Ausbildung weltweit · Polen

SERE-Ausbildung und Personenrückführung in Polen

Polnische SERE-Ausbildung mit eigenen Aufgaben bei Evasion, Gefangenschaft und Rückführung sowie konkreten Winter- und Besatzungsbeispielen.

Ein US-Rollenspieler führt zwei polnische Übungsteilnehmer mit verbundenen Augen an den Schultern über einen Weg
Ein US-Soldat in der Rolle eines Bewachers führt zwei polnische Teilnehmer mit verbundenen Augen vom Fahrzeug zum Übungsgebäude. SERE-Ausbildung in Wędrzyn, Polen, 2015.

Polnische SERE-Ausbildung bereitet Soldaten darauf vor, nach der Trennung von ihrer Einheit im feindlichen Umfeld weiter handlungsfähig zu bleiben: sich versorgen, Gefangennahme vermeiden, gegnerischer Ausnutzung widerstehen und an der eigenen Rückführung mitwirken. Das betrifft etwa eine abgeschnittene Gruppe ebenso wie eine Luftfahrzeugbesatzung nach einem Notausstieg. Hinter den polnischen Begriffen przetrwanie, unikanie und przeciwdziałanie wykorzystaniu stehen Überleben, Ausweichen und das Verhindern gegnerischer Ausnutzung. Für das letzte E werden sowohl Escape als auch Extraction verwendet: Entkommen und Aufnahme durch eigene Kräfte sind unterschiedliche Aufgaben.

A, B und C: vom Grundverständnis zur Gefangenschaftsvorbereitung

Das polnische Stufenmodell verbindet die Vorbereitung mit dem Isolationsrisiko. A vermittelt die theoretische Grundlage. B führt zu praktischen Aufgaben unter eingeschränkter Versorgung; zu den Teilnehmern gehören Angehörige, die sich auf einen Auslandseinsatz vorbereiten. C richtet sich an besonders gefährdetes Personal, darunter Luftfahrzeugbesatzungen, Spezialkräfte und angehende SERE-Instruktoren. A und B werden weitgehend in den Einheiten durchgeführt, während spezialisierte Ausbildungsstellen die fortgeschrittene Ausbildung übernehmen.

StufeEigene AufgabeAusbildungsform
A – podstawowyIsolation, Überlebensbedarf, Gefangennahme und Rückführung verstehen.Theoretische Einführung als Grundlage; im Risikomodell dem niedrigen Risiko zugeordnet.
B – średniozaawansowanyMit begrenzten Mitteln einen Ausweichplan ausführen, Entdeckung vermeiden und Kontakt vorbereiten.Theorie und praktische Feldphase für mittleres Risiko.
C – zaawansowanyVersorgung, Informationsschutz und eigenes Verhalten auch bei Erschöpfung und nach Gefangennahme bewältigen.Fortgeschrittene Feldaufgaben und kontrollierte Gefangenschaftsszenarien für hohes Risiko.

Ausweichplan, Bewegung und Ruhe unter Bedrohung

Im B-Lehrgang der 25. Luftkavalleriebrigade wird ein EPA, ein Evasion Plan of Action, vorbereitet und anschließend im Gelände umgesetzt. Die Gruppen müssen innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens festgelegte Punkte erreichen, sich vor Suchkräften verbergen und bis zur Aufnahme durch eigene Kräfte ausreichend leistungsfähig bleiben. Eine falsche Abzweigung verlängert den Weg und kostet zusätzlich Wasser, Zeit und Kraft. Die Route muss deshalb unterwegs überprüft werden, bevor aus einem Navigationsfehler eine Erschöpfungslage wird.

Die kleine Gruppe verteilt dafür konkrete Aufgaben. Ein Leiter kontrolliert, ob alle notwendigen Tätigkeiten erledigt sind und beim Abmarsch nichts Auffälliges zurückbleibt. Zwei Personen prüfen die Route mit unterschiedlichen Orientierungsmitteln. Eine Person übernimmt die Verbindung, eine weitere die Beobachtung und Warnung vor herankommenden Suchkräften. In diesem Modell werden bewusst auch einander unbekannte Soldaten zusammengebracht. Die Gruppe muss zuerst klären, wer welche Aufgabe übernimmt. Allein kann eine Person diese Tätigkeiten nur nacheinander ausführen: Während sie sich mit Ortsbestimmung oder Funk beschäftigt, fehlt ihr diese Aufmerksamkeit für die Umgebung.

