Fachwissen · US Navy

SERE-Ausbildung in der US Navy

Wie Navy-SERE gefährdetes Personal auf militärische Isolation vorbereitet: praktische Aufgaben im Feld, Verhalten in Gefangenschaft und die eigene Rolle bei einer möglichen Rückführung.

Navy-SERE-Ausbilder zeigt zugeschnittenes grünes Pflanzenmaterial auf einem Holzstamm
Nahrungsunterricht im Navy-SERE-Kurs: Die Ausbilder demonstrieren am SERE Site West die Bearbeitung von Pflanzenmaterial.

Was Navy-SERE vorbereitet

SERE in der US Navy bereitet gefährdetes Personal darauf vor, nach dem Verlust des Anschlusses an eigene Kräfte handlungsfähig zu bleiben, einer Gefangennahme auszuweichen und bei Gefangenschaft gegnerische Ausnutzung abzuwehren. Dazu gehören praktische Geländeaufgaben und die Vorbereitung auf eine Rückkehr zu eigenen oder befreundeten Kräften. Ein Navy-Angehöriger kann nach einem Luftfahrzeugverlust an Land ebenso isoliert sein wie während eines Einsatzes außerhalb des Schiffs. Deshalb umfasst Navy-SERE Überleben und Bewegung in feindlich beeinflusstem Gelände.

Das Center for Security Forces, CENSECFOR, organisiert unter dem Naval Education and Training Command die einschlägige Code-of-Conduct-Ausbildung. Die beiden Ausbildungsstandorte SERE East und SERE West erfüllen denselben fachlichen Auftrag: hinter gegnerischen Linien überleben, Gefangennahme vermeiden, Ausnutzung widerstehen und Isolation nach Möglichkeit beenden. Der amerikanische Code of Conduct bildet den gemeinsamen Rahmen für das militärische Verhalten in Gefangenschaft. Die praktische Überlebensaufgabe verändert sich mit Gelände und Umwelt.

Teilnehmer und Risikoprofil

Zu den zentralen Risikogruppen zählen fliegende Besatzungen sowie SEALs und Special Warfare Combatant-Craft Crewmen, SWCC, die Besatzungen der Spezialoperationsboote. Bei Luftfahrzeugbesatzungen kann ein Abschuss oder Notausstieg Menschen unvermittelt in gegnerisch kontrolliertes Gebiet bringen. Bei Spezialoperationen können Entfernung, kleine Kräfteansätze und die Aufgabe selbst eine Trennung von eigener Unterstützung begünstigen. Außerdem kann der Gegner von bestimmten Gefangenen besonders verwertbare Informationen über Auftrag, Verfahren oder andere Personen erwarten. Das begründet eine Vorbereitung auf Gefangenschaft zusätzlich zur Fähigkeit, sich im Gelände zu versorgen.

Die konkrete Zuweisung folgt Verwendung, Auftrag, Einsatzraum und Ausnutzungsrisiko. Ein Dienstgrad allein beschreibt diese Lage nicht. Unterstützer von Spezialkräften und Personal anderer Navy-Bereiche können je nach Auftrag zusätzliche Ausbildung benötigen. Navy-SERE bildet auch Angehörige des Marine Corps aus; zum beschriebenen Ausbildungsprogramm gehören außerdem DoD-Zivilpersonal und Auftragnehmer. Für amerikanische Militärangehörige gilt der militärische Code of Conduct. Zivile Teilnehmer benötigen den für ihre Stellung vorgesehenen Verhaltensrahmen. Aus der Teilnahme an derselben Schule entstehen ihnen keine militärischen Befehls- oder Gefangenenführungspflichten.

Grundwissen, gezielte Ergänzung und Level C

Im Navy-Rahmen unterscheiden A, B und C den erforderlichen Ausbildungsumfang. Level A vermittelt die Grundlagen des Verhaltens bei Isolation, die Vorbereitung darauf und den Zusammenhang mit Personnel Recovery. Level B schließt bestimmte Fähigkeitslücken einer Person oder Einheit. Level C umfasst erfahrungsbezogene Ausbildung für Personal mit hohem Isolationsrisiko oder deutlich erhöhtem Risiko gegnerischer Ausnutzung. Die Wahl der Ausbildung folgt der benötigten Fähigkeit und der zu erwartenden Isolationslage.

