ECAC steht für Evasion and Conduct After Capture und bezeichnet ein Ausbildungsprogramm der US Air Force, das Ausweichen vor Gefangennahme mit der Vorbereitung auf Gefangenschaft verbindet. Es richtet sich an ausgewähltes Personal mit erhöhtem Isolations- oder Gefangennahmerisiko. Zum Level-B-Profil gehören Unterricht und Rollenszenarien zu Kriegsgefangenschaft, staatlicher Festhaltung außerhalb eines Krieges und Geiselnahme, praktische Evasion-Ausbildung sowie Grundlagen der Personnel Recovery. Den Abschluss bildet ein Geiselszenario im Resistance Training Laboratory.
USAF-Programm und Zielpersonal
ECAC wird an der Joint Base San Antonio-Lackland in Texas durch Detachment 3 der 66th Training Squadron vermittelt. Das Programm gehört zur SERE-Ausbildung der USAF. Sein einsatznahes Profil bereitet ausgewähltes Personal auf unsichere Umgebungen vor, in denen es vom eigenen Verband getrennt oder festgehalten werden kann. Die Gefährdung entsteht aus Auftrag und Tätigkeit: Wer sich außerhalb gesicherter Bereiche bewegt, kann nach einem Zwischenfall auf sich gestellt sein, auch wenn seine eigentliche Aufgabe keine Kampfhandlung ist.
Die Stufe beschreibt den Umfang der Vorbereitung für dieses Personal. Im US-Verhaltensrahmen ist Level B für Tätigkeiten mit mäßigem Gefangennahmerisiko vorgesehen; Level C richtet sich an erhebliches oder hohes Risiko und eine besondere Gefährdung durch gegnerische Ausnutzung. Dazu tragen Kenntnisse, Funktion und Verantwortung bei. Ein gefährlicher Einsatzort allein erklärt deshalb noch nicht, welcher Lehrgang benötigt wird.
Unterricht, ARL und praktische Anteile
Der ECAC-Aufbau verbindet zwei Aufgabenbereiche. Zur Evasion gehören Unterricht über Taktiken, Techniken und Verfahren, Personnel-Recovery-Grundsätze und ein Evasion Laboratory mit praktischer Anwendung. Zur Gefangenschaftsvorbereitung gehören Unterricht über militärische Gefangenschaft, staatliche Festhaltung und Geiselnahme sowie Academic Role-play Laboratories, kurz ARL. Der abschließende Hostage-RTL-Anteil setzt die Teilnehmer in eine dargestellte Geiselgefangenschaft.
Ein ARL macht aus einer abstrakten Verhaltensregel eine Begegnung mit einer dargestellten Gegenseite. Die eigene Antwort muss zur Lage passen: Was schützt Informationen, was hilft einem Mitgefangenen, was kann zusätzliche Ausnutzung ermöglichen? In einem älteren ARL-Modell der US Army beobachten und besprechen Teilnehmer die Rollenszenarien der anderen mit Ausbildern. Diese geben im Army-Modell bei der Nachbesprechung individuelle und gemeinsame Rückmeldung zu den tatsächlich erfolgten Antworten und Handlungen. Der Teilnehmer kann beispielsweise erkennen, ob eine Auskunft einen Mitgefangenen als Träger besonderen Wissens hervorgehoben hat oder ob seine Gesprächsführung eine schädigende Forderung begrenzt hat. Für die nächste Begegnung richtet er seine Antworten daran aus, solche Angaben zu vermeiden und Gespräche über notwendige Versorgung von Auskünften über Mitgefangene zu trennen.
Die Unterscheidung der Gefangenschaftslagen hat eine praktische Folge. Eine militärische Befragung kann auf Operationswissen und die Identifizierung weiterer Gefangener zielen. Ein staatlicher Gewahrsam kann mit strafrechtlichen Vorwürfen und politischer Ausnutzung verbunden sein. Geiselnehmer können einen Gefangenen als Druckmittel gegen Dritte benutzen. Dieselbe Antwort, dieselbe Gesprächsführung oder derselbe Fluchtentschluss hat deshalb je nach Lage andere Folgen.