Eine Feldphase der 17. Mechanisierten Brigade und der 10. Logistikbrigade konkretisiert die Wegwahl: Öffentliche Straßen, Bebauung und besonders gefährliche Bereiche sind ausgeschlossen; auch Unbeteiligte sollen die Gruppe nicht bemerken. Nachts bleiben Licht und Gespräche aus. Das verändert die Bewegung, weil ein bequem erreichbarer Weg oder ein kurzer Durchgang durch eine Ortschaft die Gruppe zugleich sichtbar machen kann. Bei der Rast gehört die Beobachtung weiter zur Aufgabe. Im B-Modell muss eine Gruppe bei der Warnung vor Suchkräften den Halt leise abbrechen und weiterziehen. Nach der Übernachtung werden die provisorischen Unterkünfte zurückgebaut und Spuren des Aufenthalts verringert.

Versorgung bleibt dabei Eigenarbeit. Weniger mitgetragenes Wasser verringert die Last, macht aber zusätzliche Beschaffung auf der Route nötig. Eine knappe Ration verlangt, verbleibende Vorräte, mögliche Versorgung und die noch zurückzulegende Strecke gemeinsam zu betrachten. Nässe, dichtes Gelände und Irrwege erhöhen den Aufwand. Der Zweck eines Ruhepunkts ist, wieder bewegungsfähig zu werden; langes Einrichten bindet dagegen Zeit und hinterlässt weitere Spuren.

Gefangenschaft: Informationsschutz und Erhalt der Gruppe

Die fortgeschrittene Ausbildung erweitert diese Feldaufgabe um den Verlust der eigenen Bewegungsfreiheit. In einem SERE-Modell der Spezialkräfteeinheit Agat folgt auf die Bewegung im Gebirge eine simulierte Gefangennahme. Die Person kommt bereits erschöpft in die nächste Lage. In Gefangenschaft muss sie nun für ihr Überleben sorgen und gleichzeitig den Zugriff des Gegners auf militärisch verwertbare Informationen begrenzen.

Bei den Befragungen stehen Auftrag, Einheit und Vorgesetzte im Mittelpunkt. Der Wechsel zwischen bedrohlichem und freundlich wirkendem Verhalten soll die Gefangenen verunsichern und zum Reden bewegen. Auch die Aussicht auf Wärme, Ruhe oder zusätzliche Versorgung kann diesen Druck verstärken. Die eigene Aufgabe besteht darin, hinter der freundlichen Behandlung weiterhin das Interesse des Gewahrsamsinhabers zu erkennen und Angaben über den Auftrag und andere Soldaten als schutzbedürftige Informationen zu behandeln.

Daneben bleiben sehr konkrete Handlungen möglich: angebotenes Wasser trinken, Nahrung aufnehmen, eine Decke annehmen und nach einer weiteren für Mitgefangene fragen. Diese Versorgung dient dem Erhalt körperlicher Kräfte; sie ist kein Anlass, militärische Informationen als Gegenleistung anzubieten. Das Agat-Modell bearbeitet auch den Druck, der entsteht, wenn ein Kamerad Folgen der eigenen Reaktion tragen muss. Die Verantwortung für die Gruppe reicht deshalb über die eigene Befragung hinaus: Bedürfnisse anderer wahrnehmen und bei einer erreichbaren Versorgungsmöglichkeit auch für sie eintreten.

Ein eigener Grund, weiterzumachen

Zur psychologischen Vorbereitung gehört, schon vor der Isolation einen persönlichen Grund zum Weitermachen zu benennen: die Familie, einen noch zu erfüllenden Auftrag oder das Überleben mitgefangener Kameraden. Dieser Grund kann die Person dazu bewegen, trotz Erschöpfung Versorgung anzunehmen oder sich weiter um andere zu kümmern. In kontrollierten Gefangenschaftsübungen beobachten Psychologen die Reaktionen von Teilnehmern und Instruktoren und können den Ablauf begrenzen.