StufeFachlicher Schwerpunkt im Navy-Rahmen
ACode of Conduct beziehungsweise der passende zivile Verhaltensrahmen, Vorbereitung auf Isolation sowie Grundkenntnisse zu Ausweichen, Signalisierung und Rückführung.
BGezielte Vertiefung eines oder mehrerer Bereiche: Vorbereitung, Überleben, Evasion, Resistance, Beendigung von Gefangenschaft oder Unterstützung der Rückführung. Praktische Anteile richten sich nach der jeweiligen Lücke.
CPraktische und erfahrungsbezogene Vorbereitung auf Isolation und gegnerische Ausnutzung bei hohem Risiko; der Teilnehmer muss Fähigkeiten und Verhalten unter den Bedingungen der Ausbildungsaufgabe einsetzen.

Die Person muss ihre körperliche Handlungsfähigkeit erhalten, sich je nach Lage bewegen oder verborgen halten, einer Gefangennahme ausweichen und eine Rückführung unterstützen. Gerät sie dennoch in Gefangenschaft, ändern sich Mittel und Handlungsspielraum. Informationsschutz, Verhalten gegenüber dem Gewahrsamsinhaber und Verantwortung für Mitgefangene werden dann zu eigenen Aufgaben. Survival und Evasion sollen diese Lage verhindern; Resistance bereitet auf ihre Folgen vor.

Vorbereitung auf die Feldphase

Die persönliche Vorbereitung beginnt mit der medizinischen und psychologischen Eignung für die beaufsichtigte Ausbildung. Teilnehmer legen die geforderten medizinischen und zahnmedizinischen Unterlagen sowie den ausgefüllten Screeningbogen vor. Darin werden unter anderem frühere Hitze- oder Kälteschäden, Verletzungen, Erkrankungen, Medikamente und Zustände erfasst, die durch Belastung verschlimmert werden können. Wer eine solche Einschränkung verschweigt, nimmt den Ausbildern und dem medizinischen Personal Informationen, die für die zulässige Belastung und einen Ausbildungsabbruch gebraucht werden.

Zur Vorbereitung gehören auch die tatsächlich benötigten persönlichen Mittel. Erforderliche Medikamente, einschließlich verordneter Inhalatoren oder Adrenalin-Autoinjektoren, müssen verfügbar sein. Für den Feldanteil verlangt die Schule bei erforderlicher Sehkorrektur eine Brille und untersagt Kontaktlinsen. Solche Anforderungen betreffen die Teilnahme an der kontrollierten Ausbildung. Der Begriff High Risk of Isolation bezeichnet dagegen das Risiko im späteren Auftrag, von eigenen Kräften getrennt oder vom Gegner festgehalten zu werden.

Unterweisung und zusammenhängende Feldaufgabe

In der fachlichen Unterweisung werden Verhalten bei Isolation und Gefangenschaft, Überlebensfertigkeiten und die Unterstützung der eigenen Rückführung verbunden. Im Feld werden daraus konkrete Tätigkeiten. Zu den Navy-Aufgaben gehören Orientierung in unbekanntem Gelände und Feuermachen; in der Feldausbildung von SERE West werden auch das Erkennen und Vorbereiten essbarer Pflanzen sowie der Erhalt der körperlichen Leistungsfähigkeit unter Belastung behandelt. Die praktische Frage lautet, welche Mittel eine getrennte Person tatsächlich besitzt und wie sie damit bis zur nächsten Entscheidung handlungsfähig bleibt.

Nach einer Trennung müssen Verletzungen, verfügbare Ausrüstung und eigener Standort in die Lagebeurteilung eingehen. An einem verdeckten Halt lassen sich diese Aufgaben mit weniger Entdeckungsrisiko bearbeiten als während ungeplanter Bewegung. Danach bestimmen Bedrohung, Gelände und die vorbereitete Evasion-Absicht, ob die Person zunächst verborgen bleibt oder sich weiterbewegt. Eine Bewegung muss ein sinnvolles Ziel haben: einen vorbereiteten Rückführungsraum, eigenes oder befreundetes Gebiet oder einen Ort, der Schutz und weitere Handlungsmöglichkeiten bietet.

Bei der Wegwahl muss die Person neben der Orientierung auch die gegnerische Aktivität berücksichtigen. Eine bequeme Straße kann Bewegung beschleunigen und zugleich gegnerische Fahrzeuge, Beobachter oder Kontrollstellen heranführen. Die Person beobachtet deshalb aus Deckung Hinweise auf menschliche Aktivität, hört auf Fahrzeuge und Stimmen und prüft den nächsten Geländeabschnitt vor dem Verlassen des Schutzes. Sie nutzt natürliche Sichtdeckung, sichert klappernde Ausrüstung und vermeidet unnötige Vegetationsbeschädigung oder zurückgelassene Gegenstände. So verbindet Evasion die räumliche Orientierung mit der Frage, welche Bewegung den Gegner auf die eigene Anwesenheit aufmerksam machen könnte.

