Das Conduct after Capture Training Centre (CAC TC) ist ein spezialisiertes Ausbildungszentrum der kanadischen Streitkräfte in Kingston, Ontario. Es bereitet Militärangehörige auf das Überleben in Gefangenschaft und das Verhalten nach Gefangennahme vor: gegnerischer Ausnutzung widerstehen, Informationen schützen und die eigene Handlungsfähigkeit unter eingeschränkter Freiheit erhalten. Die französische Bezeichnung lautet Centre d’entraînement de Conduite après la Capture (CE CAC).
Auftrag und Zielpersonen
Conduct after Capture, kurz CAC, betrifft die Lage nach dem Verlust der eigenen Bewegungsfreiheit. Ein Festhalter kann militärisches Wissen erlangen, Aussagen politisch verwerten oder die gefangene Person als Druckmittel einsetzen. Das Zentrum verbindet deshalb Gefangenschaftsüberleben mit Resistance: Die Person muss mit ihrer körperlichen und psychischen Belastung umgehen und zugleich verhindern, dass ihr Wissen und ihr Verhalten gegen eigene oder befreundete Kräfte verwendet werden.
Zur Zielgruppe gehören kanadische Militärangehörige, die einer möglichen Gefangenschaft ausgesetzt sind. Das Risiko hängt sowohl von der Verwendung als auch von den Folgen einer Ausnutzung ab. Wer über besonders wertvolle Informationen verfügt oder eine exponierte Verantwortung trägt, kann dem Gegner nach einer Gefangennahme einen hohen Nutzen bieten. Ein früheres kanadisches Ausbildungsmodell unterschied allgemeine Vorbereitung, einsatzbezogene Vorbereitung und vertiefte Ausbildung für diese besonders gefährdete Gruppe. Für sie verband es die Verhaltensgrundsätze mit praktischer Anwendung: Die Teilnehmer sollten ihre Reaktionen und Handlungsmöglichkeiten auch unter dargestellten Gefangenschaftsbedingungen kennenlernen.
Der nationale Verhaltensrahmen ist der kanadische Code of Conduct after Capture. Die Qualifikation der Ausbilder und die Vorbereitung der gefährdeten Teilnehmer erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben: Der Teilnehmer übt Verhalten unter gegnerischer Kontrolle; der Ausbilder muss eine solche Lage glaubwürdig darstellen und zugleich seine eigene Reaktion beherrschen.
Welche Gefangenschaftslagen vorbereitet werden
CAC umfasst Kriegsgefangenschaft, Festhaltung durch eine ausländische Regierung und Geiselnahme. Diese Lagen bringen unterschiedliche Zwecke der Festhaltung und Verhaltensprobleme mit sich. Bei militärischer Gefangennahme kann die Befragung auf Kenntnisse über eigene Kräfte und Operationen zielen. Staatlicher Gewahrsam kann mit Vorwürfen, Erklärungen und einem rechtlichen Verfahren verbunden sein. Geiselnehmer können die Person selbst für Forderungen gegen Dritte nutzen. Für den Gefangenen ist deshalb entscheidend, welche Informationen oder Handlungen der Festhalter erreichen will und welche Bewegungs-, Gesprächs- oder Versorgungsmöglichkeiten tatsächlich verbleiben.
Eine Antwort über eine Mission, andere Angehörige oder eigene Zuständigkeiten kann mehr preisgeben als die einzelne erfragte Tatsache. Angst und Erschöpfung können dazu führen, dass die Person nur noch die unmittelbar unangenehme Situation beenden will und deren weitere Folgen aus dem Blick verliert. CAC bereitet darauf vor, diesen Druck zu erkennen und das Verhalten an den nationalen Vorgaben und der konkreten Gefangenschaftslage auszurichten.
Vorbereitung, Fertigkeiten und Anwendung
Dieses frühere kanadische Modell führte von der Erklärung möglicher Gefangenschaftslagen über das Einüben von Bewältigungsfertigkeiten zur Anwendung unter kontrollierter Belastung. Zuerst beschäftigten sich Teilnehmer mit einer möglichen Gefangennahme und ihren eigenen Stressreaktionen. Sie lernten etwa, wie Angst und körperliche Erregung Aufmerksamkeit und Verhalten beeinflussen. Wer die Reaktion als Belastungszeichen erkennt, kann mit einer zuvor geübten Handlung gegensteuern, statt sich nur von ihr treiben zu lassen.
