SERE Level C ist die fortgeschrittene militärische Ausbildung für Personal mit hohem Isolations- oder Ausnutzungsrisiko. Sie verbindet theoretische Vorbereitung mit umfangreicher praktischer Ausbildung, um zu überleben, einer Gefangennahme zu entgehen und gegnerischer Ausnutzung zu widerstehen. Dazu gehört die Vorbereitung auf eine Rückführung: Die isolierte Person muss sich versorgen, ihre Lage beurteilen und an Kontakt, Identifizierung und Aufnahme mitwirken können.
Warum das Risiko über die Ausbildungsstufe entscheidet
Isolationsrisiko bezeichnet die Gefahr, vom Schutz und Anschluss an eigene Kräfte abgeschnitten zu werden. Ein Luftfahrzeug über feindlichem Gebiet kann seine Besatzung durch Abschuss oder Ausfall in eine solche Lage bringen; Spezialkräfte können durch ihren Auftrag weit entfernt von unmittelbar erreichbarer Unterstützung operieren. Der Einsatzraum, die Arbeitsweise der Einheit und der einzelne Auftrag bestimmen, wie wahrscheinlich Isolation wird. Eine Dienstgradgruppe allein erklärt diese Gefahr nicht.
Ausnutzungsrisiko betrifft dagegen den Schaden, den ein Gegner durch die Ausnutzung einer gefangenen Person anrichten kann. Kenntnisse über Auftrag, Kräfte oder Fähigkeiten können für ihn wertvoll sein; die Verantwortung und Funktion der Person können den Folgen ihrer Gefangenschaft besonderes Gewicht geben. Befragung kann Informationen erschließen, eine mündliche oder schriftliche Erklärung kann gegen die eigenen Kräfte verwendet werden. Deshalb kann intensive Resistance-Vorbereitung auch dann erforderlich sein, wenn vor allem die Folgen einer Gefangennahme schwer wiegen. Das US-System sieht C für Personal mit hohem Isolationsrisiko oder einer deutlich erhöhten Ausnutzungsgefahr bei Gefangennahme vor.
Was C gegenüber B erweitert
Im NATO-Stufenmodell umfasst B grundlegende praktische Survival- und Evasion-Ausbildung sowie Resistance im Unterricht. C erweitert die praktische Ausbildung auf alle drei Bereiche, einschließlich Resistance in einer streng kontrollierten, realistischen Ausbildungsumgebung.
Eine US-amerikanische Lehrgangsform verbindet Unterricht und praktische Fertigkeiten mit einer zusammenhängenden Survival-/Evasion-Feldübung, einem Resistance-Labor und individueller sowie gemeinsamer Nachbesprechung. In der Feldphase müssen die Teilnehmer Versorgung, Verbergen und Fortbewegung miteinander vereinbaren. Im Resistance-Labor übernehmen Ausbilder die Rolle der Gewahrsamsmacht; die Teilnehmer üben individuelles Verhalten und Zusammenarbeit in einer Gefangenengruppe. Frankreich verbindet die praktische C-Ausbildung mit Einsatzausrüstung und einer Gegenkraft.
Welche eigenen Entscheidungen im Gelände nötig sind
Nach Eintritt der Isolation sind körperlicher Zustand, verfügbarer Bestand und eigener Standort die Grundlage des weiteren Vorgehens. Die Person muss erkennen, welche Verletzung oder Umwelteinwirkung ihre Bewegungsfähigkeit bedroht, welche Schutz- und Versorgungsmittel sie noch besitzt und welches Ziel sie erreichen kann. Ein vorher vorbereiteter Evasion Plan of Action, kurz EPA, hält beabsichtigte Ausweichbewegungen und Rückführungsabsichten fest. Er hilft den eigenen Kräften, die möglichen Handlungen der Person vorauszusehen. Eine inzwischen gesperrte Route oder ein unerreichbar gewordenes Ziel erfordert jedoch eine neue Lagebeurteilung.
Fortbewegung muss das Entdeckungsrisiko berücksichtigen. Eine bewegte Körperform, die Silhouette auf einer Geländekante, klappernde Ausrüstung und zurückbleibende Spuren können die Person verraten. Sie beobachtet deshalb aus gedeckten Positionen, nutzt vorhandene Sichtdeckung und prüft vor offenen Übergängen die erkennbare Aktivität. Ein Ruheplatz braucht Schutz vor der Umgebung, verborgene Zugänge, beobachtbare Annäherungswege und eine Möglichkeit zum Weitergehen. Wer sich in einen Ort ohne Ausweg zurückzieht, kann durch die erste gegnerische Annäherung festgesetzt werden.
Versorgung und Bewegung konkurrieren um Zeit und Kraft. Wasserbeschaffung, Nahrungssuche oder die Verbesserung eines Schutzplatzes können einen längeren Aufenthalt erfordern; gleichzeitig kann gegnerische Suche die Bewegung dringlicher machen. Umgekehrt kann ein erschöpfter Teilnehmer seine geplante Strecke nicht mehr sinnvoll bewältigen. Ein US-amerikanisches C-Übungsmodell verbindet solche Entscheidungen mit Suchdruck sowie knapper Nahrung und eingeschränktem Schlaf. Die eigene Aufgabe ist, Versorgung, Ruhe und Weg so einzuteilen, dass weitere Bewegung, Beobachtung und gegebenenfalls die Aufnahme noch möglich bleiben.