Ein Ruhepunkt muss Umweltbelastung vermindern und zugleich Annäherungswege beobachten lassen. Er braucht Möglichkeiten zum Verlassen; eine geschützte Mulde kann bei Wasseranstieg oder fehlendem Ausweg zur Falle werden. Die Person teilt Wasser, Kraft und Ruhe so ein, dass ein weiterer Weg oder eine kurzfristig nötige Ortsveränderung möglich bleibt. Feuer kann Wärme und Wasseraufbereitung ermöglichen, verrät aber durch Licht, Rauch und Geruch menschliche Tätigkeit. Die Entscheidung über Versorgung und Schutz bleibt deshalb Teil der Bedrohungsbeurteilung. Eine verdeckte Position, ausreichende Ruhe und ein vermiedenes Feuer können in einer Lage mehr bewirken als ein aufwendiger Lagerbau.

Gefangenschaft und Resistance

Die fortgeschrittene Navy-Ausbildung verbindet SERE mit dem amerikanischen Code of Conduct. In der Gefangenschaft besteht die Aufgabe darin, gegnerische Ausnutzung zu begrenzen: Informationen über eigene Kräfte und Mitgefangene schützen, die eigene Verwendung für Propaganda abwehren und die Zusammenarbeit innerhalb einer Gefangenengruppe erhalten. Für einen Kriegsgefangenen benennt der Code Name, Dienstgrad, Dienstnummer und Geburtsdatum als persönliche Angaben. Eine Frage nach der Gesundheit oder eine zulässige Mitteilung nach Hause hat einen anderen Zweck als eine Befragung nach Auftrag, Fähigkeiten oder Personal des eigenen Verbands.

Der Gewahrsamsinhaber kann Informationen und Aussagen miteinander verknüpfen. Angaben über Beruf, Einheit oder Kameraden können ihm helfen, besonders interessante Gefangene zu erkennen; eine aufgezeichnete Erklärung kann als Zustimmung oder Propaganda verwendet werden. Die eigene Handlung besteht deshalb darin, weitere Auskünfte und solche Aussagen nach den eigenen Möglichkeiten abzuwehren. Das umfasst auch Sondervorteile, die auf Kosten anderer Gefangener gehen oder an eine Verpflichtung gegenüber dem Gegner gebunden werden sollen.

Innerhalb einer militärischen Gefangenengruppe bleiben Führung und gegenseitige Verantwortung bestehen. Der ranghöchste handlungsfähige Militärangehörige übernimmt die Führung; die anderen unterstützen die rechtmäßigen Entscheidungen. Kranke und Verletzte versorgen, Hygiene erhalten und Informationen über Mitgefangene schützen sind konkrete Beiträge zum gemeinsamen Überleben. Eine mögliche Flucht muss auch berücksichtigen, welche Folgen sie für die zurückbleibenden Gefangenen haben kann.

Zwang kann zu einer Aussage oder anderen Form von Nachgeben führen. Der Verhaltensrahmen verlangt anschließend, den Widerstand gegen weitere Forderungen wieder aufzunehmen und die nächste Auskunft erneut zu begrenzen. Er macht aus einer erzwungenen Aussage keine dauerhafte Verpflichtung zur Zusammenarbeit. Die kontrollierte Resistance-Ausbildung bereitet auf diesen eingeschränkten Handlungsspielraum vor. Psychologische Aufsicht ist dafür ein Bestandteil des Navy-SERE-Programms; sie gehört zur Organisation der Ausbildung ebenso wie die Vorbereitung auf die Rückkehr nach wirklicher Isolation.

Warum HRI, Funkbriefing und Ausbilderausbildung hinzukommen

Die High-Risk-of-Isolation-Einweisung ergänzt die vorgesehene SERE-Ausbildung um den Risikobezug des konkreten Einsatzraums. Gegnertätigkeit, feindliches staatliches Handeln, Umweltbedingungen und Ausrüstungsversagen können die Person auf unterschiedliche Weise von eigenen Kräften trennen. Die Vorbereitung verbindet diese Gefahren mit dem Auftrag und der persönlichen Evasion-Absicht. Für die isolierte Person ist entscheidend, auf welche Risiken sie beim Verlassen eines Ortes, bei möglichen Kontakten und bei der Annäherung an einen Rückführungsraum achten muss. HRI beschreibt das Isolationsrisiko; das Briefing ergänzt A, B oder C.

