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SERE der Schweizer Luftwaffe: Besatzungen in der Notlage

Wie Schweizer Luftwaffenbesatzungen nach Absturz oder Notlandung Notausrüstung nutzen, sich an Land und im Gebirge schützen und eine Aufnahme aus dem Wasser üben.

U.S.-Marine arbeitet mit einer Schaufel im Innenraum einer im Bau befindlichen Schneeunterkunft
Ein U.S.-Marine gräbt in Norwegen mit einer Schaufel eine Schneeunterkunft.

SERE der Schweizer Luftwaffe bereitet fliegende Besatzungen auf die Lage nach einem Absturz, einem Schleudersitzausstieg oder einer technischen Notlandung vor. Die Besatzung muss mit der verbliebenen Notausrüstung Schutz und Versorgung herstellen, im gegnerischen Gebiet einer Gefangennahme ausweichen und den Übergang zu einer möglichen Rückführung bewältigen. Zu den tatsächlich geübten Aufgaben gehören Landtraining nach einem simulierten Absturz, alpine Notunterkünfte aus Schnee oder einem Rettungsboot sowie Seenottraining mit anschließender Aufnahme durch einen Hubschrauber.

Besatzungen, Notlagen und Fachdienst SERE

Die Ausbildung richtet sich an Luftfahrzeugbesatzungen. Zu den konkreten Teilnehmergruppen gehören angehende Berufsmilitärpiloten sowie Anwärter für die Arbeit als Berufsbordoperateure. Ein Bordoperateur, der normalerweise eine Kamera im Hubschrauber bedient, kann nach einer Notlandung dieselben Schutz- und Versorgungsprobleme haben wie der Pilot.

Der Fachdienst SERE am Flugplatz Emmen verbindet Ausbildungsinhalte, Besatzungsausrüstung und Personnel Recovery, die militärische Personenrückführung. Er wirkt an der Auswahl und Einführung der Ausrüstung mit und führt technische sowie taktische Ausbildung durch. Diese Verbindung ist für die Besatzung praktisch: Geübt wird mit Gegenständen, die für den Notfall am Luftfahrzeug oder am Körper vorgesehen sind, und mit den Aufgaben, die nach dem Verlust des Luftfahrzeugs entstehen. Land, Gebirge und Wasser verlangen dabei unterschiedliche Anwendungen derselben Notausrüstung.

Der Fachdienst löst SERE als Survival, Evasion, Resistance und Extraction auf. Im Schweizer Landtraining erscheint daneben Escape. Survival betrifft den eigenen Schutz und die Versorgung, Evasion das Ausweichen vor gegnerischem Zugriff, Resistance die Gefangenschaft und gegnerische Ausnutzung. Extraction bezeichnet die Herauslösung und Rückführung; Escape das Entkommen. Der Unterschied ist praktisch: Wer aus einer bedrohlichen Lage entkommt, muss anschließend weiter überleben und ausweichen können. Eine Aufnahme durch eigene Kräfte ist ein eigener Vorgang mit anderen Beteiligten und Mitteln.

Landtraining: mit der Notausrüstung überleben

Ein Schweizer Land-Ausbildungsmodell setzt bei der Notausrüstung an, die Besatzungen in Rettungswesten und Notpaketen mitführen. Die Teilnehmer nutzen diese Mittel, um Witterungs- und Kälteschutz herzustellen und Signalmittel vorzubereiten. Weitere Aufgaben betreffen Wasser, Feuer und Nahrung.

Witterungsschutz hat eine unmittelbare Funktion: Er verringert die Belastung durch Wind, Niederschlag und Kälte während eines unfreiwilligen Aufenthalts. Die Person muss mit ihrer verbliebenen Ausrüstung für Wasser und Nahrung sorgen. Dabei muss sie die benötigte Zeit und die dafür nötigen Wege berücksichtigen. Unter gegnerischer Bedrohung kann ein Feuer zugleich Wärme liefern und durch Licht oder Rauch Aufmerksamkeit erzeugen. Der technische Nutzen eines Mittels und seine Erkennbarkeit müssen deshalb gemeinsam beurteilt werden.

Vorbereitete Signalmittel ermöglichen es, sich bei einer tatsächlichen Such- oder Aufnahmegelegenheit gezielt bemerkbar zu machen. Ihre Vorbereitung lässt sich von ihrem Einsatz trennen: Ein Signal soll eine erreichbare eigene Kraft auf die Person aufmerksam machen, kann aber auch von einem Gegner wahrgenommen werden. Die Besatzung muss daher unterscheiden, ob sie gerade Schutz herstellt, Verbindung mit einer eigenen Kraft aufnimmt oder ihren Aufenthaltsort sichtbar macht.

Alpine Notlandung: Schnee und Rettungsboot als Schutzmittel

Im Alpine-Survival-Training von Bordoperateur-Anwärtern beginnt die Aufgabe mit einer Notlandung im alpinen Gelände. Die Teilnehmer üben den Umgang mit ihrer Notausrüstung, bauen Schneehöhlen und Quinchees und verwenden aufblasbare Dingis als Notunterkunft. Damit stehen ihnen verschiedene Möglichkeiten offen: Schutz aus dem Material herstellen, das sie mitführen, oder einen geschützten Raum aus dem vorhandenen Schnee schaffen.

