Wiki · Begriffserklärung

ACSC

ACSC steht für Aircrew Combat Survival Course, eine historische britische Kursbezeichnung für die Vorbereitung von Flugbesatzungen und weiterem gefährdetem RAF-Personal auf militärisches Überleben und Gefangenschaft. Conduct After Capture, das Verhalten nach einer Gefangennahme, war ein integrierter praktischer Anteil.

Der historische britische ACSC

Der britische ACSC wurde an der RAF School of Combat Survival and Rescue durchgeführt. Zur damaligen Zielgruppe gehörte RAF-Personal in operativen Verwendungen, die eine Gefangennahme oder Befragung durch den Gegner erwarten ließen. Entscheidend war diese Gefährdung der Verwendung. Der Kursname bedeutete deshalb keine Beschränkung auf Piloten und auch keine allgemeine Ausbildung aller Militärangehörigen.

Die praktische CAC-Phase setzte eine vorherige Einweisung und die schriftliche Zustimmung der Teilnehmer voraus. Ein Ausstieg war vor und während dieser Phase möglich. Wer den Kurs nicht absolvierte, wurde damals auf Aufgaben ohne die entsprechende Gefangennahme- oder Befragungsgefährdung versetzt.

Was eine Besatzung nach dem Verlust ihres Flugzeugs bewältigen muss

Nach einem Absturz oder einer erzwungenen Landung kann eine Besatzung gleichzeitig verletzt, von eigenen Kräften getrennt und gegnerischer Suche ausgesetzt sein. Die Person muss die unmittelbaren Folgen des Ereignisses bewältigen, ihren Körper vor der Umgebung schützen und ihre weitere Bewegung beurteilen. Wasser, Versorgung und ein Aufenthaltsplatz werden unter diesen Bedingungen zu Voraussetzungen dafür, überhaupt noch ausweichen oder an einer Rückführung mitwirken zu können.

Ein späteres britisches Landüberlebensprogramm für Luftfahrzeugbesatzungen aller drei Teilstreitkräfte setzte dafür einen fünftägigen Kurs mit Feldpraxis und wenig Ausrüstung ein. Zu den Aufgaben gehörten grundlegende Erste Hilfe, Unterkunft, Nahrungssuche, Aufbereitung und Aufbewahrung von Wasser sowie Orientierung bei fehlender Karte oder fehlendem Kompass. Diese Fähigkeiten mussten auch bei Verletzung, Müdigkeit, Kälte, Nässe und Hunger verfügbar bleiben. Eine Unterkunft löst dabei das Schutzproblem, ein Wasservorrat erhält die Möglichkeit zur weiteren Bewegung; beides muss die Person mit den tatsächlich verbliebenen Mitteln herstellen.

Die gleiche Besatzung kann zusätzlich vor einem Gegner ausweichen müssen. Ein eigenständiges späteres britisches Programm verlegte diese Aufgabe in Städte und richtete sich unter anderem an Piloten und Besatzungen des Army Air Corps. Auf eine Woche Einweisung folgten mehrere Feldtage mit wenig Ausrüstung und einer professionellen gegnerischen Übungskraft. In diesem Stadtszenario suchte die gegnerische Kraft langsam und methodisch. Die Teilnehmer mussten damit über längere Zeit die Umgebung zum Vermeiden einer Gefangennahme nutzen und zugleich Schutz finden.

Gefangenschaft und Schutz vor gegnerischer Ausnutzung

Das integrierte CAC machte im historischen ACSC die Gefangennahme zum eigenen Ausbildungsgegenstand. In der späteren britischen SERE-Systematik wird diese Vorbereitung als Widerstand gegen gegnerische Ausnutzung weitergeführt. Wenn ein Ausweichen misslingt, endet die Aufgabe des Überlebens nicht; hinzu kommt der Schutz dessen, was ein Gegner von der Person oder ihrem Material verwenden kann.

Für RAF-Personal gehört dazu die Vorbereitung auf den Schutz von Material, das dem Gegner nützen könnte. Auch Informationen zur späteren Authentifizierung müssen geschützt bleiben: Kann der Gegner sie benutzen, gefährdet er die Unterscheidung zwischen einem echten Besatzungsmitglied und einer Täuschung. Für Kriegsgefangene ist die persönliche Identitätsauskunft konkret gefasst: Name und Vornamen, Dienstgrad, Geburtsdatum und Dienstnummer beziehungsweise eine entsprechende Nummer.