Evasion und eigene Rückkehr
Das ECAC-Profil enthält ausdrücklich Urban Evasion: Ausweichen vor Gefangennahme im bebauten Raum. Die isolierte Person muss mit den vorhandenen Mitteln einen tatsächlich passierbaren Weg finden und dabei die Gefahr der Entdeckung berücksichtigen. Ein älterer ECAC-Einblick zeigte das Überwinden einer Mauer mit verfügbaren Überlebensgegenständen oder Trümmermaterial. Der Zweck war, ein Bewegungshindernis in einer Isolations- oder Evasion-Lage zu überwinden. Daraus ergibt sich eine konkrete Aufgabe: Hindernis, vorhandene Mittel und eigene körperliche Möglichkeiten zusammen beurteilen, statt einen geplanten Weg um jeden Preis fortzusetzen.
Personnel Recovery umfasst im ECAC-Zusammenhang auch die Tätigkeit der isolierten Person. Sie erhält ihre Handlungsfähigkeit, entzieht sich einer möglichen Gefangennahme und wirkt an der Rückkehr unter die Kontrolle eigener oder befreundeter Kräfte mit. Das Programm bereitet ausdrücklich auf Rückkehr mit oder ohne organisierte Recovery vor. Eine geplante Aufnahme und eigene Weiterbewegung sind unterschiedliche Möglichkeiten: Verfügbare Kräfte, die Bedrohung, der eigene Zustand und erreichbare Verbindung beeinflussen, welche davon überhaupt durchgeführt werden kann.
Bei einer tatsächlich möglichen Aufnahme müssen Standort und Identität geklärt werden. Eine präzise Ortsangabe ermöglicht es Kräften, die Person zu finden; die Authentifizierung schützt sie und die Aufnahmegruppe vor einer gegnerischen Täuschung. Ein vermeintlicher Kontakt zu eigenen oder befreundeten Kräften ersetzt diese Identitätsprüfung nicht. In der allgemeinen PR-Vorbereitung beschreibt der Evasion Plan of Action die beabsichtigte Weiterbewegung, während ISOPREP Angaben zur Identifizierung und Authentifizierung bereitstellt. Die Person muss die für ihren Einsatz vorbereiteten Kommunikations- und Kontaktverfahren anwenden können. Dazu braucht sie die entsprechenden Mittel und eine nutzbare Verbindung; ihre eigene Bewegung und Versorgung bleiben bis zur tatsächlichen Aufnahme ihre Aufgabe.
Verhalten in den Gefangenschaftslagen
Für US-Militärangehörige in Kriegsgefangenschaft bildet der Code of Conduct den nationalen Verhaltensrahmen. Bei Befragung sind Name, Dienstgrad, Dienstnummer und Geburtsdatum anzugeben; weiteren Fragen soll die Person nach Kräften ausweichen. Der Schutz umfasst auch Mitgefangene: Aussagen über deren Funktion oder besonderes Wissen können sie als nächste Befragungsziele hervorheben. Innerhalb der Gruppe sollen Führung und Zusammenhalt erhalten bleiben. Gespräche über Gesundheit, Versorgung und Beschwerden gehören zu den zulässigen Gefangenenangelegenheiten. Informationsschutz bedeutet deshalb gezieltes Begrenzen schädigender Auskünfte, nicht die Aufgabe jeder Kommunikation mit dem Gewahrsamsinhaber.
Außerhalb eines Krieges verändert staatliche Festhaltung die Lage. Im USAF-Rahmen für den Gewahrsam einer unfreundlichen Regierung soll die Person ruhig und kontrolliert auftreten, die unverfänglichen Umstände ihrer Festhaltung erklären und weitergehende Gespräche auf Gesundheit, das Wohlergehen anderer Festgehaltener und die Rückkehr beschränken. Aggressives Verhalten oder ein Fluchtversuch kann die strafrechtliche Lage verschärfen und zusätzliche Verfolgung auslösen. Der für Kriegsgefangenschaft geltende US-Fluchtauftrag wird deshalb nicht unverändert auf diesen staatlichen Gewahrsam übertragen; der USAF-Verhaltensrahmen behandelt Flucht hier als Ausnahme unter lebensbedrohlichen Umständen.
