Eine Rettungsinsel, englisch Liferaft oder Life Raft, ist ein schwimmendes Überlebensmittel, das Personen nach dem Verlassen eines Schiffes oder Luftfahrzeugs aufnimmt und möglichst aus dem Wasser hält. Auftriebskörper tragen Insassen und Ausrüstung; ein vorhandenes Schutzdach vermindert die Einwirkung von Wind, Spritzwasser und Sonne. Für isoliertes Personal verbindet die Insel den Schutz an der Wasseroberfläche mit der Möglichkeit, zusammenzubleiben, verfügbare Überlebensmittel zu nutzen und die eigene Auffindbarkeit zu unterstützen.
Auftrieb und Schutz
Bei einer aufblasbaren Insel bilden gasdichte Schläuche den tragenden Rand. Ihr Volumen verdrängt Wasser und erzeugt den Auftrieb, der die Last trägt. Eine Gasflasche füllt die Kammern nach Betätigung des Auslösers; als Füllgas kommen beispielsweise Kohlendioxid und Stickstoff zum Einsatz. Rückschlagventile halten das Gas in den jeweiligen Kammern. Getrennte Kammern begrenzen die Folgen einer einzelnen Beschädigung: Ein Loch in einem Schlauch entleert dann nicht zugleich die anderen. Wie viel Last die verbleibenden Auftriebskörper tragen, gehört zur jeweiligen Konstruktion. Die Reserve einer mehrkammerigen Schiffsinsel lässt sich nicht auf jede kleine Luftfahrzeuginsel übertragen. Starre Rettungsinseln erhalten ihren Auftrieb dagegen aus fest eingebauten schwimmfähigen Körpern.
Der Boden trägt die Personen oberhalb des umgebenden Wassers. Eine isolierende Bodenschicht oder ein zusätzlicher aufblasbarer Boden vermindert den Wärmeverlust zur kalten Wasseroberfläche; manche Böden müssen mit dem mitgeführten Blasebalg separat gefüllt werden. Das Dach hält Regen und Spritzwasser ab, bremst den Wind und spendet Schatten. Seine Öffnungen müssen zugleich Luftaustausch ermöglichen. Wasser im Innenraum und durchnässte Kleidung können auch unter einem geschlossenen Dach weiter auskühlen. Ein Dach ohne Bodenisolation bietet deshalb einen anderen Schutz als eine vollständig geschützte Ausführung.
Weitere Bauteile lösen einzelne Probleme. Eine Einstiegsrampe oder Leiter erleichtert das Überwinden des hohen Schlauchrandes. Halteleinen außen bieten einen Griff für Personen im Wasser, innen helfen sie, die eigene Position bei Seegang zu halten. Ballasttaschen unter der Insel nehmen Wasser auf. Sie erhöhen die bewegte Masse und den Wasserwiderstand gegen schnelle Lageänderungen und stabilisieren dadurch die Insel. Ein Treibanker erzeugt Widerstand im Wasser, dämpft Bewegungen und vermindert die Winddrift. Er hält die Insel weder am Meeresgrund fest noch an einer unveränderlichen geografischen Position: Mit einer Strömung kann auch die stabilisierte Insel weiter versetzen.
Schiffsinseln, Luftfahrzeuginseln und militärische Ausführungen
Schiffsinseln werden unter anderem in festen Containern an Deck oder in tragbaren Taschen gestaut. Eine Wurfinsel wird ins Wasser ausgebracht und dort entfaltet. Eine dafür gebaute Davitinsel kann aufgeblasen, am Einschiffungspunkt besetzt und mit der vorgesehenen Aussetzvorrichtung abgesenkt werden. Selbstaufrichtende Modelle drehen sich aus der verkehrten Lage zurück; bei anderen muss eine Person das vorgesehene Aufrichtsystem benutzen. Wieder andere sind beidseitig verwendbar.
In Luftfahrzeugen begrenzen Gewicht, Stauraum und Ausstiegsweg die Bauform. Es gibt persönliche Einpersoneninseln und größere Inseln für Besatzungen oder Passagiere. Persönliche Modelle können in der Nähe des Sitzes oder am Träger untergebracht sein; Gasbetätigung, Sicherungsleinen und Verbindung zur persönlichen Ausrüstung unterscheiden sich entsprechend. Schon innerhalb einer militärischen Einpersonenfamilie kommen aufblasbare oder einfache Böden, verschiedene Dächer und Ausführungen ohne Dach vor. Die Ausbringung einer Decksinsel lässt sich deshalb nicht als Ablauf nach einem Flugunfall verwenden.