Der australische Namensgebrauch und die Umgebung

Aircrew Combat Survival Course wurde auch als australischer Kursname an der Combat Survival Training School verwendet. Er stand dort neben einem Aircrew Initial Survival Course und einer gesonderten Vorbereitung für Personnel-Recovery-Kräfte. Besatzungsausbildung und Ausbildung der Kräfte, die Menschen zurückholen sollen, erfüllen unterschiedliche Aufgaben: Die Besatzung muss ihre Isolation selbst bewältigen; die Rückführungskräfte müssen sie finden und aufnehmen können.

Ein späteres australisches Combat-Survival-Programm in Nordqueensland brachte Besatzungen von Luftwaffe, Heer und Marine mit internationalen Teilnehmern in tropische Isolation. Praktische Aufgaben umfassten den Aufbau eines Überlebensplatzes und einer Unterkunft sowie den Umgang mit Feuer. Einzelfähigkeiten und Aufgaben in der Gruppe wurden zusammengeführt. Die Teilnehmer übten dabei, in einer feindlichen Umgebung zu überleben, einer Gefangennahme auszuweichen und bis zur möglichen Rückführung durchzuhalten.

Zur australischen Besatzungsvorbereitung gehören unterschiedliche Überlebensumgebungen: See, Küste, Trockengebiete, Dschungel und extreme Kälte. Die Ausrüstung folgt vier Funktionen: Schutz vor Umgebung, Gegner und Verschlimmerung von Verletzungen; Auffindbarkeit; Wasser; Nahrung. Ein Signalfeuer oder orangefarbener Rauch dient der Auffindbarkeit und wurde im tropischen Ausbildungsmodell praktisch eingesetzt. Eine solche sichtbare Markierung kann allerdings auch andere Beobachter auf den Aufenthaltsort aufmerksam machen. Ob jetzt Signalisierung oder weiteres Verbergen nötig ist, hängt deshalb vom Gegnerbezug und der tatsächlich möglichen Kontaktaufnahme ab.

Ausrüstung, die nach dem Ereignis erreichbar bleibt

Im australischen Ausrüstungsmodell werden Hilfsmittel am Körper, in der Rettungsinsel und in gesonderten Flugzeugpaketen unterschieden. Für unmittelbare Überlebensaufgaben wichtige Mittel müssen schnell verfügbar sein. Ein unbeschädigtes, zugängliches Flugzeugpaket kann nach der Landung noch nutzbar sein; wird die Person vom Flugzeug getrennt oder der Inhalt zerstört, bleiben nur die am Körper getragenen und anderweitig erreichbaren Mittel. Ein persönlicher Überlebenssatz ergänzt die vorhandene fliegerische Rettungs- und Überlebensausrüstung nach Bedarf, mit möglichst wenig unnötigen Doppelungen.

Die Nutzbarkeit hängt auch an kleinen konstruktiven Einzelheiten. Wasserempfindliche Mittel brauchen eine geschützte Verpackung, Sicherungen verhindern ihren Verlust, und Verpackungen müssen sich mit ausgekühlten oder behandschuhten Händen öffnen lassen.

Kontakt, Aufnahme und die heutige SERE-Zuordnung

Die Vorbereitung auf Rückführung beginnt vor dem Einsatz. Im heutigen NATO-/britischen Zusammenhang beschreibt ein Evasion Plan of Action die beabsichtigten Ausweichbewegungen; vorbereitete Personenangaben unterstützen Identifizierung und Authentifizierung. Nach der Isolation kann die Person ihren Standort und Zustand übermitteln, wenn ein geeignetes funktionsfähiges Mittel und eine Verbindung vorhanden sind.

Vor einer Aufnahme prüfen Rückführungskräfte die Authentizität der Person. Bei der tatsächlichen Übernahme durch die Rückführungskräfte wird diese Prüfung normalerweise abschließend wiederholt. Bis die Kräfte tatsächlich Zugang zur Person haben, bleiben Schutz, Versorgung und Evasion ihre eigenen Aufgaben. Vorhandene Funk- oder Signalmittel können Kontakt unterstützen; Standort- und Authentifizierungsinformationen, verfügbare Kräfte und ein unter Umwelt- und Gegnerbedrohung durchführbarer Zugang bestimmen die Aufnahme.

Die heutige britische Zuordnung verwendet das Isolationsrisiko für die Wahl zwischen SERE B und C. Level B wird auf Ebene der Einheiten vermittelt; ausschließlich die Defence SERE Training Organisation darf britisches Level C durchführen. Level C umfasst im NATO-Rahmen umfangreiche praktische Survival-, Evasion- und Resistance-Ausbildung. ACSC ist dagegen ein Kursname aus einem bestimmten nationalen Ausbildungszusammenhang.