Eine Schneehöhle wird in eine vorhandene Schneemasse gegraben. Beim Quinchee wird zunächst ein Schneehaufen aufgebaut und anschließend ausgehöhlt. Beide Formen schaffen einen gegen die direkte Witterung abgeschirmten Aufenthaltsraum. Der Unterschied betrifft die Arbeit und die örtlichen Voraussetzungen: Für die Höhle muss eine geeignete Schneemasse vorhanden sein; für den Quinchee muss Schnee erst zusammengetragen werden. Der Bau bindet Zeit und körperliche Kraft. Die Person muss diese Arbeit gegen den Schutz abwägen, den sie mit ihrer vorhandenen Ausrüstung bereits herstellen kann.

Das Dingi erhält an Land eine zweite Funktion. Als Rettungsboot soll es eine Person auf dem Wasser tragen; im alpinen Notlandungsszenario dient es als schützende Hülle für den Aufenthalt. Die Umnutzung spart den Bau einer Unterkunft vollständig aus natürlichen Materialien, sofern das Boot vorhanden, erreichbar und verwendbar ist.

Überleben und Ausweichen in einer zusammenhängenden Lage

Angehende Berufsmilitärpiloten durchlaufen beispielsweise eine einwöchige Landübung nach einem simulierten Flugzeug- oder Hubschrauberabsturz. In Feldern und Wäldern verbinden sie Flüchten, Überleben und die Rückkehr zu den eigenen Truppen. Die Übung läuft bei Tag und Nacht; eingesetzte Gegnerdarsteller schaffen eine Bedrohung zusätzlich zur Umwelt. Die Teilnehmer müssen ihre Schutz- und Versorgungsaufgaben somit während einer militärischen Lage lösen und können den Aufenthaltsort nicht nur nach dem bequemsten Wetterschutz auswählen.

Für die isolierte Besatzung entsteht daraus ein konkreter Zielkonflikt. Ein längerer Aufenthalt erleichtert den Ausbau einer Unterkunft, hält die Person aber am selben Ort. Wasserbeschaffung oder Weiterbewegung führen aus einem geschützten Platz heraus. Auffällige Mittel können das Auffinden durch eigene Kräfte erleichtern und zugleich die Entdeckung durch den Gegner begünstigen. Die Landausbildung verbindet deshalb technische Überlebensaufgaben mit taktischem Verhalten, Kommunikation in gegnerischem Gebiet und dem Übergang zu einer Aufnahme.

Gefangenschaft: persönliche Identifizierung und militärische Information

Für einen Kombattanten, der in einem internationalen bewaffneten Konflikt in Kriegsgefangenschaft gerät, besteht im Schweizer Rechtsrahmen eine konkrete Pflicht bei der Befragung: Er gibt Namen und Vornamen, Geburtsdatum, Grad und Matrikelnummer an. Diese Angaben identifizieren die Person. Fragen nach Standort und Stärke von Truppen betreffen dagegen militärische Informationen und reichen über diese persönlichen Pflichtangaben hinaus. Die gefangene Person muss erkennen können, wann aus ihrer Identifizierung eine Befragung über militärische Tätigkeiten wird.

Weitere Fragen dürfen gestellt werden; Antworten dürfen nicht durch Gewalt, Drohungen oder andere Formen des Drucks erzwungen werden. Die Informationsgrenze ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einem Verbot jeder Befragung. Für die gefangene Person trennt sie die vorgeschriebenen Personalangaben von zusätzlichen Angaben über militärische Kräfte. Die SERE-Komponente Resistance betrifft die Bedrohung durch solche gegnerische Ausnutzung; die rechtliche Pflicht zur persönlichen Identifizierung beschreibt dabei eine andere Aufgabe als das vorherige Vermeiden der Gefangennahme.

Seenot: eigene Schutzaufgaben bis zur tatsächlichen Aufnahme

Das Schweizer Seenotmodul umfasst Jet- und Hubschrauberbesatzungen und wird unter anderem bei Forel am Neuenburgersee durchgeführt. Die Teilnehmer üben zunächst einzelne Aufgaben. In einer vollständigen Notfallübung, etwa einem simulierten Hubschrauberabsturz über Wasser, wenden sie diese anschließend gemeinsam an: vom Verlassen des Luftfahrzeugs über das Überleben im Wasser bis zur Aufnahme. Dabei müssen sie ihre verfügbare Notausrüstung über den gesamten Ablauf nutzen können.

Ein konkretes Element ist der Einstieg in das Einpersonen-Dingi von Jetpiloten. Ein kleiner Schwimmkörper kann beim Einstieg kentern; der Umgang mit der eigenen Körperlast ist daher Teil dieser geübten Aufgabe. Kentert das Boot, befindet sich die Person erneut im Wasser und hat den vorgesehenen Schutz noch nicht erreicht.

Eine tatsächlich ausgeführte Sea-Survival-Übung von Bordoperateur-Anwärtern verbindet eine Hover Evacuation aus einem Super Puma in den See mit der anschließenden Windenrettung durch einen Luftwaffenhubschrauber. Die Winde ermöglicht den Transfer vom Wasser in ein schwebendes Luftfahrzeug, ohne dass dieses landen muss. Für diese Aufnahme standen ein einsetzbarer Hubschrauber, seine Besatzung und die Winde als Übungsmittel bereit.

Wiederholung und Vorbereitung auf den Einsatzraum

Nach der Grundausbildung werden Besatzungsmodule wiederholt und aufgefrischt; sie gehören zur fliegerischen Qualifikation. Vor besonderen Einsätzen kommen gezielte Auffrischungen hinzu, die auf die Umgebungsbedingungen und möglichen Notlagen ausgerichtet sind. Der Fachdienst arbeitet dafür mit Land-, Gebirgs-, See-, Dschungel- und Wüstenmodulen im In- und Ausland. Die ausgewählten Module bereiten die Besatzung auf das Umfeld vor, in dem sie nach einem Verlust des Luftfahrzeugs handeln müsste.