Eine zivile SOLAS-Ausführung ist auf das jeweilige maritime Zulassungsmodell abgestimmt. Militärische Inseln können davon abweichende Anforderungen an Abmessungen, Befestigung und sichtbares Profil erfüllen. Dunkle Dach-, Schlauch- und Leinenmaterialien sowie eine abschaltbare Außenleuchte vermindern bei bestimmten Ausführungen die optische Auffälligkeit. Damit wird auch das visuelle Auffinden durch eigene Kräfte schwieriger. Farbe allein sagt weder etwas über Tragfähigkeit aus noch verdeckt sie die Insel gegenüber sämtlichen Beobachtungsmitteln.
Ausbringen und Einsteigen
Vor dem Einsatz sind am tatsächlich verfügbaren Modell vor allem Stauort, Zugriff, zugelassene Personenzahl, Auslösung und Ausbringungsweg zu klären. Bei einer Decksanlage Behälter, Halterung, Verzurrung, Kennzeichnung mit Tragzahl und Serviceangabe sowie einen vorhandenen hydrostatischen Auslöser von außen kontrollieren. Risse oder auseinanderstehende Containerhälften gefährden den Schutz des gepackten Inhalts. Lose Gurte lassen den Container in der Halterung arbeiten; beschädigte Gurte gefährden seinen Halt. Am hydrostatischen Auslöser auf Risse, Verformungen und eine lesbare, noch nicht überschrittene Ablaufkennzeichnung achten. Bleibt die automatische Freigabe wegen eines beschädigten oder überalterten Auslösers aus, kann die Insel mit dem Schiff untergehen. Der Ausbringungsbereich muss frei sein; eine zusätzliche Befestigung darf die vorgesehene Freigabe nicht blockieren. Einen versiegelten Container zur eigenen Funktionskontrolle zu öffnen oder probeweise die Gasfüllung auszulösen, verbraucht beziehungsweise verändert das einsatzbereit gepackte System.
Bei einer manuell ausgebrachten Wurfinsel wird die dafür vorgesehene Fangleine, auch Painter genannt, zuerst am bezeichneten Befestigungspunkt gesichert. Sie hält die Verbindung zum Schiff. Die Halterung wird gelöst und der Behälter nach den modellbezogenen Anweisungen auf eine freie Wasserfläche ausgebracht. Der vorgesehene Zug an der herausgezogenen Fangleine betätigt die Gasfüllung. Die Insel muss ihre tragende Form erreichen, bevor sie belastet wird. Ein Einstieg direkt vom Fahrzeug vermeidet zusätzliche Kaltwasserbelastung, soweit Lage und Einrichtung ihn ermöglichen. Auf das Schutzdach zu springen gefährdet das Material und Personen darunter.
Eine Float-free-Anlage erfüllt einen anderen Ablauf. Beim Sinken betätigt zunehmender Wasserdruck den hydrostatischen Auslöser, der die Verzurrung freigibt. Der aufsteigende schwimmfähige Container zieht die Fangleine und löst darüber die Gasfüllung aus. Danach trennt ein dafür ausgelegtes Sollbruchglied die Verbindung zum sinkenden Schiff. Dafür müssen Halterung, Leinenführung und Sollbruchglied zusammenpassen. Ein eingeklemmter Container oder eine zusätzliche feste Verbindung kann das Freischwimmen verhindern. Bloßer Wasserkontakt entfaltet weder eine beliebige Tasche noch jede Luftfahrzeuginsel.
Im Wasser kann eine leichte Insel schneller wegtreiben, als eine ausgekühlte Person schwimmt. Vorgesehene Haltepunkte und Einstiegsrampe sind deshalb entscheidend, sobald die Insel erreichbar ist. Eine verkehrt schwimmende Insel erfordert je nach Modell das bezeichnete Aufrichtsystem; eine beliebige Halteleine erfüllt dessen Hebelfunktion nicht. Beim Einstieg vorhandene Fuß- und Handgriffe nutzen. Eine Verbindung zum Schiff hält die Insel zunächst für erreichbare Personen am Einschiffungsort. Vor dem Mitziehen durch den sinkenden Rumpf muss sie mit der vorgesehenen Trennmöglichkeit gelöst werden. Nach dem Einstieg sind Rumpf, Wrackteile und andere Hindernisse zu meiden. Vorhandene Paddel helfen bei solchen kurzen Abstandsmanövern; eine Insel wird damit kein zuverlässig steuerbares Fahrzeug für eine längere Seefahrt.
Rettungsinsel und Ausrüstung einsatzfähig halten
Nach dem Einstieg zählen zunächst Schwimmlage, Personen und erreichbare Mittel. Eingedrungenes Wasser mit dem vorhandenen Schöpfmittel entfernen, tragende Kammern, Boden und Dach auf Schäden prüfen und Gegenstände gegen Verlust sichern. Beim Umsetzen mehrerer Personen die Gewichtsverteilung beachten; enges Zusammenrücken für Wärme darf die Insel nicht einseitig belasten. Sind keine weiteren Personen mehr an einem Einstieg erreichbar, verringert das Schließen der dafür vorgesehenen Abdeckung den weiteren Eintritt von Wasser und Wind. Die vorgesehene Lüftung bleibt erhalten.
