Fachwissen · Australien

Combat Survival und SERE in Australien

Wie australische Besatzungen erreichbare Überlebensmittel nutzen, Versorgung mit Evasion verbinden und sich auf Gefangenschaft sowie Rückführung vorbereiten.

Marines ziehen eine Person über den Schlauchwulst in ein Zodiac
US-Marines ziehen bei der Wasserüberlebensausbildung in Robertson Barracks in Australien einen Kameraden in das Zodiac-Schlauchboot.

Australische SERE-Ausbildung bereitet Luftfahrzeugbesatzungen und ausgewähltes weiteres Personal darauf vor, nach einer Notlandung, einem Abschuss oder der Trennung von eigenen Kräften selbst handlungsfähig zu bleiben. Dazu gehören Versorgung mit begrenzten Mitteln, Ausweichen vor einem Gegner, Verhalten nach Gefangennahme und die Vorbereitung auf Rückführung. Die Combat Survival Training School in Townsville bildet Besatzungsangehörige aus Luftwaffe, Heer und Marine aus. Conduct After Capture, kurz CAC, behandelt die Gefangenschaft. Das Wassernotfalltraining setzt bereits davor an: beim Verlassen eines untergetauchten Luftfahrzeugs und beim Überleben an der Oberfläche.

Aircrew-SERE: vom Luftfahrzeug zur eigenen Versorgung

Die Ausgangslage des Aircrew-Kurses ist eine Besatzung, die in einem Gefechtsumfeld zur Landung gezwungen oder von befreundeten Kräften getrennt wird. Mit dem Luftfahrzeug fallen Transport, Schutz und mitgeführte Vorräte möglicherweise gleichzeitig aus. Der Crew Attendant-Ausbildungsweg nennt dafür einen zweiwöchigen Aircrew Survival Evade Resist Escape Course. Praktische Anteile führen auf See, an die Küste sowie in trockene Gebiete und Dschungel; Schwimmen gehört dazu. Den Abschluss bildet ein Evasion- und Gefangennahmeszenario.

Die konkreten Feldaufgaben umfassen das Einrichten eines Überlebensplatzes, den Bau einer Unterkunft, Feuerentfachen sowie den Bau von Fallen und Schlingen unter tropischen Bedingungen. Teilnehmer bearbeiten Aufgaben allein und gemeinsam. Für eine isolierte Besatzung sind das unterschiedliche Versorgungsprobleme: Sie muss einen Ort zum Ruhen brauchbar machen, Schutz herstellen und verfügbare Mittel zur Nahrungsgewinnung einsetzen.

Die Schule vermittelt außerdem Wasser- und Nahrungsbeschaffung und die Vorbereitung örtlich verfügbarer Nahrung. Dabei fließt Wissen indigener Australier über regionale Ressourcen ein. Die Person muss wissen, wo sie örtliche Ressourcen findet, wie sie diese erkennt und zubereitet, bevor sie damit einen knappen Wasservorrat oder eine Notration ergänzen kann. An einem anderen Einsatzort reichen bloße Ähnlichkeiten mit bekannten Pflanzen oder Tieren aus Nordqueensland dafür nicht aus.

Schutz, Ortung, Wasser und Nahrung

Die australische Aircrew-Überlebensausrüstung ordnet ihre Aufgaben vier Prioritäten zu: Protection, Location, Water und Food. Protection umfasst Schutz vor Umwelt und Gegner sowie die Begrenzung weiterer Verletzungsfolgen. Location betrifft die Mittel, mit denen die Person gefunden werden kann. Wasser und Nahrung erhalten die körperliche Leistungsfähigkeit. Bei Combat Survival verbindet diese Gliederung Versorgung mit dem militärischen Problem: Ein Lagerplatz muss nicht nur vor Wetter schützen, sondern kann auch die Person für einen Gegner sichtbar machen.

Hilfsmittel können am Körper, in der Rettungsinsel oder in einem gesonderten Paket im Luftfahrzeug untergebracht sein. Für die isolierte Person zählt, was sie nach dem Verlassen tatsächlich erreicht. Ein verlorenes Paket kann mehrere Funktionen gleichzeitig kosten; persönlich getragene Mittel bleiben dagegen von diesem Paket unabhängig. Wasserfeste Verpackung schützt empfindliche Inhalte, Sicherungsleinen verhindern Verlust und verpackte Schneiden verhindern Verletzungen oder Schäden an aufblasbarer Ausrüstung. Die Verpackung muss sich auch mit kalten oder behandschuhten Händen öffnen lassen.

