Ein Hämostyptikum zur äußeren Blutstillung ist ein Verbandmittel, dessen Material die Blutung an einer zugänglichen Verletzungsstelle örtlich stillen hilft. Hämostatische Gaze verbindet eine Mullbahn mit einem blutstillenden Bestandteil. Sie wird bei starken, von außen komprimierbaren Blutungen verwendet und muss die tatsächliche Blutungsquelle erreichen; kräftiger direkter Druck gehört zur Anwendung. Im Combat Survival ist sie ein Mittel der unmittelbaren Selbst- oder Kameradenhilfe vor weiterführender Versorgung, besonders für geeignete Wunden, an denen ein Gliedmaßentourniquet nicht eingesetzt werden kann.
Wie die Gaze die Blutstillung unterstützt
Gewöhnlicher Mull nimmt Blut auf, überträgt den Druck der Hand und kann einen geeigneten Wundraum ausfüllen. Die Blutstillung entsteht dabei durch wirksamen Druck gegen die verletzte Stelle und die körpereigene Gerinnung. Ein Verband, der sich lediglich vollsaugt, während weiter Blut aus der Wunde fließt, erfüllt diese Aufgabe noch nicht. Die zusätzliche Beschichtung hämostatischer Gaze wirkt dort, wo sie mit dem austretenden Blut beziehungsweise dem verletzten Gewebe in Kontakt kommt. Material, das nur locker über der Wundöffnung liegt, erreicht eine tiefer liegende Blutungsquelle nicht ausreichend.
Bei Combat Gauze ist Kaolin in die Gaze eingebracht. Die Oberfläche dieses Minerals aktiviert den Gerinnungsfaktor XII und beschleunigt damit einen Teil der körpereigenen Gerinnungskaskade. Es unterstützt die Bildung eines Gerinnsels an der Verletzung. Das ist ein anderer Wirkungsweg als bei Celox Rapid: Dort haften aktivierte Chitosanbestandteile an feuchtem Wundgewebe und bilden ein haftendes Gel, das die Blutungsstelle verschließen hilft. Die Materialwirkung beider Modelle benötigt die richtige Platzierung; die Packung mit ihrem Wirkstoff ersetzt weder das Anpressen noch die Kontrolle der Blutung.
Eine örtlich gestillte Blutung führt das bereits verlorene Blut nicht in den Kreislauf zurück. Nach schwerem Blutverlust können Kreislauf- und Gerinnungsstörungen weiter bestehen, auch wenn außen kein frisches Blut mehr austritt. Verschlechtert sich der Zustand trotz Blutstillung, müssen weitere äußere und mögliche innere Verletzungen berücksichtigt werden.
Welche Blutungen damit erreichbar sind
Geeignet ist eine äußere Blutung, bei der Druck bis zur verletzten Stelle übertragen werden kann. Bei einer entsprechenden tiefen Weichteilwunde bringt das Tamponieren, also das dichte Einbringen von Gaze, diesen Druck und das hämostatische Material an die Blutungsquelle. Das kann etwa bei bestimmten Leisten- oder Achselverletzungen wichtig sein: Dort sitzt die Blutung am Übergang zum Rumpf, außerhalb des Bereichs, den ein normales Arm- oder Beintourniquet wirksam abschnüren kann. Eine lebensbedrohliche Blutung an einem dafür geeigneten Arm oder Bein bleibt dagegen eine Tourniquetindikation; langes Hantieren mit Gaze darf den Einsatz eines vorhandenen, beherrschten Tourniquets nicht verzögern.
Eine Verletzungsöffnung am Brustkorb oder Bauch ist kein Auftrag, Material in die Körperhöhle zu stopfen. Eine von außen sichtbare Öffnung kann zu inneren Gefäßen und Organen führen, die durch Druck auf die Oberfläche nicht erreicht werden. Hämostatische Gaze behandelt diese innere Blutung nicht. Die europäische Celox-Rapid-Anweisung schließt Bauchwunden und das Einbringen in Körperhöhlen ausdrücklich aus. Ebenso gehört das Material nicht auf eine Augenverletzung. Ein feststeckender Gegenstand bleibt in der Wunde; Druck wird um ihn herum ausgeübt, ohne ihn weiter hineinzudrücken oder herauszuziehen.
Eigene Handlung und sachgerechte Tamponade
Eine stark blutende, erreichbare äußere Wunde wird sofort mit kräftigem direktem Druck behandelt, sobald die Bedrohungslage dies zulässt. Ohne Verbandmittel kann die eigene Hand Druck ausüben; ist ein sauberes Tuch oder geeigneter Stoff greifbar, wird er direkt gegen die Blutungsstelle gedrückt. Fehlende Handschuhe oder die Suche nach einer besonderen Packung dürfen die eigene Blutstillung nicht aufschieben. Eine starke Blutung wird nicht zuerst ausgewaschen. Die Hand hält den Druck, statt sie in kurzen Abständen zum Nachsehen abzuheben.
Bei vorhandener hämostatischer Gaze setzt die Tamponade voraus, dass die Person das Verfahren am jeweiligen Produkt gelernt hat und eine geeignete äußere Wunde erkennen kann. Nach Öffnen der Packung wird ein Ende der Gaze unmittelbar an die identifizierte Blutungsquelle gebracht. Während dort Druck erhalten bleibt, wird der geeignete Wundraum dicht gefüllt, sodass die anschließend drückende Hand ihre Kraft tatsächlich auf die Blutungsstelle überträgt. Bei Celox Rapid kann der verbleibende Wundraum mit weiterer Produktgaze oder gewöhnlichem Mull bis über Hautniveau aufgefüllt werden. Ein unbekannter Stich- oder Schusskanal wird weder blind mit Fingern oder Werkzeugen erkundet noch allein wegen seiner Tiefe ausgestopft. Wer die Wunde oder die Anwendung nicht sicher beherrscht, hält wirksamen äußeren Druck aufrecht.