Nachfüllventile, Überdruckventile und Gasbetätigung haben unterschiedliche Aufgaben. Überdruckventile lassen überschüssiges Gas entweichen; ihre normale Funktion darf nicht als Leck durch beliebiges Verschließen unterbunden werden. Ein vorhandener Blasebalg wird am dafür vorgesehenen Nachfüllanschluss der betroffenen Kammer verwendet. Ein Loch lässt neu eingebrachtes Gas wieder entweichen. Passende Leckstopper oder Reparaturmittel können dann die Leckstelle begrenzen, soweit Beschädigung und mitgeführte Anleitung dies erlauben. Ein ausgefallener Schlauch verlangt eine neue Beurteilung der tragenden Form und des Wassereintritts, auch wenn andere Kammern gefüllt bleiben.
Einen vorhandenen Treibanker nach der vorgesehenen Ausbringungsfolge einsetzen. Sein Widerstand hilft gegen schnelle Winddrift und unruhige Lage, behindert aber auch das Wegpaddeln von Hindernissen. Auf Abstand zu einem gefährdenden Rumpf oder brennendem Bereich und auf die vorgesehene Ausbringungsfolge achten. Danach bleiben Wind, Wellen und Strömung bestimmend für die Versetzung. Ohne laufende Positionsbestimmung zeigt der Ort des Unfalls nicht, wo die Insel später liegt.
Kälte verlangt Schutz vor nassem Sitzplatz, Wind und weiterer Durchfeuchtung; vorhandene Bodenisolation und Schutzkleidung ergänzen sich. In starker Sonne vermindert das Dach direkte Einstrahlung, während Luftaustausch übermäßige Wärme im Innenraum begrenzt. Trinkwasser, Rationen und ein Regenfänger sind vom tatsächlich mitgeführten Paket und Modell abhängig. Ein Regenfänger erschließt nur bei geeignetem Niederschlag zusätzliches Wasser. Die verbleibende Handlungsfähigkeit wird durch Kälte oder Hitze, den Zustand der Insassen, die verfügbaren Trinkwasservorräte und den Erhalt der Insel begrenzt.
Auffinden, Alarmieren und Aufnahme
Leuchtfarbe, Reflexstreifen und eine vorhandene Außenleuchte erleichtern die Sichtsuche auf verschiedene Weise: Farbe bietet Kontrast, Reflexmaterial wirft auftreffendes Licht zurück, die Leuchte sendet selbst Licht aus. Ein vorhandener Radarreflektor verbessert das zurückgeworfene Radarsignal. Ein Radar-SART antwortet aktiv auf geeignetes Suchradar; ein AIS-SART sendet Ortungsnachrichten an empfangende AIS-Anlagen in Reichweite. Diese Funktionen helfen beim Finden. Eine tatsächlich verfügbare und aktivierte 406-MHz-Notfunkbake kann dagegen über das Satellitensystem einen Notfall melden.
Die vorhandenen Geräte brauchen ihre jeweilige Betriebsanordnung. Eine dafür ausgelegte EPIRB kann in ihrer vorgesehenen Schwimmlage an einer nicht sinkenden Verbindung gesichert arbeiten. Eine PLB muss oberhalb des Wassers mit geeigneter Antennenausrichtung betrieben werden; Körper und Ausrüstung dürfen die Antenne nicht verdecken. Bleibt eine Bake am Wrack zurück oder treibt sie getrennt weiter, führt ihre Ortung zum Gerät. Verfügbare Ortungsmittel bei den Insassen zu halten, verbindet den Senderort mit der Insel. Gerätesignale ersetzen weder eine Sprechverbindung noch die Beobachtung durch eine Besatzung.
Im britischen Maritime-SERE-Ausbildungsmodell wurde das Unterwasserausstiegstraining mit dem Aufenthalt in persönlichen Rettungsinseln und anschließendem simuliertem Windenbergen verbunden. Die Insel löst dabei das Problem an der Oberfläche nach dem Ausstieg; HUET behandelt den vorherigen Unterwasserausstieg. Bei einer wirklichen Isolation müssen verfügbare Kräfte erst einen nutzbaren Ort erhalten und erreichen können. In militärischer Rückführung kommen die Überprüfung der Person und die taktische Durchführbarkeit hinzu. Licht und Funk können auch Gegnern den Ort zeigen. Die tatsächlichen Signalmittel und die einsatzbezogenen Kommunikationsvorgaben bestimmen deshalb ihre Verwendung.