
Die spanische SERE-Ausbildung bereitet Militärangehörige darauf vor, eine Isolation in feindlicher Umgebung zu überstehen, einer Gefangennahme auszuweichen, in Gefangenschaft Informationen und Zusammenhalt zu schützen und an der eigenen Rückführung mitzuwirken. Die spanische Bezeichnung lautet Supervivencia, Evasión, Resistencia y Extracción. Dahinter stehen unterschiedliche Aufgaben: sich mit knappen Mitteln bewegungsfähig halten, einem suchenden Gegner entgehen, unter fremder Kontrolle handlungsfähig bleiben und einen vorbereiteten Kontakt mit eigenen Kräften ermöglichen.
A, B und C: Vorbereitung nach der Verwendung
Spanien ordnet die Vorbereitung dem Risiko von Isolation und gegnerischer Ausnutzung zu. Maßgeblich ist die vorgesehene Verwendung: Eine Tätigkeit außerhalb geschützter Stützpunkte, ein Flug über feindlich kontrolliertes Gebiet oder eine Spezialoperation erzeugen unterschiedliche Möglichkeiten, von der eigenen Einheit getrennt zu werden. Die Teilstreitkräfte berücksichtigen dieses Risiko bei der Zuordnung zur jeweiligen Ausbildungsstufe.
| Stufe | Ausbildungsform und Zuordnung | Bedeutung für die Person |
|---|---|---|
| A | Theoretische Grundvorbereitung für Personal, das an Operationen teilnimmt und dabei einem niedrigen Isolations- und Ausnutzungsrisiko ausgesetzt ist. | Die Person erhält den grundlegenden Rahmen für Überleben, Ausweichen, Verhalten bei Gefangennahme und Mitwirkung an der Rückführung. |
| B | Theorie mit praktischen Anteilen für mittlere Exposition. Mögliche Verwendungen sind Truppenschutz und Militärpolizei bei Verwendung außerhalb von Basen, reguläre Transportbesatzungen und Unterstützungskräfte beim Aufmarsch. | Die Vorbereitung umfasst die eigene praktische Anwendung; welche Person B benötigt, richtet sich nach ihrer konkreten Aufgabe. |
| C / Charlie | Umfangreiche praktische Ausbildung einschließlich Gefangennahme und gegnerischer Ausnutzung für besonders gefährdetes Personal. | Die Person muss auch den Übergang vom Ausweichen zum Verhalten unter gegnerischer Kontrolle bewältigen. |
Zu den konkreten C-Zielgruppen gehören Kampfpiloten, Luftfahrzeugbesatzungen jenseits feindlicher Linien und Angehörige von Spezialoperationen. Die Escuela Militar de Paracaidismo Méndez Parada in Alcantarilla ist das streitkräfteübergreifende Referenzzentrum für SERE und führt die Charlie-Ausbildung durch. Die Kurse der Luft- und Weltraumstreitkräfte richten sich an Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften. Die verwendeten Außenbereiche ergänzen die Einrichtungen der Basis um die Gelände- und Umweltbedingungen des jeweiligen Szenarios.
EZAPAC: Versorgung unter Suchdruck
Ein Ausbildungsmodell des Escuadrón de Zapadores Paracaidistas, kurz EZAPAC, beginnt mit einer Spezialaufklärung und dem Auftrag, einen isolierten Piloten zurückzuholen. Die Lage kippt, sodass die Teilnehmer selbst zu den Personen werden, die sich einer feindlichen Suche entziehen müssen. Eine Theoriewoche bereitet zwei praktische Wochen vor. Innerhalb dieses Ablaufs beginnt der ausdrücklich als Charlie bezeichnete Gefangenschaftsanteil erst nach der simulierten Gefangennahme.
Der Gegner patrouilliert auf Wegen und Straßen. Damit wird die Wahl des nächsten Abschnitts zu einer Sicherheitsentscheidung: Der gut begehbare direkte Weg kann genau der Raum sein, den die Suchkräfte kontrollieren. Vor dem Verlassen eines verdeckten Aufenthaltsorts sind gegnerische Bewegung, einsehbare Geländeteile und die Möglichkeiten der nächsten Pause zusammen zu betrachten. Wer aus einem Versteck unmittelbar in einen beobachteten Weg eintritt, gibt den Schutz des Aufenthaltsorts auf, bevor er den nächsten gedeckten Abschnitt erreicht hat.
