Wiki · Begriffserklärung

EPRC

EPRC steht für European Personnel Recovery Centre. Das multinationale Fachzentrum in Poggio Renatico in Italien entwickelt und harmonisiert Verfahren für Personnel Recovery, bildet PR-Stabspersonal und Rückführungskräfte aus und unterstützt die Zusammenarbeit nationaler SERE-Schulen. Sein Auftrag verbindet die Vorbereitung auf militärische Isolation mit der Planung und Durchführung von Rückführungen sowie der Weiterentwicklung des gesamten PR-Systems.

Personnel Recovery betrifft Menschen, die von ihrer Einheit oder Organisation getrennt wurden und unter Umständen überleben, sich einer Gefangennahme entziehen oder gegnerischer Ausnutzung widerstehen müssen. An ihrer Rückkehr arbeiten drei Gruppen mit unterschiedlichen Aufgaben: die möglicherweise isolierten Personen selbst, Kommandeure und Stäbe sowie die Kräfte, die eine Rückführung durchführen. Das EPRC entwickelt die Zusammenarbeit dieser Gruppen durch Facharbeit, Lehrgänge, Übungen und Beratung.

Gemeinsame Verfahren im multinationalen Kräfteverbund

Eine Rückführungsmission kann Hubschrauberbesatzungen, Begleitschutz und einen Bodentrupp aus verschiedenen Nationen zusammenführen. Diese müssen dieselbe Lagebeschreibung verstehen und ihre Aufgaben aufeinander abstimmen: Wer prüft den Aufnahmeort, wer schützt die Aufnahme, wer nimmt Kontakt auf und wer bringt die Person zum Transportmittel? Gemeinsame Begriffe, Planungsformate und Verfahren ermöglichen, dass ein Auftrag aus dem Stab über die Flugbesatzung bis zum Bodentrupp denselben Inhalt behält.

Das Zentrum entwickelt, überprüft und pflegt dazu Konzepte, Doktrin, Richtlinien und Standards. Beobachtungen aus Übungen und Einsätzen fließen über seine Beratung und die nationalen und NATO-Verfahren zur Auswertung von Erfahrungen in diese Arbeit ein. Ein geänderter Aufnahmeort betrifft beispielsweise sowohl den Anflug als auch den Weg des Bodentrupps und die Schutzaufgaben. Erreicht die Änderung nur einen Teil des Kräfteverbundes, arbeiten diese Elemente mit unterschiedlichen Voraussetzungen weiter. Im gemeinsamen Verfahren muss deshalb feststehen, wie geänderte Planungsdaten zwischen den beteiligten Rollen übermittelt und abgestimmt werden.

Stabsausbildung und operative Beratung

Der Joint Personnel Recovery Staff Course, kurz JPRSC, vermittelt die Grundkenntnisse und Fähigkeiten für die Arbeit in einer Personnel Recovery Coordination Cell oder einem Joint Personnel Recovery Centre. Das sind operative Koordinierungsstellen für Rückführung, in denen PR-Stabspersonal innerhalb nationaler, NATO- oder EU-Stäbe arbeitet. Das EPRC unterstützt außerdem auf Anforderung den Aufbau solcher Stellen sowie die Erstellung von Plänen und Befehlen. Seine Fachleute helfen damit, die Rückführungsorganisation einer Übung oder Operation vorzubereiten.

Der Stab prüft die gemeldete Position und verknüpft Zustand und Bewegungsfähigkeit der Person mit gegnerischer Bedrohung und vorhandenen Kräften. Zur Planung gehören auch die Zuständigkeiten für Start, Durchführung oder Zurückhalten einer Mission. Für eine Hubschrauberaufnahme müssen Anflug und Aufenthalt am Aufnahmeort gegen die festgestellten Bedrohungen geplant werden. Zugleich muss der Bodentrupp wissen, ob die Person selbst zum Hubschrauber gehen kann oder Versorgung und Transport benötigt. Diese Anforderungen bestimmen, welche Kräfte und Zeit für die Aufnahme benötigt werden.

Eine Isolationsmeldung kann von der Person selbst kommen, aber auch von einer Einheit, einem Augenzeugen, einer Aufklärungsmeldung oder einer festgestellten Überfälligkeit. Der Stab muss zunächst den Vorfall und anschließend die Position bestätigen. Vor der Aufnahme prüfen Rückführungskräfte die Identität: Ein genauer Punkt auf der Karte belegt weder, wer dort wartet, noch ob der Kontakt vom Gegner vorgetäuscht wurde. Für die isolierte Person ist deshalb entscheidend, dass vorbereitete Erkennungsinformationen geschützt bleiben und ihre aktuelle Lage von früheren Planungsannahmen unterschieden wird.

Besatzungen und Bodentrupps gemeinsam ausbilden

Für Rückführungskräfte führt das EPRC den Air Centric Personnel Recovery Operatives Course, kurz APROC, durch. Weniger erfahrene Besatzungen üben multinationale Missionen mit mehreren unterschiedlichen Luftfahrzeugen. Erfahrene Piloten übernehmen in der Ausbildung die Aufgaben eines Rescue Mission Commander: die Mission planen und führen, den Kräfteverbund einweisen und die Durchführung nachbesprechen. Die Führer der Extraction Forces, also der für den unmittelbaren Kontakt eingesetzten Bodentrupps, beteiligen sich an dieser Planung.

