ODP steht für Operational Debriefer Program. Das Programm des Naval Education and Training Command der US Navy stellt vorbereitete Kräfte für die operative Reintegration nach militärischer Isolation bereit. SERE-Debriefer besprechen mit zurückgeführten Personen ihre Isolationserfahrungen, erfassen verwertbare Erkenntnisse und führen diese einer geordneten Auswertung zu. Das ODP verbindet damit die persönliche Rückkehr mit der Verbesserung von Vorbereitung und Personnel Recovery.
Träger, Personal und Einsatzvorbereitung
Im Navy-System trägt der Kommandeur des Center for Security Forces die Verantwortung als ausführende Stelle des Naval Education and Training Command. Das Center koordiniert oder stellt SERE-Psychologen und operative SERE-Debriefer für das Navy-Reintegrationsteam bereit. Die übergeordnete Navy-Zuständigkeit für Reintegration liegt beim Office of the Chief of Naval Operations, Bereich N1.
Der ODP-Koordinator muss den Joint Personnel Recovery Debriefer’s Course am Personnel Recovery Education and Training Center absolviert haben und eine zu seinen Aufgaben und Informationszugängen passende Sicherheitsfreigabe besitzen. Er hält qualifizierte Debriefer verfügbar, stimmt ihre Zuweisung mit dem Reintegrationsteam ab und pflegt die Verbindung zum Reintegration Program Manager des Navy Personnel Command. Aktuelle Kontakte und gemeinsame Ablaufproben bereiten die Zusammenarbeit vor einer kurzfristigen Aufgabe vor.
Zur Vorbereitung gehört ein transportables „fly-away kit“ für Phase III der Reintegration. Es ermöglicht, das Gespräch zwischen SERE-Debriefer und Rückkehrer aufzuzeichnen und die Ergebnisse elektronisch oder auf anderem Weg weiterzugeben. Die gesicherte Kommunikation der Koordinatoren nutzt bereits angeschlossene geschützte Systeme; sie ist eine gesonderte Infrastruktur neben der Ausstattung dieses Kits.
Von der Aufnahme zur Nachbesprechung
Reintegration beginnt nach der tatsächlichen Rückkehr unter die Kontrolle der eigenen oder einer befreundeten Organisation. Für das Gespräch muss die Person zunächst versorgt und ihr Zustand beurteilt werden. Im US-Verfahren sollen medizinische Triage und SERE-psychologische Einschätzung den Nachbesprechungen vorausgehen. Benötigte medizinische und psychische Betreuung beeinflusst deren Zeitpunkt und Umfang. Der ODP-Debriefer übernimmt dabei die operative Nachbesprechung; für die psychologische Navy-Funktion ist ein eigens in Resistance ausgebildeter, qualifizierter SERE-Psychologe vorgesehen.
Das Reintegrationsteam bereitet die Nachbesprechungen mit persönlichen Hintergrunddaten und vorhandenen Unterlagen vor. Es legt Inhalt, Ort, Zeit und Teilnehmer fest und erklärt dem Rückkehrer die nächsten Schritte. Die US Army richtet die Zusammensetzung des Teams nach Lage, Zahl und Zustand der Rückkehrer aus: Eine kurze Isolation kann mit örtlichem Personal bearbeitet werden, während eine längere oder schwer belastende Isolation zusätzliche Fachkräfte und länger dauernde Betreuung erfordert.
Welche Informationen wofür gebraucht werden
Mehrere Informationsbedürfnisse treffen auf denselben Rückkehrer. Operative Angaben betreffen das Isolationsereignis und die laufende Lage, nachrichtendienstliche Nachbesprechungen die entsprechenden Informationsanforderungen. Ermittlungen können Beweismittel für Straftaten der Gefangennehmer benötigen. Das SERE-Debriefing hat einen eigenen Zweck: Erfahrungen sollen helfen, künftige Isolation zu verhindern oder Menschen besser darauf vorzubereiten. Die Fragen und Teilnehmer müssen zu diesen Aufgaben passen; Gesundheitsbeurteilung und Behandlung haben eigene fachliche Zuständigkeiten.