See, Küste, trockene Gebiete, Dschungel und extreme Kälte stellen verschiedene Anforderungen an diese Ausrüstung. Auf See oder an der Küste kann die Umwandlung von Salzwasser in Trinkwasser entscheidend werden; Wasserdesinfektionstabletten entfernen kein Salz. Im Dschungel verändert Insektenschutz die Ruhebedingungen, in extremer Kälte bestimmen Wärmeverlust und Schlafschutz den nutzbaren Ruheplatz. Der weiter gefasste australische Ausrüstungsrahmen berücksichtigt deshalb andere Ergänzungen als der einzelne Aircrew-Kurs. Die Person muss ihre Vorräte und Mittel auf die Umgebung beziehen, statt aus dem Begriff Survival Kit auf einen immer gleichen Inhalt zu schließen.

Versorgen, verborgen bleiben und Rückführung vorbereiten

Feuer zum Zubereiten von Nahrung kann zugleich durch Flammen oder Rauch den Aufenthaltsort verraten. Während der Evasion muss die Person deshalb abwägen, ob sie die Nahrung zubereiten muss und welches Entdeckungsrisiko sie dafür eingeht. Die australische praktische Ausbildung enthält sowohl ein Signalfeuer als auch den Umgang mit orangefarbenem Signalrauch. Deren Zweck ist, eine Position erkennbar zu machen.

Bei gegnerischer Bedrohung kann es erforderlich sein, auch die Überlebensausrüstung zu verbergen. Ein notwendiges Hilfsmittel muss dabei erreichbar bleiben, ohne ständig offen getragen oder ausgelegt zu werden. Der Abschluss mit Evasion und Gefangennahme führt die Besatzung anschließend in eine Lage, in der sie ihren Aufenthaltsort und ihre Bewegungen nicht mehr selbst bestimmen kann.

Die eigene Mitarbeit an Personnel Recovery beginnt mit den vorhandenen Ortungs- und Kommunikationsmitteln. Ein Funkgerät kann einen Austausch mit erreichbaren Kräften ermöglichen; ein Ortungssender oder ein optisches Signal macht zunächst eine Position auffindbar. Die Auswahl unverschlüsselter oder verschlüsselter Funk- und Ortungsmittel richtet sich im australischen Ausrüstungsrahmen nach der Bedrohung. Für die Suche und Rettung im Frieden werden unverschlüsselte Mittel berücksichtigt, für Combat Search and Rescue unter Bedrohung verschlüsselte. Verschlüsselung dient dem Schutz übertragener Informationen vor gegnerischem Mitlesen; der vorgesehene Empfänger benötigt die passenden Entschlüsselungsmittel.

Orangefarbener Rauch hilft bei der visuellen Zuordnung einer Stelle, kann aber auch einem Gegner diese Stelle zeigen. Seine Verwendung braucht deshalb eine konkrete Gelegenheit zur Aufnahme oder Ortung durch die richtige Seite. Elektronische Mittel benötigen ausreichend Energie und einen nutzbaren Übertragungsweg. Bei einem aus der Luft abgeworfenen Rescue Pack entscheiden Abwurfgenauigkeit, Wind und Gelände darüber, ob die Person das Paket erreichen kann. Landet es auf einer offenen Fläche, im Wasser oder außerhalb des geschützten Bewegungsraums, kann die Bergung die Person erneut exponieren.

Conduct After Capture: Verhalten unter fremder Kontrolle

Conduct After Capture ist der Resistance-Anteil im australischen SERE-Verständnis. CAC verbindet Verhalten in Gefangenschaft, Widerstand gegen Ausnutzung und das eigene Überleben. Der frühere Schwerpunkt Resistance to Interrogation behandelte enger das Vermeiden der Auswahl zur Befragung und den Schutz von Informationen während einer Befragung. Für die gefangene Person reicht dieses Problem über einzelne Fragen hinaus: Der Aircrew-Kurs nennt auch Indoktrination und Ausnutzung. Dabei kann es um die Beeinflussung ihrer Überzeugungen und die Verwendung ihrer Person für die Ziele der festhaltenden Seite gehen.

Das australische CAC-Modell unterscheidet drei Gefangenschaftskontexte. Ihre Trennung richtet die Vorbereitung auf verschiedene Formen fremder Kontrolle und verschiedene Verhaltensprobleme.

