen.
Stufen und zusammenhängende Aufgaben
Welche Vorbereitung erforderlich ist, richtet sich im Bundesheer nach Einsatzraum, Funktion und Waffengattung. SERE ist in unterschiedlichen Stufen in die Laufbahnausbildung der Luftstreitkräfte und des Jagdkommandos eingebunden. Das österreichische Qualifikationsmodell verbindet die Stufen folgendermaßen:
| Stufe | Inhalt und Aufgabe |
|---|---|
| A | Theoretische Grundlagen zu den besonderen Gefahren einer Isolation. |
| B | Bei mittlerem Isolationsrisiko, „Medium Risk of Isolation“: Theorie und praktische Überlebensfertigkeiten, Vorbereitung auf Kriegsgefangenschaft oder Geiselhaft sowie Verhalten bei der Wiederaufnahme durch eigene Spezialkräfte. |
| C | Zusätzlich eine durchgehende simulierte Überlebenslage von mindestens 72 Stunden. Diese Angabe betrifft die Lagephase, nicht die Gesamtdauer des Lehrgangs. |
Die praktische B-Ausbildung kann bereits mehrere Aufgaben miteinander verbinden: Mit einer bewusst knappen Packordnung werden Witterungsschutz, Wasserbeschaffung und -aufbereitung, Bewegung bei Tag und Nacht, Selbst- und Kameradenhilfe sowie Maßnahmen zum Verschleiern eigener Spuren bearbeitet. Wer einen Schutzplatz errichtet, muss dafür dieselben begrenzten Mittel einsetzen, die später auf dem Marsch gebraucht werden. Ein erschöpfter oder verletzter Kamerad verändert die Bewegungsmöglichkeiten der Gruppe; Hilfe und Versorgung gehören deshalb zur eigenen Aufgabe.
In der durchgehenden C-Lage müssen die Teilnehmer diese Aufgaben über mehrere Tage bewältigen. Ein Wasservorrat muss auch für die nächste Bewegung verfügbar bleiben, der Witterungsschutz für die nächste Ruhephase, die eigene Kraft für den weiteren Weg. Eine Entscheidung zum Verbrauch oder zur Weiterbewegung wirkt in die folgende Phase hinein. Die Teilnehmer müssen fortlaufend für Schutz und Versorgung sorgen, um handlungsfähig zu bleiben.
Vom ersten Verbergen zur eigenen Bewegung
Für einen Piloten beginnt Evasion nach der Landung in unsicherem Gebiet mit einer kurzen Folge: wichtige Ausrüstung mitnehmen, sich rasch vom Fluggerät entfernen und einen geschützten Ort aufsuchen. Das Fluggerät bindet die gegnerische Suche zunächst an einen auffälligen Ausgangspunkt. Die Person muss sich davon lösen, ohne die Mittel für Schutz, Versorgung und spätere Signalisierung zurückzulassen.
Am geschützten Ort hängt die nächste Bewegung an der verbliebenen Ausstattung und der eigenen Lage: Wie lange reicht das Wasser, welcher Schutz ist gegen Kälte oder Hitze möglich, und kann der nächste Abschnitt mit dem eigenen körperlichen Zustand bewältigt werden? Wasserbeschaffung kann einen zusätzlichen Weg verlangen; fehlender Witterungsschutz kann eine längere Ruhe am bisherigen Ort gefährlich machen. Die Pilotenausbildung verbindet deshalb das Verbergen mit Versorgung, Geländebewegung, Verhalten bei Nacht und Gefahrenvermeidung. Ein Versteck erfüllt seinen Zweck nur so lange, wie die Person darin handlungsfähig bleiben kann.
Eine konkrete österreichische B-/PR-Aufgabe führt bei Dunkelheit von Sammelpunkt zu Sammelpunkt. Dabei müssen Teilnehmer Verfolgern ausweichen und die Aufnahme durch eigene Kräfte mit einem vorher vereinbarten Signal herstellen. Damit kennen die Teilnehmer das nächste Bewegungsziel und das Zeichen für die spätere Kontaktaufnahme. Das Signal ist für den vorgesehenen Empfänger bestimmt. Unter gegnerischer Bedrohung muss die Person weiterhin Verbergen und Spurenvermeidung mit der Möglichkeit verbinden, eigene Kräfte gezielt auf sich aufmerksam zu machen.
Informationsschutz, Ausnutzung und Gefangenengruppe
Für österreichische Soldaten gehören Verschwiegenheit und der Beistand für Kameraden in Not und Gefahr zum militärischen Verhaltensrahmen. Bei einer Befragung muss die eigene Identität von Informationen über Auftrag und Kameraden getrennt bleiben. In Kriegsgefangenschaft umfasst die Pflicht zur Identitätsangabe Name, Vorname, Dienstgrad, Geburtsdatum und die Matrikelnummer beziehungsweise eine gleichwertige Angabe. Fragen nach Einsatzabläufen, Fähigkeiten oder anderen Personen gehen über diese Identitätsfeststellung hinaus.
Auch die Gruppe bleibt eine eigene Verantwortung. Kameraden sollen vor unnötiger Gefährdung bewahrt und in Not unterstützt werden. Informationen über einen anderen Gefangenen können ihn zum Ziel weiterer Befragung machen. Eigene Erschöpfung hebt diese Schutzaufgabe nicht auf; Widerstand betrifft damit auch die Frage, was eine Aussage für andere Menschen bewirkt.