Die Fertigkeiten wurden zunächst bei geringer Belastung geübt. Dazu gehörten kontrollierte Atmung, bewusstes Anspannen und Entspannen von Muskeln, innere Selbstgespräche und geistige Beschäftigung. Atmung und Muskelentspannung richten sich auf körperliche Erregung; die kognitiven Fertigkeiten auf Gedanken, die die Person lähmen oder ihre Aufmerksamkeit vollständig binden. Eine überschaubare nächste Aufgabe oder eine gedankliche Beschäftigung kann die Aufmerksamkeit auf etwas lenken, das die Person selbst beeinflussen kann, auch wenn sie ihre äußere Lage nicht bestimmt. Persönlicher Glaube und Gebet können ebenfalls zu den individuellen Bewältigungsmitteln gehören.
In der praktischen Anwendung mussten die Teilnehmer diese Fertigkeiten unter unangenehmen und kargen Bedingungen verfügbar halten. Körperliche, psychische und umweltbedingte Belastungen wurden mit einer dargestellten Gefangenschaft verbunden. In diesem Modell stiegen die Anforderungen schrittweise; Erholungsperioden lagen zwischen den Belastungen. So übte der Teilnehmer die zuvor erlernte Selbststeuerung, während Freiheit und gewohnte Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt waren. Rückmeldung und Nachbereitung bezogen sich darauf, wie er mit der Lage umgegangen war und welche Fertigkeiten er weiter festigen musste.
Ausbilderrollen und Kontrolle
Conduct after Capture Instructors, kurz CACI, übernehmen unterschiedliche Rollen innerhalb der dargestellten Lage. Glaubwürdige Rollen erzeugen das Verhaltensproblem, auf das der Teilnehmer reagieren soll. Dafür brauchen die Ausbilder Selbstdisziplin, Reife, emotionale Kontrolle und Zurückhaltung in einer belastenden Umgebung. Ein Ausbilder, der sich von einer Reaktion des Teilnehmers mitreißen lässt, verliert gerade die Kontrolle, die eine geregelte Gefangenschaftsausbildung benötigt.
Bereits geübte Handlungen sollen trotz Angst und Druck abrufbar bleiben. Die Anforderungen müssen deshalb so steigen, dass die Teilnehmer mit den zuvor erlernten Fertigkeiten arbeiten können; die körperliche und psychische Gesundheit setzt der Belastung Grenzen. Die Ausbilderqualifikation wird durch fortgesetzte Mitwirkung an CAC-Ausbildung erhalten; sie umfasst damit auch regelmäßige Arbeit in dieser besonderen Rollen- und Belastungsumgebung.
Eine wirkliche Gefangenschaft kann erheblich länger dauern und Versorgung, Kontakt und Ende der Festhaltung offenlassen. Der Festhalter unterliegt keiner Ausbildungsleitung. Für die isolierte Person bleiben daher die tatsächlich noch verfügbaren Möglichkeiten maßgeblich: mit Belastung umgehen, aufmerksam bleiben und die eigenen Interessen innerhalb der verbliebenen Freiheit schützen. Die kontrollierte Übung bereitet darauf vor, diese Aufgaben aufrechtzuerhalten; ihre geplanten Erholungs- und Endpunkte stehen im Einsatz nicht zur Verfügung.
Verbindung zu SERE, Personnel Recovery und Reintegration
CAC deckt den Gefangenschafts- und Resistance-Anteil von SERE ab. Eine konkrete kanadische Verbindung besteht durch die praktische Arbeit von CAC-Ausbildern im Air Operations Survival – SERE Course. Survival und Evasion betreffen auch die Zeit vor einer möglichen Gefangennahme: die eigene Handlungsfähigkeit erhalten und gegnerischem Zugriff ausweichen. Nach der Gefangennahme setzt CAC an den Möglichkeiten unter Kontrolle des Festhalters an.
Personnel Recovery verbindet die Bemühungen der isolierten Person mit tatsächlich verfügbaren militärischen, diplomatischen und zivilen Mitteln zur Rückführung. Die Vorbereitung des Gefangenen erhält seine Möglichkeiten, bis ein Entkommen, eine Freilassung oder eine unterstützte Rückkehr möglich wird. Eine militärische Recovery braucht verfügbare Kräfte und Zugang zur Person; ihre tatsächliche Aufnahme muss durchführbar sein. In Gefangenschaft können Funkgerät, Verbindung und eigene Bewegung vollständig fehlen.
Nach der tatsächlichen Rückkehr unter die Kontrolle der eigenen oder einer befreundeten Organisation folgt Reintegration. Im NATO-PR-Rahmen umfasst sie medizinische und psychologische Versorgung sowie Befragungen für Erkenntnisse über die Lage und die Verbesserung künftiger Vorbereitung. Die Verantwortung liegt bei der jeweiligen Nation. Eine Ausbildungsnachbereitung bespricht die dargestellte Gefangenschaft; eine Reintegration kümmert sich um die aus wirklicher Isolation zurückgekehrte Person.