Wiki · Begriffserklärung

CFSSAT

CFSSAT steht für Canadian Forces School of Survival and Aeromedical Training. Die Schule der Royal Canadian Air Force bereitet Luftfahrzeugbesatzungen und ausgewähltes weiteres Personal der kanadischen Streitkräfte auf Überleben nach Luftfahrtnotfällen und auf SERE vor: Survival, Evasion, Resistance and Escape, also Überleben, Vermeiden von Gefangennahme, Widerstand gegen gegnerische Ausnutzung und Entkommen aus Gefangenschaft. Ein besonderer Auftrag ist die arktische Aircrew-Vorbereitung. Dabei geht es um die Handlungsfähigkeit der möglicherweise isolierten Besatzung: mit erreichbarer Notausrüstung Schutz herstellen, Kälte überstehen und eine mögliche Rückführung vorbereiten.

Warum Luftfahrzeugbesatzungen eine eigene Vorbereitung brauchen

Eine Notlandung, ein Absturz oder ein Absprung kann die Besatzung unmittelbar aus dem Flugbetrieb in eine Überlebenslage versetzen. Ein Pilot mit Schleudersitz führt einen anderen Vorrat mit als eine mehrköpfige Transportflugzeugbesatzung. Größe, Unterbringung und Inhalt des Notpacks bestimmen, welche Schutz-, Arbeits- und Signalmittel nach dem Verlassen des Flugzeugs überhaupt verfügbar sind. Verletzung, Verlust des Packs oder Trennung von anderen Besatzungsmitgliedern können diesen Bestand weiter verkleinern. Die Vorbereitung muss deshalb beim eigenen Luftfahrzeug und seiner tatsächlich mitgeführten Ausrüstung ansetzen.

Für die Person am Boden werden aus einzelnen Gegenständen zusammenhängende Aufgaben. Bekleidung und verfügbare Isolierung müssen Wärmeverlust begrenzen; ein geeignetes Werkzeug kann beim Herstellen einer Notunterkunft helfen; ein erhaltenes Signalmittel muss erreichbar und bedienbar bleiben. Wer seinen Pack erst in der Notlage öffnet, muss diese Zuordnung unter Kälte, Erschöpfung und möglicherweise eingeschränkter Beweglichkeit leisten.

Landüberleben, SERE und Arctic Aircrew

Die Bezeichnungen im kanadischen Air-Operations-Survival-Bereich trennen drei Aufgaben. Air Ops Survival Land (AOS-L) betrifft die Überlebensvorbereitung an Land. Air Ops Survival – Survival Evasion Resistance Escape (AOS-SERE) erweitert den Gegenstand um die militärische Bedrohung durch Gefangennahme und Ausnutzung. Air Ops Survival – Arctic Aircrew (AOS-AA) richtet die Vorbereitung auf Luftfahrtnotfälle in der Arktis. CFSSAT-Ausbilder verbinden dafür theoretische Unterweisung mit praktischer Ausbildung; mobile Ausbildungsanteile unterstützen außerdem die SERE-Vorbereitung vor Einsätzen.

Ein Landanteil muss den Umgang mit den vorhandenen Mitteln erschließen; der arktische Anteil muss zeigen, wie diese Mittel unter Schnee, Wind und Frost einzusetzen sind; SERE muss zusätzlich die Folgen gegnerischer Beobachtung, Verfolgung und Gefangenschaft berücksichtigen. Für Ausbilder und Einsatzplaner gehören daher Luftfahrzeugausrüstung, Einsatzraum und Bedrohung in dieselbe Vorbereitung. Die aeromedizinischen Aufgaben der Schule betreffen daneben die physiologischen Belastungen des Fliegens und die Nutzung von Lebenserhaltungssystemen. Für den Überlebensauftrag ist daran wesentlich, welche Schutz- und Unterstützungsmittel die Besatzung trägt und beim Übergang in die Notlage noch nutzen kann.