Bei einer luftgestützten Aufnahme transportiert der Rückführungshubschrauber den Bodentrupp und später die isolierten Personen. Der Begleitschutz übernimmt Aufklärung und schützt den Kräfteverbund vor Bedrohungen. Der Bodentrupp stellt den körperlichen Kontakt her, prüft die Identität, leistet bei Bedarf Notfallversorgung und bringt die Person zum Hubschrauber. Der Missionsführer muss diese Tätigkeiten zeitlich und räumlich zusammenführen. Der Bodentrupp benötigt deshalb bereits in der Planung eine Verbindung zur Flugbesatzung; seine Arbeit beginnt vor dem Absetzen am Aufnahmeort.

Die Ausbildung verbindet rollenbezogenen Unterricht mit Missionsplanung und tatsächlichen Übungsflügen. Getrennte Unterrichtsgruppen behandeln unterschiedliche Aufgaben, erfahrene Missionsführer erhalten vertiefende Anteile. Unterlagen und Befehle werden auf Englisch bereitgestellt. Mission Mentors and Monitors begleiten den Planungsprozess und berücksichtigen die Flugsicherheit. In der Durchführung treffen die Teilnehmer auf veränderte oder nicht eingeplante Bedingungen. Die anschließende Auswertung kann dadurch zeigen, an welcher Stelle der Plan angepasst werden musste und welche Information andere Teile des Kräfteverbundes benötigten.

Zum Feldtraining gehören das Einsetzen von Bodentrupps, Authentifizierung unter gegnerischer Bedrohung und Verwundetenversorgung. Kann eine Person nicht selbst zum Transportmittel gehen, verändern Versorgung und Tragen die Aufgaben des Bodentrupps und den zeitlichen Bedarf am Aufnahmeort. Dies muss in die Zusammenarbeit mit Besatzung und Schutzkräften eingehen. APROC konzentriert sich auf Hubschrauberrückführung und führt seine Flugmissionen bei Tag durch; die Planung einer boden- oder seegestützten Rückführung und die Befähigung für Nachtmissionen erfordern darüber hinaus passende Ausbildung und Mittel.

SERE-Vorbereitung und die eigene Mitwirkung

Das EPRC bringt nationale SERE-Schulen zum Erfahrungsaustausch zusammen und unterstützt Ausbilder durch Workshops, Seminare sowie Fachberatung zu Verfahren und Ausrüstung. Die persönliche Vorbereitung richtet sich weiterhin nach nationalem Ausbildungssystem, Isolations- und Ausnutzungsrisiko sowie Einsatzumgebung. Das betrifft etwa die Verbindung zwischen eigener Evasion, nutzbarer Signalisierung und der späteren Kontaktaufnahme. Unterschiedliche Geräte und Ausbildungsstände müssen im gemeinsamen PR-Plan berücksichtigt werden, weil sie bestimmen, welche Informationen die Person unter den jeweiligen Bedingungen überhaupt übermitteln kann.

Im NATO-Rahmen können ein Evasion Plan of Action, kurz EPA, und ein Isolated Personnel Report, kurz ISOPREP, diese Vorbereitung unterstützen. Der EPA vermittelt den Rückführungskräften die geplanten Absichten während der Evasion; der ISOPREP stellt Informationen zur Identitätsprüfung bereit. Ein EPA enthält Absichten und ersetzt die Prüfung der aktuellen Position und Verfassung nicht. Entsteht tatsächlich eine geeignete Verbindung, müssen aktuelle Lage und Bewegungsfähigkeit in die Abstimmung eingehen. Vereinbarte Authentifizierungsmittel schützen den Kontakt nur, solange ihre Informationen dem Gegner verborgen bleiben; ihre Preisgabe kann einen vorgetäuschten Kontakt ermöglichen.

Die operative Rückführung bleibt an die tatsächlich verfügbaren und einsetzbaren Kräfte gebunden. Ein nahe gelegener eigener Verband kann einen anderen Zugriff ermöglichen als ein erst zusammenzustellender multinationaler Luftkräfteverbund. Bedrohung, Gelände, Zustand der Person und Zugang zum Aufnahmeort bestimmen den Aufwand. Die vom EPRC ausgebildeten Stäbe und Kräfte bearbeiten diese Aufgaben in ihren jeweiligen Organisationen; eine Isolationsmeldung wird über deren operative Melde- und Führungswege bearbeitet.

Reintegration als eigene Aufgabe

Nach der Rückholung müssen Gesundheitsversorgung und die Gewinnung von SERE-, Einsatz- und nachrichtendienstlichen Informationen organisiert werden. Im Rahmen von APROC hat das EPRC dafür SERE-Ausbilder, Psychologen, Teamführer und nachrichtendienstliches Personal in einer eigenen Reintegrations- und Debriefing-Ausbildung zusammengebracht. Eine Flugbesatzung und ein Reintegrationsfachteam übernehmen damit unterschiedliche Tätigkeiten: Die eine ermöglicht Transport und Aufnahme, das andere betreut die zurückgeführte Person und arbeitet deren Isolation auf.

Das EPRC hat gemeinsam mit der US-amerikanischen Joint Personnel Recovery Agency und deren Personnel Recovery Education and Training Center Reintegrationsunterricht und Workshops auf der Grundlage der Lehrgänge PR296 und PR297 durchgeführt. Die Teilnehmer entwickeln daraus Ansätze für eigene nationale Programme, Doktrin und Ausbildung. Die Reintegration bleibt national zu planen; die Unterstützung durch eine andere Nation kann über bilaterale Vereinbarungen geregelt werden. Bei multinationaler Rückholung muss deshalb auch die Übergabe an die zuständigen Betreuungs- und Debriefingteams vorbereitet sein, damit Informationen über Verletzungen, Versorgung und die erlebte Isolation die Person bis zur weiteren Betreuung begleiten.