Worauf praktische Resistance vorbereitet
Mit der Gefangennahme verändern sich die Handlungsmöglichkeiten: Bewegung und Kontakt werden durch den Gegner bestimmt, während Informationsschutz und Zusammenhalt an Bedeutung gewinnen. Resistance umfasst das Verhalten gegenüber Befragung und anderen Ausnutzungsversuchen, den Schutz von Mitgefangenen und das Aufrechterhalten einer handlungsfähigen Gefangenengruppe. Eine preisgegebene Information kann andere Personen gefährden; gegnerische Sonderbehandlung kann die Zusammenarbeit der Gruppe untergraben. Das praktische Training führt diese Konflikte in kontrollierten Gefangenschaftsszenarien zusammen.
Für US-Militärangehörige gibt der Code of Conduct einen konkreten Rahmen. Bei Befragung als Kriegsgefangener nennt er Name, Dienstgrad, Dienstnummer und Geburtsdatum; weitergehenden Fragen soll sich die Person nach Kräften entziehen. Ebenso behandelt er schädliche mündliche oder schriftliche Erklärungen, Hilfe zur Flucht, die Ablehnung besonderer Vergünstigungen und Verantwortung gegenüber Mitgefangenen. Der ranghöchste Gefangene übernimmt Führung, die anderen unterstützen rechtmäßige Anordnungen. Frankreich bezieht bei C auch Festhaltung durch nichtstaatliche Akteure sowie psychologische und rechtliche Aspekte der Gefangenschaft ein.
Wie die Person eine mögliche Rückführung unterstützt
Rückführung beginnt für die Person bereits mit der Vorbereitung von Bewegungsabsichten, persönlichen Identifizierungsdaten und den vorgesehenen Kontaktverfahren. Ein ISOPREP stellt Angaben für Identifizierung und Authentifizierung bereit; der EPA beschreibt beabsichtigtes Verhalten während der Isolation. Bei tatsächlich zustande gekommenem Kontakt sind neben dem Standort auch gegnerische Aktivität, Geländehindernisse, Zahl und Zustand der Personen sowie verfügbare Signalmittel wichtig. Die Kommunikation setzt funktionsfähige eigene Mittel und eine erreichbare Gegenstelle voraus. Eine tatsächliche Aufnahme erfordert zusätzlich geeignete verfügbare Kräfte, eine erreichbare Aufnahmestelle und eine für diese Kräfte tragbare Bedrohungslage.
Signalisierung macht den Standort kenntlich und kann ihn zugleich dem Gegner verraten. Verfügbare Signalmittel werden nach dem vorbereiteten oder übermittelten Verfahren eingesetzt; Authentifizierungsangaben werden vor Offenlegung geschützt. Auch genaue Koordinaten bestätigen der Aufnahmegruppe noch nicht, wer sich dort befindet. Bei unmittelbar bevorstehender Aufnahme hält sich die Person bis zum vorgesehenen Zeitpunkt verborgen, sichert Ausrüstung und Waffen, vermeidet hastige Bewegungen und nähert sich erst auf Anweisung. Bei Luftfahrzeugen kommen Rotoren, Propeller und lose Gegenstände als unmittelbare Gefahren hinzu. Diese eigenen Handlungen erleichtern die Übernahme in die Kontrolle eigener oder befreundeter Kräfte.
Nationale Ausprägungen von C, Charlie und RtoI
In Deutschland ist C vornehmlich für Spezialkräfte und Piloten vorgesehen. Es umfasst weiterführende Fertigkeiten im Überleben und Durchschlagen sowie zweckmäßiges Verhalten in Kriegsgefangenschaft. Resistance to Interrogation, kurz RtoI, ist ein zusätzliches Modul insbesondere für Spezialkräfte und Luftfahrzeugbesatzungen. Wo es in den Lehrgang eingebunden wird, folgt auf die Durchschlagephase eine Phase mit Gefangenschaft und Befragung. RtoI vertieft damit einen bestimmten Teil der Vorbereitung; es bezeichnet nicht den gesamten SERE-C-Lehrgang.
Frankreich verwendet Charlie als Bezeichnung der höchsten SERE-Stufe für fliegendes Personal. Die C-Vorbereitung verbindet Überleben und Capture Avoidance mit praktischer Resistance und Verfahren zur Unterstützung der Rückführung. Sie schließt die eigenen Mittel für Bewegung, Positionsanzeige und geschützte Kommunikation ein. Deren tatsächliche Verfügbarkeit bestimmt, welche vorbereiteten Möglichkeiten die isolierte Person nutzen kann.
In Großbritannien wird C durch die Defence SERE Training Organisation durchgeführt, während B auf Ebene der Einheiten vermittelt wird. Die Entscheidung für C folgt dem Einsatzrisiko und der Einstufung als gefährdetes Personal. In den USA steht das letzte E im SERE-Namen für Escape; der Code of Conduct prägt die militärische Resistance-Ausbildung.