Die Druckdauer gehört zum konkreten Modell und zum angewandten Versorgungsverfahren. Combat Gauze verlangt drei Minuten Druck beziehungsweise Druck bis zum Stillstand der Blutung. Für hämostatische Verbände sieht das US-TCCC-Verfahren mindestens drei Minuten direkten Druck vor. Die europäische Celox-Rapid-Packungsanweisung verlangt bei fortbestehender Blutung festen Druck für eine Minute beziehungsweise bis die Blutung gestoppt ist. Daraus wird keine allgemeine Ein-Minuten-Regel für andere Gaze und keine Verkürzung des TCCC-Verfahrens. Fließt weiter frisches Blut, wird der Druck fortgesetzt und die Blutstillung erneut beurteilt. Nach erfolgreicher Kontrolle erhält ein geeigneter Druckverband den Druck und hält die Gaze an ihrer Stelle.
Wenn Blut weiter austritt
Frisches Blut, das weiter an der Gaze vorbeifließt, eine rasch zunehmende Durchtränkung des Verbandes mit Blut oder eine erneute Blutung nach Bewegung zeigen, dass die Kontrolle nicht ausreicht. Zuerst wird wieder kräftiger direkter Druck auf die Blutungsstelle ausgeübt. Innerhalb des erlernten Verfahrens wird geprüft, ob die Gaze die Quelle erreicht, der Wundraum ausreichend gefüllt ist, der Druckverband verrutscht ist oder eine weitere Verletzung blutet. Weitere Lagen auf einer erfolglosen Tamponade können Blut aufnehmen, ohne den fehlenden Kontakt zur Quelle zu beheben. Im TCCC-Verfahren kann eine erfolglose hämostatische Gaze durch frische Gaze desselben oder eines anderen geeigneten Typs ersetzt werden. Das ist eine Maßnahme bei fortgesetzter Blutung; eine wirksame Tamponade wird nicht routinemäßig herausgezogen.
Ohne weitere Packung bleibt direkter Druck mit den tatsächlich vorhandenen Mitteln die eigene Maßnahme. Bei einer anatomisch geeigneten lebensbedrohlichen Gliedmaßenblutung kommt ein verfügbares, beherrschtes Tourniquet hinzu. Eine kaolinhaltige oder chitosanhaltige medizinische Gaze wird nicht durch beliebiges Pulver ersetzt. Zunehmende Benommenheit, Verwirrtheit oder ein schwacher Puls nach schwerem Blutverlust verlangen außerdem die Suche nach fortbestehender oder weiterer Blutung. Ein trockener äußerer Verband erklärt solche Veränderungen nicht weg; eine innere Blutung kann trotz kontrollierter äußerer Wunde fortschreiten.
Druck während Bewegung erhalten
Vor notwendiger Bewegung werden lose Verbandenden gesichert, damit sie nicht an Ausrüstung oder Gelände hängen bleiben. Die versorgte Stelle muss ihren Druck behalten und für eine erneute Beurteilung erreichbar bleiben. Nach einem Lagewechsel oder einer Bewegung wird bei der nächsten taktisch möglichen Gelegenheit auf frisches Blut, Verrutschen und nachlassenden Verbanddruck geprüft, ohne eine wirksame Tamponade zum bloßen Nachsehen zu entfernen. Solange keine sichere Drucksicherung erreicht ist, bleibt die Hand als Druckmittel nötig. Verfügbare Isolierung gegen kalten Boden und Schutz vor Wind begrenzen weiteren Wärmeverlust; dafür wird die verletzte Person nicht unnötig weit entkleidet.
Die leere Produktpackung bleibt, soweit möglich, bei der verletzten Person. Sie zeigt bei einer später tatsächlich möglichen Übergabe, welches Material verwendet wurde; Verletzungsstelle, Anwendungszeit, erneute Blutung und weitere Maßnahmen werden auf einem vorhandenen Zettel oder einer Verwundetenkarte festgehalten. Die Produkte sind sterile Einmalmittel, und eine beschädigte Packung erhält die vorgesehene Sterilität nicht. Bereits verwendete Gaze wird nicht gereinigt und wieder eingepackt. Medizinische Entfernung und anschließende Wundversorgung müssen das Material berücksichtigen. Celox Rapid sieht die Entfernung einschließlich Rückständen innerhalb von 24 Stunden vor; diese Vorgabe ist kein Anlass, eine wirksame Tamponade nach Ablauf einer Frist ohne medizinische Versorgung selbst herauszuziehen.
Militärischer und ziviler Versorgungsrahmen
US-TCCC setzt bei unmittelbarer Bedrohung für eine geeignete lebensbedrohliche Gliedmaßenblutung früh ein Tourniquet ein. Das längere Offenlegen, Beurteilen und Tamponieren geeigneter anderer Wunden gehört in die taktisch mögliche Versorgung unter relativer Deckung. Die britische zivile Erste Hilfe beginnt mit direktem Handdruck und steigert die Blutstillung mit verfügbarem Verbandmaterial und gegebenenfalls einem Tourniquet. Der Unterschied hat eine praktische Folge: Eine Abfolge für einen zugänglichen Unfallort wird nicht unverändert unter Beschuss ausgeführt. Die konkrete Packungsanweisung, die beherrschte Anwendung und der Versorgungsrahmen bestimmen gemeinsam, wie eine vorhandene Gaze eingesetzt wird.