Zwischen den Bewegungsabschnitten müssen die Teilnehmer aus dem Gelände Ressourcen gewinnen, Schutz vor der Witterung schaffen, Nahrung suchen, Wasser aufbereiten und Feuer machen. Der Aufenthaltsort muss diese Tätigkeiten mit dem Verbergen vereinbaren. Ein Platz ohne erreichbares Wasser kann weitere Beschaffungswege erzwingen; ein Platz dicht an einem patrouillierten Weg bringt jede solche Bewegung in dessen Beobachtungsraum. Ein Feuer kann wärmen und das Zubereiten von Nahrung ermöglichen, erzeugt aber Licht, Rauch und Geruch. Die Person muss deshalb abwägen, ob sie dafür das zusätzliche Entdeckungsrisiko eingehen kann.
Im beschriebenen Ablauf liegt das nächste Aufnahmefenster mehrere Tage entfernt. Die Zeit wird für Selbstversorgung genutzt, bevor die Teilnehmer ihre Evasion fortsetzen. Fehlende reguläre Mahlzeiten schwächen sie bereits während dieser Phase. Beim Entschluss zur Weiterbewegung zählen deshalb neben der gegnerischen Suche der verbliebene Wasservorrat und die körperliche Verfassung, die Entfernung zum nächsten Ziel und die Zeit bis zum vorgesehenen Kontakt. Reicht die Handlungsfähigkeit nur für einen Teil des Weges, müssen Ressourcen und Pausen vor dem Aufbruch in die Bewegung eingeplant werden; ein Aufnahmepunkt nützt wenig, wenn die Person ihn körperlich nicht mehr erreicht.
Gefangenschaft: Identität, Informationen und Mitgefangene
Die spanischen Verhaltensregeln verpflichten den gefangenen Kombattanten, militärische Unterordnung und Disziplin auch gegenüber seinen Mitgefangenen aufrechtzuerhalten. Er soll Antworten auf Vor- und Nachnamen, Dienstgrad, Angaben zur persönlichen Identität und Geburtsdatum begrenzen und sich bemühen, darüber hinausgehende Fragen nicht zu beantworten. Die Pflicht zum Schutz dienstlicher Angelegenheiten und personenbezogener Daten gilt ebenfalls. Fragen nach dem Auftrag, den Tätigkeiten anderer Personen oder operativen Einzelheiten führen damit über die eigene Identifizierung hinaus.
Ebenso gehören das Ablehnen gegnerischer Abmachungen und besonderer Vorteile sowie das Bemühen um die eigene Flucht und die Unterstützung von Mitgefangenen zum spanischen Rahmen. Ein Sondervorteil kann die Person an eine Gegenleistung binden und sie von der Gefangenengruppe trennen. Informationsschutz betrifft daher sowohl die Befragung als auch die Bedingungen, unter denen Erleichterungen angeboten werden. Die gemeinsame Disziplin erhält eine Ordnung, an der sich Gefangene trotz fremder Kontrolle orientieren können.
Im EZAPAC-Ablauf folgt auf die Gefangennahme eine realistisch gestaltete Gefangenschaftsphase, in der die zuvor behandelten Verhaltensgrundlagen angewendet werden. Die Person arbeitet nun unter den Beschränkungen des Gewahrsams: Bewegungsfreiheit, Kontaktmöglichkeiten und verfügbare Mittel werden vom Gegner bestimmt. Charlie bereitet gerade auf diesen Wechsel und auf die Gefahr der Ausnutzung vor. Nach einer Flucht muss die Person erneut Versorgung, Bewegung und den vorgesehenen Kontakt organisieren; die vor der Gefangennahme geplante Aufnahme kann inzwischen verpasst oder örtlich ungeeignet sein.
Das Heer: zusammenhängende Aufgaben beim MOE
Beim Mando de Operaciones Especiales, dem Spezialoperationskommando des Heeres, gehören Gefangennahme, Widerstand gegen Befragungen, Flucht, Evasion und Überleben mit Gelände-Ressourcen zur Vorbereitung auf Situationen, die aus einem Kampf entstehen können. Ein beschriebenes Modell des Curso de Aptitud Básica de Operaciones Especiales verbindet die Planung und Durchführung einer Spezialoperationsmission mit einer anschließenden praktischen Gefangenenphase und einer mehrtägigen Ausweich- und Fluchtbewegung ohne Unterbrechung.
Für die anschließende mehrtägige Marschphase stehen die nach Mission und Gefangenenpraxis verbliebenen Kräfte und Mittel zur Verfügung. Der Teilnehmer muss die Etappen so wählen, dass seine Kräfte und Mittel für den weiteren Weg reichen und er unterwegs Nahrung und Wasser beschaffen sowie ruhen kann. Selbstversorgung und Gefangenschaftsverhalten sind dabei eigene Anteile eines umfangreicheren Spezialoperationslehrgangs; dessen Waffen-, Kampf- und übrige Spezialausbildung besitzt zusätzliche Aufgaben außerhalb von SERE.