Winteraufgaben und tatsächlich vorhandene Ausrüstung

Polnische SERE-Instruktoren üben im winterlichen Gebirge die Bewegung mit ausgegebenen und improvisierten Schneeschuhen, das Lesen und Verschleiern von Spuren im Schnee sowie Signalisierung. Schneeschuhe verteilen die Last auf eine größere Fläche und vermindern das Einsinken; der zurückgelegte Weg hinterlässt trotzdem eine erkennbare Veränderung im Schnee. Mobilität und Spurensignatur müssen daher gemeinsam betrachtet werden. Als weiteres Thema wird die Lage nach dem Einbrechen durch eine Eisdecke behandelt: Die bisherige Bewegungsaufgabe kann innerhalb von Sekunden zu einem Kälte- und Überlebensproblem werden.

Für Luftfahrzeugbesatzungen besteht eine polnische Ausbildungsempfehlung darin, die SERE-Aufgaben mit der ausgegebenen Fluguniform und der tatsächlich für den Flug vorgesehenen Ausrüstung durchzuführen. Dabei zeigt sich, was mit den verfügbaren Mitteln möglich ist: Welche Kleidung schützt, welche Ausrüstung lässt sich weiter nutzen, und welche Handlung ist damit überhaupt möglich? Wer im Lehrgang zusätzliches Material voraussetzt, trainiert eine andere Ausgangslage als nach dem Notausstieg. Der Einsatz der tatsächlichen Ausrüstung bindet Versorgung und Bewegung an das, was die Besatzung mit sich führt.

Ort melden, Identität bestätigen, Aufnahme ermöglichen

Polnische Rückführungsvorbereitung verbindet das möglicherweise isolierte Personal mit Führung und Rückführungskräften schon vor dem Einsatz. Vorbereitete Angaben zur Person und zu ihrem beabsichtigten Verhalten helfen der Führung, die Suche zu planen. Im B-Modell werden vor dem Einsatz Fragebögen sowie vereinbarte Abfragen und Antworten vorbereitet; am Ende der Feldphase müssen die Soldaten damit ihre Identität bestätigen. Ein Ausweichplan beschreibt beabsichtigtes Handeln, die Identitätsdaten helfen beim Prüfen der Person, die später Kontakt aufnimmt.

Bei einer Luftfahrzeugbesatzung mit funktionsfähigem Rettungsfunkgerät kann die eigene Handlung darin bestehen, über eine tatsächlich zustande gekommene Verbindung die Position zu übermitteln. Im B-Gruppenmodell erfolgen Meldungen zu geeigneten Zeitpunkten, weil dauernde Funkverbindung die Ortung durch den Gegner erleichtern kann.

Zum B-Training gehören auch Signalfeuer. Hier erzeugt die Person bewusst ein weithin wahrnehmbares Zeichen; während der verdeckten Bewegung soll sie dagegen unbemerkt bleiben. Das Signal muss deshalb zum vorbereiteten Rückführungsablauf und zu einem möglichen Empfänger passen. Ein sichtbares Feuer kann auch Gegner auf den Aufenthaltsort aufmerksam machen.

Ein bekannter Ort beantwortet noch nicht, wer sich dort befindet. Ein Gegner kann sich als gesuchte Person ausgeben und die Rückführungskräfte in eine Falle locken. Deshalb bleibt die Bestätigung anhand vorbereiteter persönlicher Angaben oder vereinbarter Abfragen eine eigene Aufgabe. Bei einem polnischen Rückführungsübungsszenario wird die noch nicht identifizierte Person zunächst als mögliche Bedrohung behandelt. Sie muss die Anweisungen der Kräfte befolgen und sich vorhersehbar verhalten. Die Identitätsprüfung, eine erforderliche Erstversorgung und die Aufnahme greifen dabei ineinander; Verletzung und räumliche Trennung mehrerer Personen können die Reihenfolge der Aufnahme verändern.

Auch die zurückführende Besatzung kann selbst isoliert werden. Im Ausbildungsmodell der 2. CSAR-Staffel gehören Rettungsfunk, Personnel Recovery und SERE C deshalb zu ihrer Vorbereitung. Für die Aufnahme anderer Personen kommen Seilfertigkeiten und die Zusammenarbeit mit medizinischem Personal hinzu. Die eigene SERE-C-Ausbildung bereitet das Besatzungsmitglied auf den Verlust des Luftfahrzeugs vor; seine Aufnahmefertigkeiten dienen dem Zugang zu den Gesuchten und ihrem Transport, auch wenn sie verletzt sind.