Militärische Isolation · Begriffe und Aufgaben

Survival, Combat Survival und SERE im Vergleich

Wie Bedrohung und Fremdkontrolle Ruhe, Versorgung, Informationsschutz und Rückführung verändern.

Pilot und SERE-Ausbilder prüfen gemeinsam ein Survivalfunkgerät im Gelände
Ein Pilot übt in Langley-Eustis die Bedienung seines Survivalfunkgeräts unter Anleitung eines SERE-Ausbilders.

Survival richtet sich auf den körperlichen Lebenserhalt. Combat Survival verbindet ihn mit den Anforderungen militärischer Isolation und gegnerischer Bedrohung. SERE bezeichnet die zusammenhängenden Handlungen zum Überleben, Vermeiden von Gefangennahme, Widerstehen gegen Ausnutzung und Entkommen beziehungsweise zur Aufnahme. Survival bleibt dabei auch während Evasion und Gefangenschaft notwendig.

BegriffFachlicher SchwerpunktAufgabe für die Person
SurvivalKörperliche Funktionen mit vorhandenen Mitteln erhaltenSchutz, Versorgung und Ruhe so einsetzen, dass Bewegung und die Handhabung der eigenen Mittel möglich bleiben
Combat SurvivalLebenserhalt unter gegnerischer BedrohungVersorgung, Aufenthalt und Bewegung zugleich nach Entdeckungs- und Gefangennahmerisiko beurteilen
SEREVerbundenes Handeln in Isolation und die Vorbereitung daraufÜberleben und Evasion verbinden, bei Gefangenschaft Ausnutzung widerstehen und auf Entkommen oder eine tatsächliche Aufnahme hinarbeiten

Versorgung und Verbergen am selben Ort

Ruhe erhält Kraft für die weitere Bewegung; Schutz vor Kälte, Nässe oder Wind mindert dabei die Belastung des Körpers. Bei gegnerischer Bedrohung wird der Ruheort zugleich so gewählt, dass natürliche Verdeckung die Sicht auf die Person und ihre Tätigkeit erschwert. Einsehbare Zugänge helfen, sich nähernde Personen früh zu erkennen. Es muss auch einen Ausweg geben, falls die Annäherung den Aufenthalt gefährdet.

Bei einem verdeckten Halt entscheidet nicht der Wunsch nach Komfort über eine Wärmequelle, sondern der körperliche Zustand. Nasse Bekleidung, Wind und kalter Boden können die Bewegungsfähigkeit bis zur nächsten Etappe gefährden. Reichen trockene Schichten, Unterlage und Wetterschutz aus, lässt sich auf die zusätzlichen Signaturen eines Feuers verzichten. Sinkt die Körpertemperatur trotz dieser Maßnahmen weiter, muss die Person den Platz wechseln oder eine wirksamere Wärmequelle nutzen und das dadurch entstehende Entdeckungsrisiko bewusst in Kauf nehmen.

Die Person schont Kraft für Phasen, in denen sie ihren Aufenthalt beenden muss. Beobachtet sie eine gegnerische Annäherung, die den Ruheort gefährdet, prüft sie mit ihrem körperlichen Zustand und den noch vorhandenen Mitteln, welche Bewegung sie leisten kann. Erforderliche Ruhe oder Versorgung verlängern dabei den Aufenthalt am gefährdeten Ort; ein sofortiges Verlassen beansprucht die verbliebenen körperlichen Reserven.

SERE als Handeln und Vorbereitung

In der US-amerikanischen gemeinsamen Militärterminologie sind die SERE-Handlungen isolierten Personals auf Gesundheit, Beweglichkeit, Sicherheit und die Rückkehr zu eigenen oder befreundeten Kräften gerichtet. Im NATO-Rahmen wird darauf durch einsatzbezogene Vorbereitung, passende Ausrüstung und SERE-Ausbildung hingearbeitet.