Bei der Planung der Nachbesprechungen werden zeitkritische Informationsanforderungen priorisiert. Wer noch Wissen über andere isolierte Personen oder eine unmittelbare Lebensgefahr besitzt, sollte den dringlichen Inhalt zu Beginn benennen, damit er rechtzeitig die zuständigen Kräfte erreicht. Die britische Reintegration gewichtet dies ausdrücklich: Gesundheit und Wohlergehen stehen vor der Nachbesprechung, außer eine vorrangige operative Notwendigkeit verlangt Informationen zur Rückführung anderer Isolierter oder zum Schutz von Menschenleben. Eine solche dringliche Abklärung hat einen anderen Umfang als die spätere ausführliche Rekonstruktion für die Auswertung.
Die Mitwirkung des Rückkehrers
Der Rückkehrer bringt Erfahrungen ein, die aus Planungsunterlagen oder Meldungen allein nicht hervorgehen. Er kann schildern, wie die Isolation entstand, was ihm währenddessen tatsächlich begegnete und wie die Rückkehr ablief. Für die SERE-Auswertung ist bedeutsam, welche Vorbereitung und eingesetzten Mittel ihm halfen und welche Schwierigkeiten auftraten. Eigene Beobachtungen, später erhaltene Informationen und Vermutungen sollten dabei erkennbar bleiben. Erinnerungslücken oder eine unsichere zeitliche Reihenfolge gehören zur Schilderung; eine Vermutung als sichere Beobachtung zu übermitteln kann die weitere Auswertung fehlleiten.
Ebenso gehört der eigene Zustand in die Abstimmung: Schmerzen, Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme beeinflussen, welche Gesprächsbelastung bewältigt werden kann. Der Rückkehrer soll wissen, welche Termine, Kontakte und weiteren Schritte vorgesehen sind. Die Nachbesprechung ist ein Teil der Reintegration. Über deren Abschluss entscheidet im US-System der zuständige Kommandeur auf Empfehlung des Reintegrationsteamleiters. Die anschließende Dienststatusentscheidung liegt bei den zuständigen Führungs- und Personalstellen.
Erfassung, Schutz und Nutzung der Ergebnisse
Im Navy-ODP schafft das vorbereitete Kit die technische Fähigkeit zur Erfassung. Die Weiterleitung an die Joint Personnel Recovery Agency dient der Analyse von Erfahrungen und der Entwicklung von Fallstudien. Damit können Erkenntnisse eines einzelnen Rückkehrers in die Vorbereitung anderer gefährdeter Personen einfließen.
Im US-Verfahren erläutert das Formular Personnel Recovery Debriefing Statement, DD Form 2810, dem Rückkehrer die für seine Aussagen geltenden Offenlegungsbeschränkungen. Die SERE-Debriefingunterlagen werden zum Abschluss der Reintegration über die vorgesehenen Führungswege an JPRA geschickt. Dazu gehören auch Aufzeichnungen, Transkripte, Karten und Zeichnungen. Nach bestätigtem Eingang werden die verbliebenen Kopien vernichtet; sie werden weder weiter aufbewahrt noch an andere Stellen verteilt. Diese Behandlung betrifft die SERE-Debriefingunterlagen und ist von medizinischer Dokumentation und anderen Informationsverfahren zu unterscheiden.
US-Phasen und internationale Einordnung
Die US-Reintegration unterscheidet drei Phasen mit flexiblen Zeitabläufen: Phase I beginnt bei Rückkehr unter die Kontrolle der eigenen oder einer befreundeten Organisation, Phase II am Übergangsort im Einsatzraum und Phase III auf Ebene der Teilstreitkraft. Die Navy-Anforderungen an das ODP-Kit und die vorzubereitenden Kontakte beziehen sich besonders auf Phase III. Die Bedürfnisse der Person und die operative Aufgabe bestimmen den Ablauf; der Abschluss kann bereits in einer früheren Phase erfolgen.
Im NATO-Rahmen bleibt Reintegration eine nationale Verantwortung. Die Betreuung durch ein anderes Land kann auf bilateralen Vereinbarungen beruhen. JPRA und PRETC unterstützen gemeinsam mit dem European Personnel Recovery Centre auch multinationale Reintegrationstrainings. Deren Lehr- und Workshoparbeit hilft den Teilnehmern, eigene nationale Programme und Verfahren aufzubauen.