Für fliegendes Personal kommt die Einweisung an den Mitteln des eigenen Geschwaders hinzu. Vor dem ersten Flug gehören ein geschwaderspezifisches Überlebensfunkbriefing und praktische Gerätearbeit dazu. Unterscheidet sich das Einsatzfunkgerät vom Gerät der bisherigen Ausbildungsumgebung, ist vor dem Einsatz eine passende zusätzliche Einweisung vorgesehen. Der Teilnehmer muss mit dem Gerät arbeiten können, das nach einem Notausstieg tatsächlich an seinem Körper oder in seiner Überlebensausrüstung vorhanden ist. Eine im Lehrgang gelernte Bedienfolge hilft wenig, wenn das Einsatzgerät andere Funktionen oder Bedienelemente besitzt.

Instructor Under Training, IUT, betrifft die angehenden Ausbilder. Ein Weg in die Navy-Feldausbildung verbindet Auswahl, allgemeine Ausbilderausbildung und die SERE-spezifische Ausbildung. Dort müssen Ausbilder Fertigkeiten wie Geländebewegung oder Pflanzenbestimmung vermitteln und die Durchführung unter den festgelegten Ausbildungsbedingungen begleiten. Eine eigene SERE-Teilnahme allein umfasst diese Aufgaben nicht. Die zusätzliche Qualifizierung verbindet Fachfertigkeit mit der Verantwortung für beaufsichtigte praktische Ausbildung; die psychologische Aufsicht ergänzt diesen Rahmen bei Resistance.

Die eigene Rolle bei Rückführung und Rückkehr

Personnel Recovery verbindet die Vorbereitung der isolierten Person mit der Arbeit der Kräfte, die sie zurückführen können. In der Navy-Luftfahrt gehört CSEL, Combat Survivor Evader Locator, zu den dafür vorgesehenen Kommunikationssystemen. Es verbindet militärische Positionsbestimmung mit geschützter zweiseitiger Datenkommunikation über den unmittelbaren Sichtfunkbereich hinaus. Den eigenen Standort kennen, eine Meldung übertragen und eine Antwort erhalten sind dabei unterschiedliche Vorgänge. Für die Verbindung müssen Gerät, Energieversorgung und die passende Kommunikationskette funktionieren; eine mögliche Aufnahme hängt zusätzlich von den verfügbaren Kräften und der Lage am Ort ab.

Wenn Kontakt zustande kommt, muss die Person auf das vereinbarte Verfahren zur Identitätsbestätigung vorbereitet sein. Sie gibt verwertbare Informationen weiter: gegnerische Aktivität, Hindernisse und Beschaffenheit des Aufnahmeorts, Zahl und Zustand der Personen sowie vorhandene Signalmittel. Der Name allein bestätigt die Identität gegenüber Rückführungskräften nicht. Signale werden nach der vorbereiteten Abrede oder den erhaltenen Anweisungen verwendet. Fehlt Funk, können vorhandene Boden-Luft-Signale eine Kontaktmöglichkeit schaffen, wenn entsprechende Kräfte den Raum erreichen. Ein sichtbares Signal kann zugleich den Gegner auf den Ort hinweisen; die Person bereitet die Mittel vor und wägt ihren Einsatz gegen diese Gefahr ab.

Bis eine Aufnahme unmittelbar bevorsteht, nutzt die Person Deckung. Sie packt und sichert lose Ausrüstung, sichert Waffen und vermeidet Bewegungen, die die aufnehmenden Kräfte als Bedrohung missverstehen könnten. Zum Fahrzeug oder Luftfahrzeug geht sie erst auf Anweisung. So wird aus Entdeckung und Kontakt eine kontrollierte Aufnahme: Die Kräfte müssen die richtige Person erkennen, den Ort beurteilen und sie aufnehmen können, während diese ihre eigene Bewegung mit dem Vorgang abstimmt.

Nach der Rückkehr werden körperlicher Zustand, psychische Belastung und militärisch relevante Informationen getrennt bearbeitet. Die Person schildert Verletzungen, Beschwerden, Ereignisse und eigenes Handeln; medizinische Versorgung und psychologische Unterstützung haben andere Aufgaben als die operative Befragung. NETC organisiert dafür psychologische Unterstützung und operative Nachbereitung der Rückkehr. Untersuchungen zurückgekehrter Kriegsgefangener am Robert E. Mitchell Center tragen zusätzlich dazu bei, langfristige Folgen von Gefangenschaft zu verstehen und die weitere Betreuung daran auszurichten.