Bei einer terroristischen Geiselnahme richtet sich ein Teil des eigenen Verhaltens darauf, als Mensch wahrgenommen zu werden und vermeidbare Eskalation zu begrenzen. Ruhiges, höfliches Auftreten und Zuhören können dazu beitragen. Politische oder religiöse Streitgespräche, Herablassung und das Debattieren über die Sache der Geiselnehmer können die Begegnung verschärfen. Gleichzeitig muss die Person berücksichtigen, welche Angaben zur Ausnutzung ihrer selbst oder anderer dienen können. Diese Lage verlangt eine andere Gesprächsführung als das bloße Wiederholen von militärischen Identitätsdaten.
Der Schwerpunkt Hostage RTL
Im Hostage Resistance Training Laboratory handelt der Teilnehmer selbst innerhalb einer dargestellten Geiselgefangenschaft. Er muss die vorbereiteten Grundsätze auf die Begegnung mit den dargestellten Geiselnehmern und auf seine eigenen Reaktionen anwenden. Der Schwerpunkt verbindet Überleben mit Widerstand gegen Ausnutzung: Eine Person kann ihr Gegenüber ruhig ansprechen und zugleich darauf achten, welche Informationen oder Aussagen dessen Ziele unterstützen würden. Widerstand wird damit nicht auf offene Konfrontation verkürzt.
Auch eine bereits laufende Befreiung verändert die Aufgabe der Geisel. Die USAF-Vorbereitung sieht vor, Deckung zu suchen, möglichst an Ort und Stelle zu bleiben und den Rettungskräften nicht durch eigenes Mitkämpfen zu helfen. Die Kräfte müssen Geiseln von Tätern unterscheiden; eine unklare eigene Bewegung kann diese Unterscheidung erschweren.
Level B, Level C und nationale CAC-Programme
Ein praktisches Gefangenschaftslabor macht einen Lehrgang für sich genommen nicht zu Level C. ECAC ist als Level B beziehungsweise B-äquivalente Vorbereitung eingeordnet und enthält dennoch ein Hostage RTL. Eine vollständige SERE-C-Ausbildung behandelt Survival, Evasion und Resistance in erheblich größerem praktischem Umfang. Ein älteres US-Army-Kursmodell verband Feldversorgung und Evasion mit einer anschließenden Phase in einem nachgebildeten Kriegsgefangenenlager und individueller sowie gemeinsamer Nachbesprechung. Der Unterschied betrifft den gesamten Aufgabenbogen: längeres eigenständiges Handeln im Gelände und praktische Resistance in einer umfassenderen Gefangenschaftslage gegenüber dem gezielten Evasion- und Gefangenschaftsprofil von ECAC.
Die NATO ordnet Level B grundlegender praktischer Survival- und Evasion-Ausbildung mit Resistance im Unterricht zu; Level C umfasst umfangreiche praktische Survival-, Evasion- und Resistance-Ausbildung. Großbritannien vermittelt B auf Einheitsebene und führt C bei der Defence SERE Training Organisation durch. Der Buchstabe B benennt somit nicht überall denselben Anteil praktischer Gefangenschaft. Für die isolierte Person zählt, welche Evasion-, Kontakt- und Gefangenschaftsaufgaben sie in ihrem eigenen Programm tatsächlich vorbereitet und angewandt hat.
Conduct After Capture kann außerdem nur den Resistance-Anteil eines nationalen SERE-Systems bezeichnen. Ein älteres australisches CAC-Modell gliederte diesen Anteil selbst in A als Einführung, B als Theorievorbereitung und C als praktische Gefangenschaftsszenarien mit staatlicher Festhaltung, Geiselnahme und militärischer Ausnutzung. Dessen CAC-Level C bezeichnete deshalb eine Stufe innerhalb der Gefangenschaftsausbildung. ECAC benennt dagegen das USAF-Programm, das Evasion und Gefangenschaftsvorbereitung gemeinsam führt. Wer Qualifikationen vergleicht, muss den Gegenstand hinter der Stufenbezeichnung prüfen: ein vollständiges SERE-Programm, einen Gefangenschaftsanteil oder einen spezifischen kombinierten Lehrgang.