KontextAusbildungsaufgabe und Bedeutung für die Person
Foreign Government DetentionFesthaltung durch ausländische Grenz-, Polizei- oder Nachrichtendienststellen. Das Szenario kann mit oder ohne bewaffneten Konflikt bestehen. Die Ausbildung behandelt das Überleben, die Bewältigung von Belastungen und das Verhalten gegenüber staatlichen Amtsträgern.
Hostage SurvivalFesthaltung durch eine terroristische oder kriminelle Gruppe. Die Person muss mit Belastung und Abhängigkeit unter der Kontrolle dieser Gruppe umgehen und ihr Verhalten darauf ausrichten, die Geiselhaft zu überleben.
Military ExploitationFesthaltung durch Streitkräfte eines feindlichen Staates. Die Vorbereitung behandelt Überleben, Verhalten und Widerstand gegen Ausnutzung sowohl bei völkerrechtskonformer Behandlung von Kriegsgefangenen als auch bei tatsächlichen Verstößen der festhaltenden Seite.

Für die Person verschiebt sich der eigene Handlungsspielraum mit der Gefangennahme. Nahrungszugang, Aufenthaltsort und Kontakt zu anderen können nun durch die festhaltende Seite bestimmt werden. CAC behandelt deshalb Überlebensstrategien und Bewältigungsmethoden neben dem Informationsschutz. Körperliche und psychische Belastung können es erschweren, an den eingeübten Verhaltensweisen festzuhalten und eine Befragung als Versuch der Ausnutzung zu erkennen.

Das dreistufige australische CAC-Modell

Das frühere dreistufige CAC-Modell beginnt mit einem computerbasierten Level A zur Kenntnis des australischen Verhaltensrahmens. Level B behandelt die drei Gefangenschaftskontexte und gemeinsame Überlebensstrategien in einem Theorie-Workshop und bereitet die folgende praktische Aktivität vor. Level C führt Personal mit erhöhtem Gefangennahmerisiko, darunter Spezialkräftepersonal, durch praktische Gefangenschaftsszenarien. Die Buchstaben bezeichnen hier die Steigerung innerhalb von CAC; sie umfassen nicht zugleich den gesamten Survival- und Evasion-Lehrgang.

In der praktischen Phase übernehmen Resistance Trainer die Rollen der festhaltenden Kräfte. Die Teilnehmer müssen mit den Verhaltens- und Belastungsproblemen der jeweiligen Lage umgehen, während Kontrolle und Befragung Teil des Szenarios sind. Ein abschließendes individuelles Gespräch mit einem Resistance Trainer und einem Psychologen erlaubt es, das eigene Erleben und aufgetretene gesundheitliche Probleme zu besprechen. CAC gehört auch zur Bereitschaftsvorbereitung von Angehörigen der Air Mobility Group. Der Aircrew-SERE-Kurs und die CAC-Vorbereitung behandeln damit verschiedene Abschnitte derselben Gefährdung: zunächst die eigene Versorgung und Vermeidung von Gefangennahme, anschließend Verhalten unter fremder Kontrolle.

Wasserausstieg und Überleben an der Oberfläche

Im Helicopter Underwater Escape Training, kurz HUET, übt die Person, sich unter Wasser zu orientieren und den Ausstieg zu erreichen. Sie sitzt angeschnallt in einer Kabine, die unter Wasser geraten und ihre Lage verändern kann. Im Army-Ausbildungsbeispiel in Darwin wird eine Hubschrauberkabine im Becken abgesenkt und gedreht. Teilnehmer üben das Lösen des Gurtes, das Öffnen des Ausstiegs und das Verlassen der Kabine in wiederholten Durchgängen; teilweise entfällt die Sicht durch eine Augenbinde.

Der Nutzen des Sichtentzugs liegt im Wechsel zum Tastsinn und zu vertrauten Abläufen. Sobald die Kabine gedreht ist, kann die gewohnte räumliche Vorstellung vom Sitz zum Fenster versagen. Die Person braucht einen Ausstiegsablauf, den sie mit der konkreten Kabine und Ausrüstung eingeübt hat. Suchbewegungen nach unbekannten Verschlüssen kosten unter Wasser Zeit und Atemreserve. Die Übung findet deshalb an betreuten Ausbildungsgeräten statt; die Reihenfolge am tatsächlichen Luftfahrzeug richtet sich nach dessen Ausstieg und Ausstattung.

An den Unterwasserausstieg schließt in der beschriebenen Army-Ausbildung das Bedienen von Rettungsinseln und Überlebensausrüstung an. Dazu gehört, einen weiteren Soldaten aus dem Wasser auf die Insel zu ziehen. Das Verlassen der Kabine bringt die Person damit erst in die nächste Aufgabe: verfügbare Schwimm- und Rettungsmittel erreichen, sich und andere an der Oberfläche halten und gegebenenfalls die Insel besteigen. Ist eine Insel vorhanden, bietet sie einen Ort für gemeinsame Versorgung und Signalmittel. Ist sie verloren oder unerreichbar, bestimmen die unmittelbar verfügbaren Schwimmhilfen den verbleibenden Handlungsspielraum.