Survival und Evasion können gleichzeitig erforderlich sein: Eine Person erhält ihren Körper und vermeidet während Versorgung, Ruhe oder Weiterbewegung eine Gefangennahme. Kommt sie in gegnerischen Gewahrsam, treten Resistance und die Vorbereitung auf Fluchtgelegenheiten hinzu. Nach dem Entkommen können Bewegung unter Bedrohung und Versorgung erneut die entscheidenden Aufgaben sein.

Gefangenschaft verändert die eigenen Aufgaben

In Gefangenschaft übt der Gewahrsamsinhaber unmittelbare Kontrolle über die Person aus und kann sie für Informationen oder andere Zwecke ausnutzen. Resistance richtet sich gegen diese Ausnutzung. Der körperliche Lebenserhalt bleibt währenddessen notwendig; zugleich gewinnt der Schutz von Informationen und Mitgefangenen Gewicht. Die Person muss ihr Verhalten auf diese fremde Kontrolle einstellen; ihren Aufenthaltsort und ihre Bewegung kann sie nicht mehr selbst bestimmen.

Im US-amerikanischen militärischen Code of Conduct gehört dazu das Bemühen um eigene Flucht und die Unterstützung anderer Gefangener. Der Verhaltensrahmen verlangt Loyalität gegenüber Mitgefangenen und verbietet Angaben oder Handlungen, die ihnen schaden. Für US-Kriegsgefangene sieht Artikel V vor, bei Befragung Name, Dienstgrad, Dienstnummer und Geburtsdatum zu nennen und weitergehende Antworten nach Kräften zu vermeiden.

Rückführung: eigene Vorbereitung und Zusammenarbeit mit Rückführungskräften

Das letzte E von SERE bezeichnet in der US-amerikanischen Langform Escape, im NATO-Rahmen Extraction. Escape betrifft das Entkommen aus gegnerischem Gewahrsam. Extraction richtet den Blick auf die physische Aufnahme und das Herausbringen einer isolierten Person. Für die eigene Flucht steht das Verlassen der Gefangenschaft im Mittelpunkt; bei einer Aufnahme muss die Person mit den tatsächlich eingesetzten Kräften zusammenwirken. Die NATO-Vorbereitung schließt auch das Entkommen nach einer Gefangennahme ein.

Ist eine Verbindung zu Rückführungskräften vorhanden, dienen Positionsangaben und Signale dem Auffinden. Dieselben Aussendungen oder sichtbaren Zeichen können den Aufenthaltsort auch anderen erkennbar machen. Vorbereitete Authentifizierungsverfahren dienen dem Abgleich mit dem gesuchten Personal. Auch bei genauen Koordinaten müssen die Kräfte diesen Identitätsabgleich vornehmen, bevor sie die Person aufnehmen.

Ein ISOPREP stellt vorbereitete Informationen für Identifizierung und Authentifizierung bereit; ein Evasion Plan of Action beschreibt beabsichtigtes Verhalten während der Evasion. Die eingesetzten Kräfte und ihre Führung beurteilen die verfügbaren Mittel und die Gefährdung der Person und der Kräfte bei der Aufnahme. Bei einer tatsächlichen Recovery übernehmen die Kräfte die Person physisch in eigene oder befreundete Obhut. Personnel Recovery verbindet dafür die isolierte Person, Rückführungskräfte und koordinierende Führung; zur anschließenden Reintegration gehören medizinische und psychologische Betreuung sowie Befragungen zur Isolation.

Ausbildungsnamen und Inhalte

Im NATO-Modell richtet sich die SERE-Ausbildung nach dem Risiko von Isolation und Ausnutzung. Level A vermittelt grundlegende theoretische Inhalte und kann einfache praktische Survival-Anteile enthalten. Level B verbindet die Theorie mit grundlegender praktischer Survival- und Evasion-Ausbildung sowie Resistance-Unterricht. Level C umfasst umfangreiche praktische Survival-, Evasion- und Resistance-Ausbildung.

Auch eine Ausbildung mit Combat Survival im Namen kann Gefangenschaftsvorbereitung einschließen. Der britische Aircrew Combat Survival Course enthielt Conduct After Capture als festen Bestandteil.