Arktische Vorbereitung und die Zeit bis zur Aufnahme

Der Arctic Aircrew Survival Course wird in Resolute Bay in Nunavut durchgeführt. Seine praktischen Kernaufgaben sind das Ordnen der Überlebensprioritäten, das Herstellen von Notunterkünften und der Erhalt der Körpertemperatur unter Frostbedingungen. Im hohen Norden kommen große Entfernungen, wenige erreichbare Verkehrswege und ungünstiges Flugwetter zusammen. Eine Besatzung kann dadurch lange auf sich gestellt bleiben, während Such- oder Rückführungsmittel erst den Einsatzraum erreichen müssen.

Die Kälte verändert auch die Arbeit mit dem Pack. Hände verlieren beim Auskühlen Feinmotorik; Verschlüsse, Funkgeräte und Signalmittel werden schwerer zu bedienen. Schnee auf warmer Kleidung kann schmelzen und das Material durchnässen. Starkes Arbeiten erzeugt Wärme, kann aber zugleich Schweiß in der Bekleidung hinterlassen. Beim anschließenden Ruhen sinkt die eigene Wärmeproduktion, während Feuchtigkeit den Wärmeverlust begünstigt. Arbeitsgeschwindigkeit und Bekleidungsschichten müssen deshalb schon während des Arbeitens so gewählt werden, dass die Person anschließend noch einen wirksamen Wärmeschutz besitzt.

Eine Notunterkunft, der Schutz gegen Wind und eine isolierende Trennung vom kalten Untergrund erfüllen unterschiedliche Aufgaben: Sie begrenzen Luftbewegung am Körper und Wärmeabgabe durch Kontakt. Welches Material dafür nutzbar ist, hängt vom erreichbaren Pack und dem Gelände ab. In einer arktischen Luftfahrtnotlage können Schneewerkzeuge, mitgeführte Schlaf- und Schutzmittel sowie örtliches Baumaterial zusammenwirken. Das begrenzte Pack eines einzelnen Piloten verlangt andere Entscheidungen als der größere Bestand eines Transportflugzeugs.

Was SERE zur Umweltvorbereitung hinzufügt

Bei einer militärischen Isolation beeinflusst die Bedrohung, ob die Besatzung an einer auffälligen Absturzstelle bleiben, sich verbergen oder ihren Standort verändern muss. Ein offener Standort erleichtert die Sichtbarkeit für Sucher, kann aber auch gegnerische Kräfte aufmerksam machen. Bewegung kann eine bedrohte Stelle verlassen helfen, verbraucht jedoch Kraft und verändert die für eine Rückführung wichtige Position. Evasion verbindet deshalb die Erhaltung der körperlichen Handlungsfähigkeit mit Entscheidungen über Entdeckung und Gefangennahme. Schutz und Versorgung müssen unter diesem Zielkonflikt organisiert werden.

Resistance und Escape betreffen die Lage nach einer Gefangennahme. Gegnerische Ausnutzung kann auf militärische Informationen, andere Personen oder Propaganda zielen. Die Vorbereitung muss deshalb auch den Schutz gegen diese Ausnutzung und den Umgang mit der Gefangenschaft umfassen. Das erklärt, warum eine Schule für Luftfahrzeugbesatzungen einen SERE-Auftrag besitzt: Der Verlust des Luftfahrzeugs kann sowohl eine Umweltgefahr als auch eine militärische Bedrohung auslösen.

In einem früheren Ausbildungsmodell der CFSSAT, Advanced Survival, Evasion, Resistance and Escape (ASERE), bewegten sich die Teilnehmer während der Evasion mit getragenem Gepäck und beschränkter Nahrung über unebenes Gelände. Die praktische Ausbildung führte anschließend durch simulierte Gefangennahme, Verlegung und taktische Befragung. In der Evasion mussten die Teilnehmer ihre Bewegung und ihre Kräfte einteilen, während Last, Hunger und Erschöpfung die Versorgung und Aufmerksamkeit erschwerten. Mit der Gefangennahme wechselte die Aufgabe von der Bewegungsentscheidung im Gelände zum Umgang mit eingeschränktem Handlungsspielraum und gegnerischer Ausnutzung. Die anschließende Befragung stellte den Schutz sensibler Informationen in den Mittelpunkt, während die Belastung der vorausgegangenen Feldphase noch wirkte.