Eine zusätzliche österreichische Ausprägung ist die zivile Geiselvorbereitung durch das Jagdkommando für Journalisten, Fotografen und Kameraleute. Dort wird die Offenlegung persönlicher und einsatzbezogener Informationen begrenzt; harmlose wahre Angaben sollen den Gesprächsraum eng halten, statt eine erfundene Geschichte verteidigen zu müssen. Beobachtet werden Hierarchie und Reizbarkeit der Bewacher sowie Möglichkeiten, um Wasser oder andere Bedürfnisse zu bitten. Die so gewonnene Zeit hilft, die Haftlage besser zu verstehen und den eigenen Handlungsspielraum zu erhalten.
Zu dieser Vorbereitung gehört das Erkennen verschiedener Ausnutzungsziele. Befragungen sollen Informationen erschließen; erzwungene Videoaussagen oder falsche Geständnisse sollen eine verwertbare Darstellung des Gefangenen erzeugen. Im zivilen Seminar werden diese Situationen praktisch erfahrbar gemacht. Außerdem werden das Merken von Beobachtungen, die Anpassung an Veränderungen und die mentale Unterstützung schwächerer Mitgefangener behandelt. Eine Flucht braucht eine tatsächliche Aussicht auf Erfolg. Diese zivile Geiselvorbereitung hat einen anderen Personenstatus als die militärische Kriegsgefangenschaft.
Luftfahrzeugbesatzungen im Hochgebirge
Die alpine Überlebensgrundausbildung verbindet einen Sommergrundkurs beim Jagdkommando mit Sommer- und Winterausbildung im Hochgebirge. Im zweiwöchigen Wintermodell werden zuerst Schneeschuhbewegung, alpine Gefahren, Erste Hilfe, Schneeunterkünfte, Wassergewinnung und Nahrungszubereitung mit einem Benzinkocher bearbeitet. Anschließend nutzen die Teilnehmer ihre vorhandene Notausrüstung in einer durchgehenden simulierten Notsituation über drei Tage und zwei Nächte. Ein Schneebiwak nutzt die umgebende Schneedecke als schützende Umhüllung gegen die äußere Kälte.
Die Überlebensrucksäcke des beschriebenen Gebirgsflugmodells sind für zwei Besatzungsmitglieder und einen Versorgungszeitraum von bis zu 72 Stunden ausgelegt. Die Besatzung muss diese Mittel für Schutz und Versorgung einteilen. Dieser Zeitraum ist eine Planungsgröße für die Ausrüstung; Wetter, Verletzungen und die tatsächliche Zugänglichkeit bestimmen, wann eine Aufnahme möglich wird.
Im Sommergebirge ohne gegnerische Bedrohung entscheidet der Kommandant, ob die Besatzung beim Luftfahrzeug bleibt oder in eine sicherere Position absteigt. Wetter, Gelände, Verletzte und die Aufnahmeaussichten bestimmen den Weg. Wasser wird vor einer Weiterbewegung aufbereitet und in vorhandene Behälter gefüllt. Der zusätzliche Vorrat erhöht die Traglast, versorgt aber den nächsten Abschnitt ohne unmittelbaren Zugang zu einer Wasserstelle. Pausen und knappe Nahrung werden eingeteilt; verletzte Personen müssen versorgt und gegebenenfalls behelfsmäßig weitertransportiert werden. Gletscherspalten, Steinschlag und Wetterumschwünge können eine sonst günstig erscheinende Route unbrauchbar machen.
Die eigene Mitwirkung bei der Rückholung
Die Rückholungsvorbereitung beginnt mit persönlicher Notfallplanung und der Abrede für die Aufnahme. In der österreichischen B-/PR-Aufgabe werden Sammelpunkte und das vorher vereinbarte Signal praktisch zusammengeführt. Für die isolierte Person bedeutet das: die vorhandenen Signalmittel mitnehmen und erhalten, den vorgesehenen Kontaktpunkt erreichen und das vereinbarte Zeichen gegenüber den eigenen Kräften verwenden. Verbergen, Weiterbewegung und Kontaktaufnahme müssen dabei auf dasselbe Ziel hinarbeiten.
Ist eine Verbindung tatsächlich hergestellt, dient sie der Identitätsbestätigung und der Weitergabe von Aufnahmeanweisungen. Die Person muss die verlangten Identitätsangaben liefern und ihr weiteres Verhalten mit diesen Anweisungen abstimmen. Der konkrete Aufnahmepunkt und der Zugang der eingesetzten Kräfte bestimmen die letzte Bewegung. In Österreich können Jagdkommandokräfte die Person erreichen und sichern; der Abtransport ist auf dem Luft- oder Bodenweg möglich. Dafür braucht es verfügbare Kräfte, einen erreichbaren Ort und Mittel, die zur Bedrohung passen.
Bei der alpinen Aufnahme ohne gegnerische Bedrohung dient die Signalisierung vor allem dem Auffinden: Wenn die eigenen Hubschrauber herankommen, richten Signalspiegel und die orange Seite einer Wendejacke ihre Aufmerksamkeit auf die Besatzung. Die anschließende Aufnahme erfolgt mit der Seilwinde. Die auffällige Fläche erleichtert hier das Finden. Im feindlichen Umfeld muss die Person die vorher abgestimmte Kontaktaufnahme mit der fortbestehenden Aufgabe vereinbaren, dem Gegner verborgen zu bleiben.
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