Persönliche Vorbereitung auf die Rückführung
Ein Vorbereitungsmodell für die spanische Kavallerie beginnt mit den Informationen, die eigene Kräfte später benötigen, und den Absprachen, die die Person selbst kennen muss. Der ISOPREP enthält Angaben zur Identifizierung und Authentifizierung. Er wird vor dem Einsatz erstellt und in der zuständigen Personalkette hinterlegt. Die Person muss ihre Einträge kennen und die vorgesehenen Angaben zur Identitätsprüfung richtig bereitstellen können. Das ausgefüllte Dokument dient den eigenen Kräften als Vergleichsgrundlage; sensible Identitätsangaben gehören nicht in eine offen sichtbare Markierung im Gelände.
Der Evasion Plan of Action, kurz EPA, legt beabsichtigte Aufnahmepunkte, Aktivierungszeiten und Koordinationsmaßnahmen fest. Der Patrouillenführer erstellt ihn, macht die Besatzungen mit den Verfahren vertraut und gibt vor dem Einsatz eine Kopie ab. Für den einzelnen Soldaten werden daraus konkrete auftragsbezogene Hinweise: mitzuführende Mittel, erwartete Aufenthaltsorte, Bewegungsrichtungen, Verbindungswege und Treffpunkte. So weiß die Person, welche eigene Bewegung vorgesehen ist, und die Suchkräfte können den vermuteten Aufenthalt an diesen Absprachen ausrichten.
Diese Vorbereitung ist besonders wichtig, wenn später keine neue Positionsmeldung möglich ist. Eine vorab vereinbarte Route und ein Kontaktfenster geben der Person ein Ziel und den eigenen Kräften einen Suchansatz. Zwingen Gegner oder Gelände zu einer Abweichung, verändern sich zugleich die erwartete Position und der Zeitbedarf. Ob die Person bleibt, weitergeht oder ausweicht, muss sie dann anhand ihrer Beobachtungen, ihres körperlichen Zustands und der konkreten Einsatzabsprachen entscheiden. Ein am Fahrzeug zunächst zweckmäßiger Aufenthalt kann beim Herannahen des Gegners zur Falle werden; eine für einen bestimmten Auftrag vorgegebene Straßenroute kann in einer anderen Lage in die Suche hineinführen.
Lokalisieren, Kontakt herstellen, aufnehmen
Im vorbereiteten EZAPAC-Szenario ermöglichen zugeteilte verschlüsselte Kommunikationsmittel und abgestimmte Verfahren die Lokalisierung während der Bewegung. Ein überfliegendes Flugzeug weist den Teilnehmern den weiteren Weg zu einem Bereich, in dem die Aufnahmekräfte arbeiten können. Die eigene Aufgabe besteht darin, den vorgesehenen Kontakt herzustellen, den tatsächlichen Aufenthalt zu vermitteln und die anschließende Bewegung mit den erhaltenen Anweisungen abzugleichen. Eine bereits übermittelte Position muss bei weiterer Bewegung zur neuen Lage passen, damit die Kräfte nicht einen verlassenen Ort ansteuern.
Nach der Gefangenschaft und Flucht bewegen sich die Teilnehmer zu einem neuen Aufnahmepunkt. Die Aufnahmekräfte verfolgen ihre Annäherung und prüfen vor der Aufnahme ihre Identität. Die Authentifizierung verbindet die Person am Kontaktort mit den zuvor vorbereiteten Identitätsangaben und dem vorgesehenen Verfahren. Eine sichtbare Person oder ein verständlicher Funkspruch allein beantwortet noch nicht, ob es sich um das gesuchte eigene Personal handelt. Die Person muss deshalb am vereinbarten Identitätsabgleich mitwirken und die weiteren Kontaktanweisungen befolgen.
EZAPAC-Bodenteams können zur Lokalisierung, Authentifizierung und Sicherung beitragen, die weitere Evasion unterstützen und isoliertes Personal zu einem für die Luftfahrzeuge zugänglichen Punkt führen. Damit kann zwischen erstem Kontakt und Einstieg noch eine weitere Bewegung liegen. Die Person muss den Kontakt zu diesem Team halten und dessen abgestimmten Weg zur Aufnahme mitgehen, statt aus eigener Initiative auf ein auftauchendes Luftfahrzeug zuzulaufen. Im beschriebenen Übungsablauf übernehmen NH90-Hubschrauber mit EZAPAC-Personal die Aufnahme. Zugeteilte Verbindung, ein erreichbarer Aufnahmeraum und tatsächlich eingesetzte Kräfte machen diesen Ablauf möglich; bis zu deren Kontakt bleibt die Person für ihr Verbergen, ihre Versorgung und ihre Bewegung verantwortlich.
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