Seeüberleben und die andere Aufgabe der SAR Technicians

Eine Notlandung im Wasser oder ein Absprung über See verändert die ersten Überlebensprobleme. Es fehlt der tragende trockene Untergrund, Auftrieb muss erhalten bleiben, und Wasser führt Wärme vom Körper ab. Die verfügbare Schutz- und Notausrüstung muss unter diesen Bedingungen eingesetzt werden können. Die kanadische Aircrew-Sea-Survival-Ausbildung gehört zur Sea Survival Detachment der Canadian Forces School of Search and Rescue (CFSSAR) in Goose Spit bei Comox. Im Ausbildungsweg für CFSSAT-SERE-Ausbilder ist dieser Aircrew-Sea-Survival-Anteil ebenfalls vorgesehen; die maritime Vorbereitung hat damit eine eigene fachliche Zuständigkeit.

CFSSAR bildet zugleich Search and Rescue Technicians, kurz SAR Techs, aus. Deren Aufgabe ist es, andere Menschen in abgelegenen oder schwer zugänglichen Gebieten zu erreichen und Verletzte unmittelbar medizinisch zu versorgen. Aircrew Survival bereitet dagegen die mögliche isolierte Person darauf vor, die Notlage selbst zu überstehen. Ein Besatzungsmitglied muss mit dem erhaltenen Bestand auskommen; ein SAR Tech benötigt zusätzlich die beruflichen Fähigkeiten, andere Menschen in Not zu erreichen, zu retten und zu versorgen. Die beiden Ausbildungsaufgaben treffen sich an derselben Notlage, übernehmen darin aber verschiedene Rollen.

Die Verbindung zu Personnel Recovery

Im NATO-Rahmen gehört die Vorbereitung der möglicherweise isolierten Person zur Personnel Recovery, der Rückführung isolierten Personals. Die Person trägt zum Auffinden und zur Aufnahme bei, indem sie ihre Lage kennt, verfügbare Kommunikations- und Signalmittel beherrscht und vorbereitete Verfahren zur Identifizierung anwenden kann. Ausrüstung, mögliche Bewegung und erwartetes Verhalten müssen vor dem Einsatz zusammenpassen. CFSSATs Besatzungs- und SERE-Vorbereitung ist für diese persönliche Seite der Rückführung relevant; die Durchführung einer Recovery bleibt eine eigene Aufgabe der dafür eingesetzten Kräfte.

Eine vom Luftfahrzeug gemeldete oder zuletzt bekannte Position liefert zunächst einen Bezugspunkt für die Suche. Der tatsächliche Absprung- oder Absturzort kann davon abweichen; Wind während eines Fallschirmabstiegs und spätere Bewegung können die Person weiter versetzen. Ein Ortungssender gibt ein Signal an ein dafür empfangsfähiges System, während ein visueller Hinweis Suchern die Stelle kenntlich macht. Ein Funkgespräch erfordert ein betriebsbereites kompatibles Gerät und eine empfangende Gegenstelle, mit der tatsächlich Kontakt zustande kommt. In diesem Kontakt kann die Person ihre eigene Position und Lage mitteilen und mit vorbereiteten Authentifizierungsverfahren ihre Identität gegenüber der aufnehmenden Seite bestätigen. Die Signalisierung muss zugleich zur Bedrohung passen, damit ein sichtbares oder hörbares Signal nicht unbedacht den Standort offenlegt.

Beim tatsächlichen Kontakt muss die Person ihre Lage und eingeschränkte Beweglichkeit verständlich machen und die Anweisungen für die Annäherung und Aufnahme umsetzen. Ein Verletzter, der nicht zu einem Fahrzeug oder einer Landestelle gelangen kann, stellt die aufnehmenden Kräfte vor eine andere Zugangs- und Transportaufgabe als eine bewegliche Person. Große Entfernungen und Wetter können diesen Zugriff verzögern. Wärmeschutz und die Einteilung der eigenen Mittel müssen daher auch während einer laufenden Rückführung erhalten bleiben.